DIE STELLUNG DER FRAU IN DER LIECHTENSTEINISCHEN WIRTSCHAFTS- UND ARBEITSWELT Eingebettet in die Wirtschaftsgeschichte Liechten- steins der Nachkriegszeit, welche von einem gros- sen wirtschaftlichen Aufschwung und dem damit verbundenen Wohlstand geprägt war, nahmen die erwerbstätigen Frauen eine Sonderstellung ein. Von neuen Arbeitsmöglichkeiten und Arbeitsplätzen und vor allem von besser qualifizierten Berufen schie- nen hauptsächlich die Männer profitiert zu haben. Das tiefe Lohnniveau der Frauen kann als ein Grund für den wirtschaftlichen Aufschwung betrachtet werden. Es konnten neue Arbeitsplätze und vermehrt Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden, die- se waren aber zum allergrössten Teil den männli- chen Erwerbstätigen und männlichen Lehrlingen vorbehalten. Allgemein konnte festgestellt werden, dass die erwerbstätigen Frauen fast ausschliesslich in den ihnen zugewiesenen Berufsbranchen arbeiteten. Neben der Industriearbeit waren dies die dienenden Berufe wie Hausangestellte und Serviertochter, aber auch Verkäuferinnen und kaufmännische Angestell- te. Hier fällt die einzige Überlappung zu einem auch von Männern ausgeführten Beruf auf. Aber auch hier, und wie vor allem im folgenden Teil dieser Ar- beit noch verdeutlicht wird, wurden den Frauen die unteren und mittleren Stellungen innerhalb eines Betriebs oder auch im Staat zugewiesen. Auffallend ist zudem, dass es keine liechtenstei- nischen Frauen im Schuldienst gab. Der Lehrberuf, welcher in Liechtensteins Nachbarländern Schweiz, Österreich aber auch in Deutschland bereits seit vie- len Jahrzehnten ein Frauenberuf war und es als selbstverständlich galt, dass vor allem bürgerliche Frauen diesen Beruf ausübten, war in Liechtenstein eine reine Männerangelegenheit. Eine Ausnahme bildeten die Lehrschwestern, welche vom Staat je- doch schlechter entlöhnt wurden als die männli- chen Lehrbeamten. Auf dieses Thema wird im fol- genden Teil noch näher eingegangen. Nur so viel sei hier noch vermerkt: Als die ersten weltlichen Lehre-rinnen 
an liechtensteinischen Schulen eingestellt wurden, verhängte der Staat auch gleich ein Lehre- rinnenzölibat und obwohl sich ab Mitte der 1960er Jahre vermehrt Frauen für diesen Beruf entschie- den, unterrichten sie immer noch öfter an Primar- schulen als an Mittelschulen oder am Gymnasium, und dort wiederum vermehrt auf der Unterstufe. 18
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.