FRAUENERWERBSARBEIT IM LIECHTENSTEIN DER NACHKRIEGSZEIT / JULIA FRICK lingsfamilien, die im Zweiten Weltkrieg in Liechten- stein Zuflucht suchten, ein Gymnasium für Mädchen ein. Folgende Zeitungsannoncen warben vor allem in der Schweiz für das Institut: «Wo soll sich unsere Tochter ausbilden? ... Im Institut St. Elisabeth, ... für interne und externe Schülerinnen - Gelegenheit zur Ausbildung am Realgymnasium (5 Jahre) mit Mädchenlyzeum (2 Jahre), an der dreiklassigen Handelsschule, sowie an der Haushaltungsschule ......74 Von diesem Angebot profitierten vereinzelt auch Liechtensteinerinnen. Im Herbst desselben Jahres eröffneten sie die erste und dritte Gymnasialklasse. Insgesamt schrie- ben sich 21 Mädchen für das Gymnasium ein. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die meisten Flücht- lingsfamilien Liechtenstein verliessen, schrumpfte die Zahl der Gymnasiastinnen, so dass das Mäd- chengymnasium nach nur drei Jahren wieder abge- schafft wurde. Das Institut St. Elisabeth konzentrierte sich von diesem Zeitpunkt an wieder vermehrt auf die gefor- derte Mädchenbildung in Liechtenstein und der Re- gion. Ihr Konzept beschrieben die Lehrschwestern in ihrer Festschrift Jahre später folgendermassen: «Das Gymnasium überstieg die Bildungsbedürfnis- se der Mädchen in Liechtenstein, die Flaushaltungs- schule genügte ihnen nicht. ... Der weit überwiegen- de Mittelstand verlangte für seine Töchter gründli- che Allgemeinbildung, kaufmännische Ertüchtigung für das Geschäft und dazu umfassende hauswirt- schaftliche Kenntnisse. Die künftigen Frauen Liech- tensteins sollten den wirtschaftlichen Umschwung vom Ackerbau zur Industrie und die damit verbun- dene gesellschaftliche Umschichtung ohne Schaden vollziehen. Sie sollten tüchtige Geschäftsfrauen wer- den und sich im Haushalt ebenso daheim fühlen wie im Büro.»75 Auch der Landesschulrat meinte, als er am 13. März 1946 den neuen Lehr- und Stunden- plan genehmigte, dass eine gut geführte Töchter- schule sich für das Land nur segensreich auswirken könne und bestimmt eine bessere Lösung sei als die Führung eines Mädchengymnasiums.76 Die Ausbil- dung umfasste Sekundarschul-, Flauswirtschafts- und Handelsfächer und dauerte vier Jahre. Da sich die Schule selber finanzieren musste, hatten die El-tern 
Schulgeld zu bezahlen. 1955 bewilligte der Liechtensteinische Landtag eine staatliche Subven- tion. Im Oktober 1957 wurde dann das neu gebaute und von der Kongregation selbst finanzierte Schul- gebäude eingeweiht. «Sie [die neue Schule] soll ge- fallen, aber nicht auffallen.»77 Das Mädchenschulmodell des Instituts St. Elisa- beth stellte sich als Erfolg heraus, das Rezept reli- giöse Erziehung, Vorbereitung auf die Rolle als Hausfrau und eine «qualifizierte» Berufsausbildung im kaufmännischen Bereich schien wie zugeschnit- ten auf die Bedürfnisse des katholischen Fürsten- tums Liechtenstein und dessen Wirtschaftsauf- schwung. Die meisten «Abschlüsslerinnen» von St. Elisabeth besassen eine gesicherte Stelle, bevor sie die Prüfung bestanden hatten. Banken und andere Büros in Liechtenstein und dem Ausland, die von der Leistung der im Kloster ausgebildeten Bürokräf- te gehört oder sich bereits davon überzeugt hatten, «bestellten» Monate vor Schulschluss bei der Direk- tion eine Buchhalterin oder Sekretärin, eine Korres- pondentin oder Stenotypistin.78 Ab 1974 führten die Schwestern eine Mädchen- realschule mit Übertrittsmöglichkeiten ins Gymna- sium. Die Lehrerinnen wurden neu durch den Staat besoldet. Das Liechtensteinische Gymnasium, wel- ches bis 1968 ausschliesslich den Buben vorbehal- ten war, wurde schon viel länger vom Staat finan- ziert. WELTLICHE LEHRERINNEN Weltliche Lehrerinnen waren bis Mitte der 1960er Jahre eine äusserste Rarität. Sie passten nicht in das katholische liechtensteinische Weltbild. So erregte der Umstand, dass eine weltliche Lehrerin 1936 als /4) Spieler, Wenn das Weizenkoni stirbt, S. 290. 75) Ebenda, S. 292. 76) Ebenda. 77) Ebenda. S. 385. 78) Ebenda, S. 382 f. 39
        

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