zum andernmal gedruckt. | AUGSPURG/1 Gedruckt und verlegt durch Jac. Koppmayer/ 1694. |80 Auch dieser Nachdruck ist wiederum mit dem be- sonderen Kupferstichtitel von Johann Weidner ge- schmückt. Der Druck enthält zudem auch wieder- um die kirchliche Approbation vom 15. Februar 1691. Gleich geblieben ist auch die Widmung des Bu- ches von Brügler an den Erzabt des Benediktiner- stiftes St. Martinsberg/Pannonhalma in Ungarn, Pla- cidus Lendvay. In dieser seiner Dedikationsepistel vergleicht Brügler das Leben mit einer Wander- fahrt, weil wir Menschen auf Erden nur Wandersleu- te sind, die sich bemühen müssen, ihr Bürgerrecht im Himmel zu suchen, wie Paulus an die Phiüpper schreibt (Phil. 3, 20). Der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn. Viele herrliche Bücher zeigen den Weg dahin auf, aber diese Bücher sind oft in fremden Sprachen geschrieben, teilweise auch sehr tiefsinnig, sie kosten zudem oft viel Geld. Aus diesem Grunde verfasst Brügler «dieses kleine einfältige Wercklem in Teutscher Sprache». Wir alle müssen sterben, kennen aber nicht den Tag und die Stunde unseres Todes; daher sollten wir dazu stets bereit sein, welchen Standes wir auch immer sein mögen. Brügler weiss, dass seine Kräfte nur schwach sind, und daher blecken schon jetzt einige Sykophanten die Zähne, um ihn anzu- bellen. Er braucht daher einen «potenten Patro- nen» wie den Erzabt Placidus Lendvay, dessen Tu- gendlicht heller leuchtet «als deß Sicilianischen Kö- nigs Dionysii Leuchter, ob schon noch so vil Liech- ter darauf gestanden als Tag im Jahr seynd». Der Abt ist aller Welt ein Beispiel in der Erfahrung und Kunst, dem Tod zu trotzen. Brügler wünscht ihm des «Nestoris Lebensalter und alle Glückseligkeit bis zu der Ewigen Seligkeit» und zeichnet als «Euer Hochwürden und Gnaden getreu-gemeint-gehor- samer Diener». Es folgt die Vorrede, die dem «Scire Mori» ge- widmet ist, der Kunst so zu sterben, dass dadurch das ewige Leben erworben ist. Das «Scire Mori» ist die Kunst der Künste, die Wissenschaft aller Wis- senschaften, der gegenüber alles Können und Wis-sen 
Torheit bleibt. «Disce mori», lerne zu sterben, hämmert Brügler seinen Lesern ein; aber lerne die- ses Sterben so, dass du keinen Fehler machst, wenn es einmal dazu kommt, es in der Praxis an- zuwenden. Denn man hat nur ein einziges Mal die Gelegenheit, das «Scire Mori» zu praktizieren. In 30 Paragraphen stellt Brügler 20 Mittel vor, die zum Ziel des «Scire Mori» führen können. Ers- tes Mittel ist die Beherzigung des Endes, zu dem der Mensch geschaffen ist. Das wird durch zahlrei- che Autoren und Bibelstellen belegt. Zweites Mittel ist die Betrachtung der Allgegenwart Gottes, drittes Mittel die Betrachtung der vier letzten Dinge des Menschen, viertes Mittel die Busse. Auch hierzu werden zahlreiche antike Schriften wie Ciceros Re- de für P. Quintiiianus, Vergils Aeneis, Senecas De nat. quaest., Piaton und Aristoteles, aber auch die Kirchenväter angeführt. Brügler unterbricht dann die Aufzählung der Mittel und fügt zwei Ursachen und zwei Canones ein. Zwei Ursachen machen die Führung eines gottseligen Lebens leicht: die Gnade und die Liebe. Die zwei Canones sagen, du sollst Gott lieben und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Verrichtung der Nächstenliebe besteht in der Liebe selbst, in der Erteilung heilsamen Rats, in der wirklichen Hilfeleistung, im guten Vertragen mit der Nachbarschaft, im Verzeihen und Verge- ben, im Vorgehen mit guten Beispielen. Eine dritte Ursache, die ein gottseliges Leben leicht macht, ist das Licht des Verstandes. Brügler fährt dann in Aufzählung der Mittel fort: 4. Mittel: der innerliche Trost, 5. Mittel: das gute Gewissen, 6. Mittel: die gute Hoffnung, 7. Mittel: die Freiheit der Frommen, 8. Mittel: der himmli- sche Frieden, 9. Mittel: das Gebet: «Wenn alle Hülf aus zu seyn scheinet, so bleibt das Gebett die beste Artzney. Diß ist das rechte Elexir proprietatis, so alle schädliche Feuchtigkeit verzehret: diß ist das rechte Amuletum, so kein Gifft zu ihm Iässet, diß ist das rechte aurum potabile81, so den Menschen fast unsterblich erhalten kann. Als weitere Mittel wer- den dann genannt: 10. das Lesen geistlicher Bü- cher und das Folgeleisten auf einen geistlichen Rat- geber (Beichtvater), 11. das Anhören von Predig- 182
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.