gemeinen Zeitung» (FAZ), Zickert als einen Men- schen, der seiner Zeit voraus war (S. 221 ff.). Hermann Zickert wurde am 8. Juni 1885 in Eisle- ben (D) geboren. Er besuchte dort und in Sonders- hausen das Gymnasium; anschliessend studierte er in Freiberg, München, Berlin und Heidelberg, wo er 1907 zum Dr. phil. promovierte. Nach seinem Studi- enabschluss arbeitete Zickert als Wirtschaftsredak- tor beim «Berliner Tageblatt» und wurde dann He- rausgeber der Finanzzeitschrift «Wirtschaftlicher Ratgeber». 1931 gründete er die Zeitschrift «Spiegel der Wirtschaft», die er zunächst in Berlin und dann in Liechtenstein, wohin er 1931 mit seiner Familie ge- zogen war und bis zu seinem Tod 1954 lebte, veröf- fentlichte. Hermann Zickert (1885-1954) 
Zickerts Pionierleistungen auf dem Gebiet der Fi- nanzanalyse sind zahlreich und beeindruckend: 1923 gründete er den ersten deutschen Investment- verein, 1926 entwickelte er ein eigenes Aktienanaly- semodell, welches die Grundlage für seine bahnbre- chenden Bilanzanalysen von Unternehmen bildete. Bereits in den 1930er Jahren gab er privaten Anle- gern Börsentipps, und 1934 publizierte er den wahr- scheinlich ersten Börsenführer in Deutschland. Sei- ne beiden Werke «Die acht Gebote der Finanzkunst» sowie «Die 15 Grundregeln der Kapitalanlage» sind heute noch wegweisend. Ersteres ist laut Karlheinz Heeb sogar «eines der besten Bücher, das je über das Geldanlegen geschrieben wurde» (S. 159). Zickert versprach seinen Lesern im Untertitel «Alles was je- der wissen muss, der ein Vermögen erwerben oder vermehren will» also keineswegs zu viel. Sein Lebenswerk war jedoch die Herausgabe des «Spiegels der Wirtschaft», den er von der ersten, 1931 erschienenen Ausgabe an - damals noch unter dem Titel «Wachet auf!» - bis zu seinem Tod 1954 als alleiniger verantwortlicher Redaktor betreute. Die Zeitschrift, deren Start inmitten der Weltwirtschafts- krise erfolgte, wurde in den ersten Jahren im Wo- chen- und ab 1940 im Monatsrhythmus produziert. Eine Ausgabe umfasste anfangs acht bis zwölf, spä- ter rund dreissig Seiten. Karlheinz Heeb hat errech- net, dass Zickert zwischen 1931 und 1954 rund 8700 Seiten «Spiegel der Wirtschaft» herausgegeben hat. «Für Börsianer», so Heeb über die Bedeutung dieses Periodikums, «war das grüne Heft über Jahrzehnte hinweg Pflichtlektüre. Es befasste sich mit deutschen und zunehmend auch internationalen Wirtschafts- und Börsenvorgängen.» (S. 46). Wieso aber zog der zumindest zu Beginn seiner Tätigkeit auf Deutschland fokussierte Zickert 1931 nach Liechtenstein? Diesen Schritt begründete er ge- genüber seinen Lesern damit, dass in Anbetracht der schwierigen Zeiten «ein starkes Mass an Kritik» nö- tig sei, was aber in Deutschland angesichts der im- mer mehr eingeschränkten Pressefreiheit zuneh- mend schwieriger werde. Zudem liege ganz Deutsch- land «unter einem schweren psychologischen Druck, dem sich kaum jemand entziehen kann, der aber dazu führen kann, dass die Gegenwart oder die Zu- 230
        

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