an bestimmte Töpfereibetriebe vorgenommen und dementsprechend können Rückschlüsse auf Pro- duktionsort und Produktionszeit gezogen werden. Sigillata, und besonders die «frühe italische», ge- hört zu den chronologisch empfindlichsten Fund- gattungen. Als Datierungsgrundlagen dienen übli- cherweise die Funde aus den augusteischen Militär- lagern im Rheingebiet (Haltern an der Lippe, Ober- aden und Dangstetten), deren Auflassungszeitpunk- te durch historische Überlegungen, Dendrodaten und Münzfunde fest stehen. Schimmer berücksich- tigt weiters fest datierte Plätze und geschlossene Fundensembles aus dem rätischem Raum und den westlich angrenzenden Gebieten 
der Gallia Belgica sowie vom Magdalensberg in der 
Provinz Noricum (Kärnten). Als Vergleichsbeispiele werden weitere Funde herangezogen, so etwa aus Oberwinterthur, dem Legionslager Vindonissa bei Brugg, dem Auer- berg bei Schongau, oder aus der Grabung Kempten- Keckwiese. Die einstige Euphorie anhand der Beobachtung des Auftretens beziehungsweise des Fehlens be- stimmter Gefässformen und Serviceausprägungen italischer Sigillata auf fünf Jahre genau datieren zu können, ist seit dem Bekanntwerden der Produktion von Sigillata «italischer Art» auch ausserhalb Ita- liens - wie etwa in Lyon - verflogen. Man musste er- kennen, dass die Entwicklung der Gefässformen nicht nur linear und überregional parallel, sondern nach Töpfer, Manufaktur und Region unterschied- lich verlaufen kann. Schimmer diskutiert diese Pro- blematik ausführlich und kommt zum Schluss, dass die Vergleichbarkeit von Sigillataserien verschiede- ner Fundplätze mehr oder minder stark einge- schränkt bleibt, dass sich zwar deutliche Entwick- lungslinien verfolgen lassen, eine typologisch-chro- nologische Feinstgliederung aber nicht auf die ge- samte italische Sigillata projizierbar ist. Ausschlaggebend für eine antiquarische Analyse ist zunächst die Provenienz der Sigillata. Schimmer versucht ihr mit Hilfe verschiedener Anhaltspunkte auf die Spur zu kommen: Durch die Unterscheidung von vier Tongruppen nach optischen Kriterien, durch die Beobachtung der Gefässformen, der plas- tischen Dekorauflagen - der Appliken, sowie der 28 
erhaltenen Stempel, die sieben verschiedene Töp- fernamen nennen. Da aber anhand der Stem- pelformen die Provenienzbestimmung nicht in allen Fällen möglich war, da es auch Töpfer gab, die in un- terschiedlichen Produktionsorten arbeiteten und teils mit identischen Stempeln!?) signierten, wurden 14 Gefässe darüber hinaus chemisch analysiert. Schliesslich konnte Sigillata aus Arezzo, Pisa und Lyon nachgewiesen werden. Zur «Bewertung der Sigillatareihe» stellt der Au- tor die Bregenzer Funde aus den Siedlungsgrabun- gen sowie aus dem Gräberfeld3 in die Reihe ausge- wählter Fundplätze, deren Sigillatafunde er jeweils nach Formen beziehungsweise nach Töpferstem- peln in Listen (S. 61-76) und Diagrammen (S. 41, 45, 47, 48) dargestellt hat. Mit Bregenz verglichen werden unter anderem Fundplätze wie Augsburg- Oberhausen, der Lorenzberg, der Auerberg, Kemp- ten, Chur und Oberwinterthur. Daraus ergibt sich für die Bregenzer Sigillata eine Datierung vom fort- geschrittenen ersten Jahrzehnt vor Christus bis in die Jahre um die Zeitenwende. Aus Vergleichen mit bis jetzt aus Rätien bekann- ten Stempelserien beobachtet man zwei unter- schiedliche Belieferungsphasen, eine in mittel/spät- augusteischer-frühtiberischer und eine in mittel-/ spättiberischer-frühclaudischer Zeit. In der früheren Phase ähnelt das Belieferungs- schema Brigantiums den «Mittel- und Nord-Schwei- zer» Fundplätzen, wo der Grossteil der Sigillata aus Arezzo beziehungsweise Pisa bezogen wird. In der zweiten Phase hingegen beobachtet der Autor Flo- rian Schimmer eine deutliche Vereinheitlichung der Handelsströme in Rätien. Das Spektrum der Bre- genzer Sigillata zeigt sich jetzt «typisch rätisch», mit wachsender Einfuhr von südgallischer Ware und Applikenware aus Arezzo und Umgebung. Letztere tritt an «schweizerischen» Fundplätzen nur spora- disch auf. Das Spektrum der Bregenzer itaüschen Sigillata zeigt einen halternzeitlichen Beginn der Siedlung an. Somit kann man mit dem Einsetzen der Sied- lungstätigkeit im Zeitraum des späteren ersten Jahrzehnts vor Christus und der Zeitenwende ge- rechnet werden. Die Kartierung der Sigillatafunde 222
        

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