REZENSIONEN / DIE ITALISCHE TERRA SIGILLATA AUS BREGENZ im Stadtgebiet (S. 11, Abb. 3) dokumentiert ausser- dem eine weite Streuung von Sigillaten auf dem Öl- rainplateau. Die Siedlung erreichte offenbar bereits in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus eine beachtliche Ausdehnung. Für die «archäologisch-historische Auswertung» auf der Suche nach der frühesten römischen Besied- lung von Brigantium berücksichtigt Schimmer auch «nicht-keramische» Hinweise. So sind auch militäri- sche Ausrüstungsgegenstände, sogenannte Milita- ria, aus der frühen Kaiserzeit in ansehnlicher Menge aus Brigantium bekannt. Aber nicht nur Funde solcher Militaria deuten auf Anwesenheit von Militär hin. Sogar die Existenz ei- nes Militärlagers wird in Betracht gezogen. In seinem Aufsatz «Brigantiums Frühkastell»4 interpretiert Adolf Hild Grabungsbefunde zweier Abschnitte eines 2.5 bis 3 m breiten Grabens, Spu- ren eines 30 m langen Lehmfachwerkbaus sowie eines gut erhaltenen Bretterhodens mit anschlies- sendem Kanalgraben als Anhaltspunkte für ein frü- hes Lager. Ein als Spolie verwendetes Inschriftenfragment, das aus der Oberstadt geborgen worden ist, liest Hans-Jörg Kellner5 als Weihung an Drusus den Jün- geren und datiert die Inschrift zwischen 14 und 23 nach Christus. Hild hält sie für die Gründungsin- schrift des Lagers. Auch Michaela Konrad schlägt für Brigantium ei- nen augusteischen Militärposten vor. Sie bringt grundsätzlich das Vorkommen italischer Sigillata nördlich der Alpen mit militärischem Kontext in Verbindung.6 Florian Schimmer kann aus dem derzeitigen For- schungsstand, aus den nur fragmentarischen Quel- len und den dürftigen Befunden Hilds zu Briganti- ums Frühzeit nur wenig konkrete Aussagen treffen. Hilds Argumentation hinsichtlich des postulierten Kastells fand nur teilweise Zuspruch in der For- schung. Die Anwesenheit von Militär ist zwar auf Grund von Funden militärischer Ausrüstungsge- genstände nicht von der Hand zu weisen; in wie weit dies aber mit einem temporär oder längerfristig sta- tioniertem Truppenkontingent zu verbinden ist, bleibt fraglich. Militaria sind kein Beweis für die 
Existenz eines Militärlagers, sie können auch in Zi- vilsiedlungen vorkommen. Auch die italische Sigil- lata wird dafür kein sicheres Indiz sein können. Die Quellenlage zum Alpenfeldzug um 15 vor Christus im Bereich des späteren Rätiens ist bis jetzt spärlich.7 Hinweise auf damalige kriegerische Aus- einandersetzung mit der autochtonen Bevölkerung kennt man vom Döttenbichl bei Oberammergau, wo auf einem Opferplatz der einheimischen Bevölke- rung römische Waffen und Militaria gefunden wor- den sind. Ergänzend zu Schimmers Ausführungen kann man noch aus Graubünden aus dem Oberhalbstein berichten, wo diverse Militaria und Schleuderbleie mit den Legionsstempeln der 3. und 12. Legion zu Tage gekommen sind.8 Oder auch von den römi- schen Wachtürmen am Walensee, die zuletzt in Zu- sammenhang mit Vorbereitungen des Alpenfeldzu- ges gebracht werden. Eine Neusichtung des kerami- schen Fundmaterials ergab hier eine Datierung in das zweite Jahrzehnt vor Christus.9 3) Die Veröffentlichung einer Arbeit zum frühkaiserzeitlichen Gräber- feld Brigantiums wird derzeit von Michaela Konrad vorbereitet. 4) Hild, Adolf: Brigantiums Frühkastell. In: Carinthia 143/2 (1953), S. 71 1-714. 5) Kellner. Hans-Jörg: Zur Drusus-Inschrift in Bregenz. In: Jahrbuch des Vorarlberger Museumsvereins 117 (1973), S. 38-43. 6) Konrad, Michaela: Die Augusteische Terra Sigillata aus Bregenz. In: Germania 67 (1989) S. 592-593. 7) Zanier, Werner: Die Besetzung des Alpenvorlandes. Der Alpenfeld- zug 15 v. Chr. und die augusteische Okkupation in Süddeutschland. In: Warner, Ludwig (Hrsg.): Römer zwischen Alpen und Nordmeer. Kata- loghandbuch zur Landesausstellung des Freistaates Bayern. Mainz. 2000. S. 11-17. 8) Rageth, Jürg: Frührömische Militaria aus dem Oberhalbstein GR- Belege für den Alpenfeldzug? In: Jahrbuch der Schweizerischen Ge- sellschaft für Ur- und Frühgeschichte. Band 87 (2004). S. 297-303. Und ders.: Weitere frührömische Militara und andere Funde aus dem Oberhalbstein GR - Belege für den Alpenfeldzug. In: Jahrbuch der Schweizerischen Gesollschaft für Ur- und Frühgeschichte, Band 88 (2005). S. 302-312. 9) Roth-Rubi, Kathrin: Schaltonbrand Obrecht, Verena; Schindler, Martin Peter und Zäch, Benedikt: Neue Sicht auf die Walenseetürme. Vollständige Fundvorlage und historische Interpretation. In: Jahr- buch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Band 87 (2004). S. 33-70. 223
        

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