LIECHTENSTEIN IN ALTEN SCHILDERUNGEN NORBERT W. HASLER ©er Qjtn&rucD beö 9*(jeing &ci 3>ab«s im Sied&tenflcimfc^cn am 28. 3uni 1846. £>et 28. Sunt roac ein Sag beö ©djrecfenei föc boe) fleine Cänbdjen jroifcben ber fiujtcn» fteig unb bec 3tt, infonbecbeit föc bie @e» meinben 93 a b u j unb 6 tfi o a n. Segen 4 Übe teö iOtorgenö burcbbcacb bec 9?bcin oberhalb S3abuj baö fonfl (tarfe QBubc unb jwac an einer ©teile, reo eS bie mit bec üetrung bec SBubcacbeiten SBeauftcagten am roenigrfen erwartet bitten. (Sin OTonn Pon Briefen bemerfte boö Ungläcf juerft, madjte Sa'rm unb alöbalb tönte bec »Ruf bec 3Bubc= gtecfe ben ecfcbcocfenen Canbleuten juSSabuj in bie Obcen. SDiannec unb 2Beibec eilten berbei: 9lngft unb ©cbcrcten log auf ibcen ©eftcbtecn, olö fte (oben, bof bec £aupfftcom ftd) über tfcre gelber babin wä'lje, unb faum trugen bie Äniee bte Ungläcfticben weitet. — 3wifctjen bec 2anb(lco§e unb bem SKbein breitet ficb bie 2lu bec 93abu$ec unb ©cbaanec aue?, bie fett Oielen Sabcen bec mit gcofec Sirbett unb jtoften urbor gemocbt roorben. ®ti ift eine febc bebeutenbe fianbftcecfe unb gecabe biefeö 3abc ftonben otte geliebte fo fcfeön unb oecfpracfien einen reicblicbeuQjctcag, bec um fo (ebbaftec ecfebnt wutbe, aW bie 
jroei Dorbecgebenben 3abre weniger ergiebig ausgefallen waren unb bieSlotb bereits brin* genb an bie Sbüre mancbeö armen $aud= uaterd ftopfte. 2>er £>auptftrom beö Kbeinö, ber in feinem breiten SSette bie SXtcbtung immec änbert unb mä'cbtig angefdirootlen woc, nabm feinen Sauf gerabe gegen boö 35ocf 93abuj, roo bie untecbalb bec ßanbftrafie gelegenen ijaufer geräumt werben muften. 93on 93 a b u j wanbte er ftcb in bae? fcud)t= bace unb roobl angebaute'Qebtet bec ©cbaa» ti e c, bec 9?id)tun>\ beß Äanateö folgenb, weltfeec juc Slbfübcung bec SBinnengeroä'ffer angelegt worben unb bei Senbecn in ben SKbein münbet. #iec fanb bie gewaltige SBaffermaffe nicbt binreicbenb 9lbftu§, ftaucbte tai Sinnenwaffec auf unb oerbrettete ftcb übec baö ganje ßanb jroifcben © d) a a n, 93enbecn,©fcben unb SN e n b l e n, roobucd) aud) bte lejtecn ©emeinben nebft Sentertt unb © a m p e c i n , baö auf biefer «Seife beträ'cbtltcbeö @tgentbum beftfcr, empftnblid) gefcbäbigt würben. SBobl jwet ©tunben in bie Sänge unb an manchen ©teilen öbec 
eine falbe ©tunbe in bte Sceite wac dem Reichthum, der dies Gefilde geschmückt hatte, aus dem Wasser empor. In der grössten Verlegen- heit befanden sich unter anderm auch die Thierlein, welche das Feld beherbergt, und das Wild: da herrschte überall grosse, angstvolle Bewegung und es ging an ein Retten und Flüchten (als ihnen das Wasser so unerwartet kam) auf höher gelegene und trockene Stellen: aber nur auf kurze Zeit; denn im- mer höher schwoll das Wasser und so fanden die, welche in diesem Element nicht zu leben gewohnt sind, ihren Untergang. Was soll ich aber von den Menschen sagen, als das Unglück in seiner ganzen Ausdehnung vor ihren Augen stand, als sie die Arbeit ihrer Hände, die Hoffnung des Jahres verwüstet, vernichtet, sahen? Was von denjenigen Landleuten, die nicht nur die- ses, sondern auch noch Grund und Boden verloren? Und was ist der Landmann ohne sein Kapital, das in Grund und Boden besteht, davon er sich und die Sei- nigen nährt, schlicht und redlich? Ein Fisch ohne Wasser, ein Vogel ohne Flügel. Und nun kannst du dir, lieber Leser, den Schmerz und Jammer der Leu- te denken, die zu Vaduz und Schaan und weiter ab-wärts 
wohnen und dem kleinen, nicht wohlhaben- den Ländchen Liechtenstein. Wärst du an dem Tage des Unglücks an Ort und Stelle gewesen, du hättest auf den Gesichtern Aller lesen können, was ich dir nicht zu beschreiben im Stande bin. Man schätzt den Schaden, der allein an den Feld- früchten verursacht wurde, über 100 000 fl., wovon auf die Gemeinde Schaan mehr als die Hälfte kommt. Als die unglücklichen Leute von dem ersten Ein- druck des Schreckens und von der Bestürzung, in welche sie das unerwartete Naturereignis versetzte, erholt hatten, legten sie sogleich Hand an das Werk, um den Hauptstrom wieder seinem alten Bette zu- rückzugeben, ein fast riesenhaftes Unternehmen! Denn es musste eine Wuhröffnung, die der Strom bis zu ungefähr 140 Klaftern nach und nach erweitert hatte, in einer Tiefe von oft 24-30 Schuh ausgefüllt werden. Man berief Graubündnerische, St. Gallische und Österreichische Ingenieure an Ort und Stelle. Sie fanden die Art, wie die Männer von Triesen das neue Wuhr anzulegen unternahmen, für zweckmäs- sig. So übernahmen Männer von Triesen für die Va- 301
        

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