FRAUENERWERBSARBEIT IM LIECHTENSTEIN DER NACHKRIEGSZEIT / JULIA FRICK absolutem Aufgehen im Hausfrauendasein darstell- te, zugewiesen. In dieser Rolle hatten vor allem Ehe- frauen, die aus Überzeugung einem Beruf nachgin- gen, keinen Platz: «Durch Tüchtigkeit erwächst Freude am hauswirtschaftlichen Tun, diese Freude verdrängt den Wunsch nach Berufsarbeit der Frau in der Ehe in allen Fällen, wo nicht eigentliche Not drängt. Gekonnte häusliche Tätigkeit verbreitet eine Atmosphäre der Geborgenheit über die Familie und bereitet gewissermassen den Nährboden für das Gedeihen von mehr Kindern als eine zwischen Beruf und Haushalt hin- und hergehetzte Frau sich glaubt leisten zu können.»46 Trotzdem anerkannte die Kirche Mitte der 1950er Jahre einen Wandel in Richtung Frauenerwerbstä- tigkeit, ohne die den Frauen bisher zugewiesene Rolle jedoch ernsthaft in Frage zu stellen. «Die Schaffung und Gestaltung eines Heimes» wurde als das eigentliche Grosse, was die Frau in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden bei allen Völkern vollbracht habe, bestätigt.47 Jedoch bedingt durch die Entwicklung in der Industrie und die sozialen Umschichtungen, verschiebe sich nun auch der Auf- gabenbereich der bisher «anerkannten und gelieb- ten Flerrscherin im Heim» auf ausserhäusliche Er- werbsarbeit.48 Die Kirche reagierte mit solchen oder ähnlichen Verlautbarungen auf den wirtschaftli- chen Aufschwung, welcher vermehrt Frauen in den Arbeitsmarkt einbezog. Sie empfand diesen Wandel nicht als durchwegs positiv, sondern warnte davor, weil gerade die Frauen besonders gefährdet seien. «Die Frau ist aus ihrem bisherigen Milieu herausge- hoben und ist unwiderstehlich in die Wirbel und Strudel der Oeffentlichkeit hineingerissen. Sie ge- fährdet damit ihre Gesundheit.»49 Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch ein Bericht aus dem Protokollbuch der Marianischen Jungfrauen- kongregation in Schaan, welches einen Vortrag von H. H. Dr. Russmann an die katholischen Frauen und Töchter protokollierte. Der Referent setzte einen Schwerpunkt auf den Wirtschaftsprozess und den Einbezug von Frauen ins Erwerbsleben und wies daraufhin, dass dieses Heer der weiblichen Berufs- tätigen vor allem aus alleinstehenden Frauen, Wit- wen und schuldlos geschiedenen Frauen bestehe 
und es sehr zu beklagen sei, dass diese Frauen ihrer ursprünglichen Aufgabe entfremdet würden. Weiter betonte er, dass gerade Frauen bei gleicher Leistung schlechter entlöhnt würden und dass sie keine Chancen hätten, in führende Positionen der Wirt- schaft zu kommen. Aber dies sei ja irgendwie auch gegen das Wesen der Frau.50 Auch die liechtensteinischen Tageszeitungen schnitten gelegentlich dieses Thema an. So wurde zum Beispiel 1950 im Liechtensteiner Volksblatt in der einmal wöchentlich erscheinenden Rubrik «Die Seite der Frau» ein Artikel abgeduckt, welcher be- stätigte, dass die heutigen Frauen durchaus bewie- sen hätten, dass sie auf gewissen Posten selbständig zu arbeiten fähig seien. Dies sei vor allem durch ihre angeborenen häuslichen Fähigkeiten, welche ganz besonders im Gewerbe zu Erfolg führen könnten, zu erklären. «Geht dort dem Mann die kaufmännische Sorgfalt ab, so bestätigt sich gerade auf diesem Ge- biet die Frau mit natürlichem Verständnis und ge- schäftlichem Instinkt.»51 Daher sei die Kombination vom rationalen Mann und der vom Gefühl und der Intuition geleiteten Frau von grossem Vorteil. Der Artikel anerkennt die Frau als gewinnbrin- gende Arbeitskraft, erklärt ihre Fähigkeiten aber als naturgegeben und liefert so gleich auch die Erklä- rung für die Lohndiskriminierung und den allge- mein niedrigeren Arbeitsstatus der Frauen. 42) Bekanntes Uhren- und Juweliergeschäft in Vaduz. 43) Du hast recht! 44) Die Sendung der Frau, in: «In Christo», 5. Juli 1952. 45) Exerzitien für die Soldalinnen in Liechtenstein, in: «In Christo», 22. November 1952. 46) Ein Studiengang über die Frau, in: «In Christo», 15. August 1953. 47) Mission der Frau, in: «In Christo», 11. Februar 1956. 48) Ebenda. 49) Ebenda. 50) Vgl. Gemeindearchiv Schaan: Schachtel Jungfrauenverein, Protokollbuch der Marianischen Jungfrauenkongregation Schaan 1950-1959. Vortrag H.H. Dr. Russmann. August/September 1953. 51) Die selbständige berufstätige Frau, in: LVolksblatt, 15. Juli 1950. 29
        

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