weltliche gemeinnützige Zwecke. Diese altpatriar- chalisch übernommene Freigebigkeit macht die Be- wohner von direkten Abgaben fast frei; die indirek- ten Einkünfte aus den Zoll- und Oktroieinigungen mit Österreich werden in erster Linie auf die Unter- haltung der Rheindeiche verwendet. Die Regierung in Vaduz wird ausgeübt von einem Stellvertreter des Fürsten, einem Landesverweser, der, insofern er dem Landtag verantwortlich ist, auch sein eigener Staatsminister ist. Ihm unterstehen ein Staatssekre- tär, ein Schatzkanzler, ein Justizdirektor, ein Staats- ingenieur und ein Landforstmeister, zu denen die Gemeindevorstände, als Träger staatlicher Funktio- nen, hinzutreten. Von kundigen Beurteilern der Ver- hältnisse werden sowohl dies System der Verwal- tung wie die einfachen, tüchtigen, landeseingebore- nen Beamten als wohlbewährt gerühmt. Selbstverständlich hielt bei der Sprengung des Deutschen Bundes 1866 Liechtenstein zu Öster- reich. Sein Heer, bestehend aus 80 Mann nebst ei- nem Hauptmann und einem Trompeter, setzte sich in Bewegung. Es operierte mit so grosser Geschick- lichkeit und in so treulichem Festhalten an der bes- ten Taktik der ehemals hochlöblichen Reichsarmee, dass es, als alles vorüber war, immer noch nicht an- gekommen war. Deshalb hat sich Preussen auch gar nicht die Mühe genommen, mit ihm einen besonde- ren Frieden zu schliessen. Nicht aus Versehen und Vergessen behielt Liechtenstein die europäische Souveränität, die ihm im Moment der Auflösung des Deutschen Bundes zugefallen war, sondern weil für Bismarck der büreaukratische Papierverbrauch kein Selbstzweck war. Es hatte ja doch nichts anderes Sinn, als dass man die tatsächliche Lage ins Auge fasste, wie sie war, und das Land stillschweigend in seinem Verhältnis zu Österreich beliess. Abermals erlebte nun Johann II. eine Zeit, dass die Post viele Eingaben seiner Untertanen in seinen Palast nach Wien brachte. Sie wollten den Militaris- mus nicht mehr, der seit 1866 zwecklos geworden sei. Johann erwiderte ihnen, genau so hätte er auch schon gedacht und vorgehabt. 1868 wurde also der Hauptmann pensioniert und die allgemeine Wehr- pflicht ausser Wirkung gesetzt. 
Es geht uns doch Eigentümliches durch den Sinn bei diesen Dingen. Hunderttausende von mürri- schen oder erhitzten Köpfen in allen Ländern for- dern in Rede und Schrift ungefähr ähnliche Ent- pflichtungen und preisen sie aus als das Glück, wie sie der Liechtensteiner besitzt. Und doch wieder würden sie mit ihm nicht tauschen wollen, und sie verschonen ihn mit ihrem persönlichen Zuzug in sein umfriedetes Land. - Bei den Phäaken sass Odysseus, der die Kämpfe um Ilion kannte und im Hades nicht gebebt hatte. In linder Gastlichkeit sass er, Flötenspiel und Reigen tönten zum festlich berei- teten Mahle, und sein nachdenkliches Auge hing an den errötenden Wangen der lieblichen Nausikaa. Und dennoch stand er auf und reckte die Helden- glieder, dass die Gelenke krachten, und fuhr hin in sein steiniges Ithaka und zerschmetterte die listig täppischen Freier der Penelope. 308
        

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