INVENTAR ÜBER DEN NACHLASS DER GRÄFIN ELEONORA KATHARINA VON HOHENEMS / KARL HEINZ BURMEISTER Das im Folgenden abgedruckte Inventar liegt im Original im Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz unter der Signatur Hohenemser Archiv 171,5. Es handelt sich um ein Papierlibell im Format 32 x 21 cm. Ein blaugelber Faden verbindet das Libell mit der Bestätigung des Notars Georg Christian, auf der sein Notarssignet und Siegel angebracht ist. Das Libell umfasst insgesamt 47 Seiten, die ur- sprünglich ungezählt waren, jetzt aber eine moder- ne Paginierung mit Bleistift aufweisen. Die Seite 47 (Bestätigung des Notars) ist etwa in der Mitte des Blattes abgerissen. Auf Bl. 1 recto Inhaltsangabe «Inventarium Aller Hand Kleinöden» und Archiv- vermerk «Cista 47». Die Gräfin Eleonora Katharina von Hohenems, geborene von Fürstenberg-Heiligenberg-Werden- berg, kam um 1630', vermutlich in Wien, auf die Welt, wo ihre Eltern am 17. Dezember 1628 gehei- ratet haben und wo ihr Vater 1631 gestorben ist. Sie war die Tochter des Reichshofratspräsidenten Graf Wratislaus I. v. Fürstenberg und dessen dritter Gemahlin Lavinia Gonzaga, Gräfin von Novellara und Bagniolo. Die Gräfin Eleonora Katharina heiratete am 14. Februar 1649 in der Schlosskapelle von Stüh- lingen den Grafen Franz Wilhelm I. von Hohenems- Vaduz (t 1662)2, den Stifter der Linie von Llohen- ems-Vaduz. Die feierliche Hochzeit fand dann spä- ter im Laufe des Jahres 1649 auf Schloss Vaduz statt. Das für diese Hochzeit eigens angefertigte Prunkbett befindet sich heute im Vorarlberger Lan- desmuseum in Bregenz. In den ersten Jahren in Vaduz war die Gräfin Eleonora Katharina, solange ihr Mann noch lebte, vor allem Hausfrau und Mutter. Aus ihrer Ehe mit Franz Wilhelm I. von Hohenems gingen fünf Kinder hervor: Maria Franziska (* 1650), Ferdinand Karl (* 29. Dezember 1650), Maria Anna (* 1652), Jakob Hannibal III. (* 1653) und Franz Wilhelm II. (* 1654). Nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 1662 übte die Gräfin gemeinsam mit ihrem Schwa- ger Karl Friedrich von Hohenems (1622-1675) die Vormundschaft über ihre Kinder. Zugleich trat sie ihre Regierung als Landesherrin in der Grafschaft Vaduz und in der Herrschaft Schellenberg an.3 
Die Gräfin Eleonora Katharina stiftete 1656 mit ihrem Gatten einen Altar für die Marienkapelle in Triesen.4 Besonders grosszügig zeigte sie sich auch gegenüber der St. Florinskapelle in Vaduz, der sie laut unserem Inventar bedeutendes Kirchenornat überlassen hat. Als Witwe des hoch verschuldeten Grafen Franz Wilhelm I. von Hohenems war auch die Gräfin gezwungen, einen Kredit aufzunehmen. So versetzte sie am 1. bzw. 11. Oktober 1667 bei Stephan Reiden (Raidt?) Erben zu Chur einen Teil ihres Silbergeschirrs gegen 200 Dukaten. Die Gräfin führte als Witwe ein Siegel, das in ei- nem Rautenschild ein Allianzwappen Hohenems - Fürstenberg zeigt, «überhöht von einer fünfzacki- gen Krone. Ein feiner Perlrand um gibt das Sig- net»/' Das ovale Siegel im Format 10 x 9 cm ist das kleinste des gesamten Bestandes, den Liesching und Vogt untersucht haben. Es dürfte wohl den im Nachlass-Inventar der Gräfin unter den Kleinodien beschriebenen Petschaften zuzuordnen sein: «Ein güldener Petschier Ring in einen Rubin gestochen». Die Gräfin Eleonora Katharina ist am 18. Febru- ar 1670, morgens um 10 Uhr, in Vaduz gestorben, und zwar nicht auf dem Schloss, sondern in ihrer Witwen-Residenzbehausung. Erst 40 Jahre alt, an 1) Nach Elisabeth Castellani Zahir: Ein Blick aus dem Fenster. Schloss Vaduz auf dem Porträt von Franz Wilhelm I. von Hohenems-Vaduz (1662) . In: .IBL 95 (1998), S. 123-139, hierS. 135: Sie starb im Alter von 50 Jahren, wäre also um 1620 geboren: das passt aber nicht zu der Überlieferung, dass ihre Eltern 1628 geheiratet haben. 2) Ebenda, S. 126, Bildnis des Grafen Franz Wilhelm I. von Hohen- ems-Vaduz. 3) Zu ihrer Tätigkeit sei hier nur auf einige Regosten hingewiesen: Alberl Schädler: Regesten zu meiner Sammlung liechtensteinischer Urkunden (1395-1859), in: JBL 7 (1907). S. 103-170, hier Nr. 145 (1664), Albert Schädler: Regesten zu den Urkunden die liechtenstei- nischen Gemeindearchive und Alpgenossenschaften. in: JBL 8 (1908). S. 105-170, hier Nr. 128 (1662), Nr. 129 (1663). Nr. 130 (1663) . Albert Schädler: Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Eschen, in: JBL 17 (1917), S. 34 (1666). 4) Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechten- stein. Basel, 1950, S. 134. 5) Walther P. Liesching und Paul Vogt: Die Siegel in den Archiven des Fürstentums Liechtenstein bis zum Jahre 1700, in: JBL 85 (1985), S. 7-213, hier S. 79. Nr. 30. mit Abb. auf S. 81, Nr. 30. 195
        

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