hunderts aufkamen, entstanden aus der weiblichen Disposition zum Zudienen und Helfen, die Sozial- und Pflegeberufe sowie die modernen Büroberufe ebenfalls. Im Bereich Werbung und Mode, wo Hübschsein und Weiblichsein als eigentliche Qualifi- kation galten, entstanden Berufe wie Stewardess und Fotomodell. Aber auch bei der industriellen Ar- beit wurde eine typisch weibliche Disposition gefun- den: die Fähigkeit, exakt ausdauernde und monoto- ne Arbeit verrichten zu können. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass durch diese geseUschaftliche Einschätzung der Frau- enarbeit sich Frauen diesbezüglich von vornherein in einer schlechteren Position befanden als Männer. Ihr Berufsfeld war weit eingeschränkter und ihre berufliche Position lag in den meisten Fällen hierar- chisch tiefer. Die Folgen waren tieferer Lohn und niedrigerer Status. Dieser Trend konnte während des ganzen untersuchten Zeitraumes festgestellt werden. 
AUSBILDUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR MÄDCHEN: VOM TOCHTERBERUF ZUR ANGESTELLTEN EINLEITUNG Die Sonderstellung der Mädchen und Frauen in der Schul- und Berufsausbildung war keine liechtenstei- nische Eigenheit. Vor allem die katholisch ländlich geprägten Regionen des deutschen Sprachraums waren bekannt für ihr  in der Bil- dung allgemein und in der Mädchenbildung spe- ziell. Liechtenstein bildete hier aber das Schlusslicht und brauchte am längsten bis zur Normalisierung, bzw. zur Gleichstellung der Geschlechter in der Schul- und Berufsausbildung.52 DIE ANFÄNGE DES LIECHTENSTEINISCHEN SCHULWESENS Durch einen Erlass von 1805 und den Schulplan von 1806 wurde die Schulpflicht eingeführt und damit das Fundament für das liechtensteinische Bildungs- wesen gelegt. Ab diesem Zeitpunkt durften auch Mädchen die Schule besuchen, jedoch galt für sie höchstwahrscheinlich noch keine Schulpflicht.63 Erst 1865, als die Schulpflicht auf acht Jahre verlängert wurde, war ausdrücklich von beiden Geschlechtern die Rede.64 62) Vgl. Martin, Bildungswesen. S. 372. 63) Allgemein war bis zu diesem Zeitpunkt das Niveau des liechten- steinischen Schulwesens niedrig. Geiger gelangte in seiner Disserta- tion zum Schluss, dass das Schulwesen in Liechtenstein erst etwa um 1860 das Niveau der umliegenden Staaten erreicht hatte. Vgl. dazu auch Paul Vogt. Verwaltungsstruktur und Verwaltungsreformen, S. 112-114: «Die Ursachen für diese Bildungsmisere lagen tief: In der liechtensteinischen Bevölkerung bestand bis weit ins 19. Jahr- hundert eine weit verbreitete Bildungsfeindlichkeit, da der Nutzen der Schulbildung nicht eingesehen wurde. Die Gemeinden suchten die gesetzlichen Bestimmungen zu umgehen, da für sie der Bau von Schulhäusern und der Unterhalt der Lehrer eine schwere finanzielle Belastung darstellten. Fast in allen Gemeinden wurde erst in den 1830er oder 1840er Jahren eigentliche Schulhäuser erbaut.» 64) Vgl. Marxer/Hilti, Inventur, S. 22. 34
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.