sache in Liebedienerei gegenüber dem Bischof (respektive wohl auch dem Grafen) hatte. Es lässt sich nicht leugnen, dass aus dem Brief eine gerade- zu sadistische Freude an den Flexenverfolgungen spricht, so etwa wenn Brügler schreibt, er hoffe, längstens in ein oder zwei Stunden «alle seine schöne bueben stückh herausszubringen». Der von ihm beigezogene Scharfrichter Meister Dietrich galt wegen seines brutalen Einsatzes der Folter als besonders erfolgreich. Es ist wie blanker Hohn, wenn Brügler diesen Henker als «einen frommen vndt suo modo ehrlichen Mann» zu loben weiss. Dieser Meister Dietrich Metz, ein Bregenzer Scharf- richter, der aus Augsburg stammte, und dessen Schwiegersohn Marx Hartmann waren in den Was- serburger Hexenprozessen mit ganz besonderer Grausamkeit vorgegangen.57 Der Brief Brüglers an den Bischof lautet: «Hochwürdigster Fürst, Gnädigster Herr, Zue contestierung, wie hoch Ich mich schuldig er- könne, Ewr hochfürstlichen Gnaden nach äussers- tem Vermögen meiner Seelen zue dienen, hab Ich heut mit dem Herrn Pfarrer von Schon [Johann Öhre] den Geroldt Negele Ihres verhafften Schwes- ter Sohn widerumb constituiret, vndt nicht allein die bestättigung seiner vorigen bestandtnuß, son- der über daß, leyder Gott erbahms! vernehmen muesßen, daß der schöne Hartman an stat einer Casul eine bährenhaut, vndt etwaß schwartzgra- weß für die Alba gehabt; vndt dises hat der arme Mensch ausßer allen banden vndt vormben geredt, auch so gar seinen eigenen brueder nit verschonet, sonder denselben ohne schew sowol alß deß Hart- manß Schwestern, dauon die eine sich würckhlich auß dem staub gemacht, angegeben, vndt zwar dass dieser sein brueder länger alß Er in der Hexe- rey steckhe, derwegen ich auch den [Scharfrichter] M[eiste]r Dieterich schickhe, welcher ein frommer vndt suo modo ehrlicher Mann ist; allein wirt ho- che dexteritet in dem examine, wan er captiuus Hartman noch nicht bekhent hat, vonnöthen sein, vndt noch grösßere bey dem Adam Krantz, dar Zue Ich meines theilß hertzlich gehren, so vill in mei- nen kräfften stehet inquirieren will, masßen deß 
gehorsambsten erbietenß bin, auf Ewr hochfürstl. Gnaden gnädigsten befehlch, daß examen vndt examinata zue durchsuechen, ob nicht vonnöthen fernere specialia vorzuenehmen, und wan man mit dem armen Menschen nicht solte khönnen fort khommen, wie ich in sorgen stehe, er dörffe nach meiner abrayß dass hertz widerumb ... haben, will Ich ... under, wan mein gnädige herrschafft die er- laubnuß ertheilt, selbsten noch ein paar Tag an ihne wenden, wie wollen nicht einen Tag darzue vonnöthen achte, sonder längß in einer oder zwey- en stunden alle seine schöne bueben stückh he- raußzubringen verhoffe. Via enim iam aperta est et miser homo sine omni dubio per luxuriam deiectus est, nisi adminiculo etiam fuerit auaritia. Gott be- khere Ihn, in dessen hochen schütz Ewr Hochfürstl. Gnaden, deroselben aber zue beharrlichen gnaden Ich mich gehorsambist empfehle ohnaussetzlich schuldiger masßen Verharrend. Ewr Hochfürstlichen gnaden Gehorsambster Knecht J. R. Brügler von Herckhelßberg Landtvogt m.p. Vadutz, den 12. May 1679 PS.: Ewr Hochfürstl. Gnaden haben zuegleich deß Geroldt Negeleß vndt ander Zeugen außsag zue empfangen, wie auch M[eiste]r Dietrich die folter bey sich hat».™ Zum Glück sollte die für die «Hexen» wenig Gutes verheissende Herrschaft Brüglers in Liechtenstein nicht mehr lange dauern, da er bereits im Juli 1679 sein Fleil in der Flucht aus Vaduz gesehen hat. Bei seiner Flucht hatte Brügler selbst die ihn belas- tenden Inquisitionsprotokolle und Prozessakten mit- genommen, um einer kommenden Strafverfolgung zuvorzukommen. Brügler habe «ein guten theil der acten mit sich hinweg gefürt».59 Heute fehlen diese Akten der Forschung. Die heimliche Flucht und die Mitnahme von Pro- zessakten sind ein klares Schuldeingeständnis. «Ein schmählicher Abgang des obersten Beamten, getrieben, verjagt vom eigenen Schuldbewusst- sein!».60 Dieser negative Eindruck wird noch da- durch verstärkt, dass Brügler sich noch Jahre lang 172
        

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