duzer die Leitung des Wuhrbaus. Das neue Wuhr beginnt mit einer Breite von 18 Schuh und dehnt sich allmählig zu einer solchen von 24 Schuh aus. Man bedenke, welche Kosten nur die Llerbeischaf- fung des Ungeheuern Materials, das erforderlich ist, verursacht. Abwechselnd arbeiten sämmtliche Ge- meinden an diesem Werke, unter treuem Beistande der benachbarten St. Gallischen Gemeinden Buchs, Burgerau und Sevelen. Unvergesslich wird eine sol- che uneigennützige Hülfe den Liechtensteinern sein! Auch Maienfeld und Fläsch anerboten ihre freundnachbarliche Hülfe und das edelgesinnte Feldkirch schickte eine reiche Gabe an die Bedräng- ten. Noch rinnt zwar der Rhein in seinem neuen Bet- te, aber in den ersten Tagen des August's, so hofft man, wird der ungebetene Gast sein altes Bett wie- der beziehen müssen. Ohne dass jedoch diese Hoff- nung in Erfüllung ging, traf ein neues Unglück die ohnehin schwer heimgesuchten Gemeinden Vaduz und Schaan: eine Rüfe löste sich in Folge eines Schlagregens von dem verwetterten Gebirg und richtete in den vom Wasser verschont gebliebenen Wiesen und Äckern neuen, unermesslichen Scha- den an. Merke, Leber Leser, Gott sucht alle heim, Arme und Reiche, Grosse und Kleine, jeden zu seiner Zeit und in seiner Art. Aber nur den schlägt das Unglück nicht nieder, den es milder, weiser, gerechter und einträchtiger macht. Einem solchen erweckt Gott überall theilnehmende Seelen, die ihn in seiner Noth nicht verlassen, sondern ihm mit thätiger Hül- fe beispringen. «Betrachtet die Raben, spricht der Heiland, wie sie weder säen noch ernten, weder Keller, noch Kornkisten haben und Gott nährt sie doch. Wie viel mehr seid ihr, als die Vögel!» 
Der Rhein war für unsere Vorfahren eine stete Ge- fahr und Bedrängnis, namentlich in der Zeit vor der Eindämmung, die um die Mitte des 19. Jahrhun- derts erfolgte. Man war gezwungen, ständig mit dieser Gefahr zu leben. Berichte über Rheinüberflu- tungen in unserem Gebiet gehen weit zurück. So sind früheste Rheinüberschwemmungen für 1342 und November 1374 überliefert.2 Ein verheerendes Ausmass erreichte der hier geschilderte Rheinein- bruch im Jahr 1846. In einem «Thatbestand» wird festgehalten: «Der schrecklichen Katastrophe, die der am 28. Ju- ni und wieder am 8. Juli d. J. erfolgte ... Rheinein- bruch bei Vaduz durch das Thalgelände hinab bis an den alt benannten Schellenberg, über das arme Ländchen des Eürstenthums Liechtenstein ge- bracht, hat seine Geschichte glücklicherweise kein Beispiel an die Seite zu. stellen.»* Alois Ospeltführt in seiner Arbeit weiter aus: «Nach zeitgenössischen Berichten wurde eine Fläche von mehr als 3 Millio- nen Quadratklaftern (ca. 12 km2) Acker- und Wies- land unter Wasser gesetzt und mit hoch angehäuf- tem Geschiebe überdeckt. Das Wasser reichte in Va- duz bis an die Landstrasse unterhalb des Schloss- felsens. Die grosse Rheintalebene bis nach Mauren stand 6 Wochen unter Wasser. Allein der Schaden an zerstörten Feldfrüchten betrug ca. 100000 fl., die verwüsteten Gründe und zerstörten Wuhrbau- ten nicht miteingerechnet. Um 300 Einwohner* wa- ren vom Rheineinbruch direkt betroffen, der Nah- rungsmittel für Mensch und Vieh ganz oder teilwei- se beraubt. Ein Wiederaufbau erforderte bei der Ar- mut des Landes beinahe übermenschliche Anstren- gungen. Liechtenstein war durch diese Katastrophe an den Rand eines wirtschaftlichen Ruins geraten und auf fremde Hilfe angewiesen. Unter dem Vorsitz von Landesvikar Jacob Anton Carigiet konstituierte sich ein Hilfsverein, um die Ärmsten mit Geld und Naturalien zu unterstützen. Fürst Alois traf folgen- de Sofortmassnahmen: Ermächtigung des Ober- amtes zur Gewährung von Vorschüssen, um die schlimmste Not zu lindern und die dringendsten Wuhrbauten vorzunehmen; Bereitstellung der Über- schüsse aus Zoll- und Weggeldeinnahmen für Wuhrbauten; 750fl. RWBeitrag an den Hilfsverein; 302
        

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