JOHANN ROMARICH BRÜGLER VON HERKULESBERG KARL HEINZ BURMEISTER ten, 12. und 13. die heilige Kommunion und die heilige Messe, wobei er vor allem die Lutheraner, Calvinisten und Unkatholischen um Aufmerksam- keit bittet. Das 14. Mittel ist die Erwählung eines Standes und die Ausübung eines Berufes. Der Kö- nig unterscheidet sich vom Bauern nur dadurch, dass der König von Gott in einen höheren Stand eingesetzt ist und mehr Verantwortung trägt. «Was würde in der gantzen Welt für Unordnung entste- hen, wann derjenige, so heut ein Baur ist, morgen auf den Thron erhoben, und dargegen der König an den Pflug gespant werden sollte? In solcher weiß würde niemal ein beständigkeit zu erfinden seyn, sondern alles wider- Und unter-einander gehen». Brügler verwirft in diesem Zusammenhang die Prä- destinantionslehre, nach der Gott einige Menschen zu ewiger Verdammnis verurteile. 15. Mittel ist die Anrufung der Heiligen als Mittler zwischen Gott und dem Menschen: «Wer Joseph und Mariam ehrt, Dem ist gewiß der Himmel bschert». Brügler beschliesst seine Aufzählung der Mittel mit der Unverdrossenheit in Mühe und Arbeit, der be- ständige christlichen Sorgfalt und der Demut. Im Krankheitsfall möge der gottliebende Mensch sei- nen Geist in die Hände Gottes befehlen (Psalm 31,6). Brügler hat seinen Ratgeber so abgefasst, dass der Leser jederzeit die Möglichkeit haben sollte, seine Vorschläge nachzulesen und zu überdenken. Er hat deswegen an den Schluss seines Werkes ein Register gestellt mit den Schlagwörtern «Arbeit, Beicht, Beichtvater, Bücher, Buss, Communion, De- mut, Erschaffung, Examen, Freyheit, Fried, Gebot Gottes» usw. Seine Anleitung zum «Scire mori» sollte damit vor allem einen praktischen Zweck er- füllen. Diese Schrift Brüglers gehört zweifellos zu sei- nen grösseren Werken, auch wenn er sich bemüht, einen solchen Gedanken weit von sich zu weisen. Er schreibt ein leichtfassliches («einfältiges») Buch in deutscher Sprache, er will keine tiefsinnigen Ge- danken spinnen, sein Buch soll auch nicht viel Geld kosten, es soll für jedermann erreichbar und ver- ständlich sein. Das Buch soll aber auch, und zwar 
immer wieder aufs Neue, gelesen werden. Er stat- tet es daher mit einem Register aus, in dem der Le- ser sich an Hand von Schlagworten orientieren kann. Denn das Lesen geistlicher Bücher ist für Brügler ein besonders nachdrückliches Mittel zu ei- nem guten und gottgefälligen Leben. Auch von der Thematik her gehörte das Thema Tod, verbunden jedoch mit Freude, schon immer zum besonderen Interessensbereich Brüglers, wie er denn auch in seiner «Ars semper gaudendi» dieses Thema ge- streift hat, wenn auch unter stärkerer Betonung der Freude. «TROTZ TOD UND HIMMEL=FLAMMENDE LIERE», AUGSBURG, 1691, 1695 Brügler selbst hat dieses Buch wohl auch ganz be- sonders geschätzt, sodass er es nach dem Erschei- nen des Nachdrucks noch einmal für eine dritte Auflage umgearbeitet hat, die aber wohl besser als zweite Auflage zu bezeichnen ist, da die zweite Auf- lage von 1694 lediglich ein Nachdruck ist. Der di- plomatisch genaue Titel des Werkes lautet: «Trotz, Todt/| Und | Himmel=flammende Liebe/1 Das ist: | Bewährte Kunst/1 ohne Forcht/ deß Todtes/1 wie auch ohne Gefahr | übel zu sterben/ das | ewige Freuden= | Leben | zu erlangen. | Mit | Angehängter Erweisung/1 Daß ein gottseeliges Leben zu führen | nicht allein möglich/ sondern zu= | mahlen auch nicht schwer seye. | In vnd auch | Langwühriger Kranckheit/1 Zu Erlangung deß Ewigen Lebens/ auß | Brüderlicher Lieb aller Heyl= verlangenden | zum zweyten druck/ vnd zwar aller Orten | gemehr- ter/ verfertiget. | Durch | Johan Romaricum Brügler von Her= | culsberg/ J. C. Comitem Palatinum | Cae- sareum, vnd Flochfürstl. Eggen= | bergischen re- spective Rath/ vnd Secret. | Cum facultate & appro- 80) Augsburg: .Jakob Koppmeyer, 1694. 8°, 15,2 x 9 cm, 8 BL, 422 gez. Seiten, 2 BL, Kupfertitel «Trutz Todt». Exemplarnachweise: Mün- chen, UB, Signatur 8° Homil. 1357, 2 (Provenienzen: Ad Bibl. Acad. Landshut.: Ex dono Heverendi Domini Benedicti Molitor Decani et Pa- rochi in Pfeffenhausen, Landkreis Landshut). 81) Deutsch: trinkbares Gold. 183
        

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