JOHANN ROMARICH BRÜGLER VON HERKULESBERG KARL HEINZ BURMEISTER belastenden Prozessakten aus Liechtenstein «da- vongewischt» ist und seine Verfolger in ein Verwirr- spiel hineingezogen hat. Hier in Rothenburg hiess es, er sei nach Bayreuth geflohen, dann wurde ver- mutet, er halte sich in einem Kloster versteckt, ja er sei überhaupt als verkappter Jesuit nach Rothen- burg gekommen. Die Witwe Rücker mobilisierte ih- ren Sohn, einen Studenten, hinter Brügler herzuja- gen. Bald hiess es, er sei zu Dettelbach gesehen worden, andere wollte ihm in Kitzingen begegnet sein. Wahrscheinlich sind alle diese Orte falsch ge- legte Spuren. Als Brügler sich 1679 aus Vaduz ab- setzte, begann ein ähnliches Verwirrspiel: es hiess, er sei nach Freiburg abgereist, andere wiederum nannten Strassburg als Ziel, der kaiserliche Kom- missär Abt Rupert von Bodman meinte noch nach Jahren, es sei überhaupt nicht feststellbar, wohin Brügler gegangen sei. Brügler war offenbar ein Meister im Legen sol- cher falschen Spuren. Und wenn in Rothenburg die einen behaupteten, er stamme aus Freiburg im Breisgau (so stand es ja auch Schwarz auf Weiss in den «Nodi pontificiorum soluti»), glaubten andere jedoch zu wissen, er sei aus Innsbruck gebürtig. Auch dieser Befund könnte auf ausgestreuten Lü- gen beruhen. Zusammenfassend bleibt über Brüg- lers Zwischenspiel in Rothenburg zu urteilen, dass er hier alles andere als einen guten Charakter an den Tag gelegt hat. Man muss sich also kaum allzu sehr darüber wundern, dass auch später sein nur mehrere Monate währender Aufenthalt für viele Menschen zur Katastrophe wurde. DIE HEIRAT RRÜGLERS Die folgenden Jahre der Biographie Brüglers nach seiner Flucht aus Rothenburg liegen ganz im dunk- len. Es mag sein, dass er sich nach den dortigen Erfahrungen nicht mehr so schnell an die Öffent- lichkeit wagte. Die Vermutung, dass er in einem Kloster untergetaucht sei, könnte etwas für sich ha- ben. Jedenfalls fehlen für mehr als zehn Jahre die Belege für sein Wirken und seinen Aufenthalt. Erst 1678 hören wir wieder von Brügler. 
In diese nachrichtenlose Zeit von 1666 bis 1678 fällt auch die Eheschliessung Brüglers. Als er 1679 aus Vaduz fliehen musste, liess er Frau und Kinder zurück. Brügler hatte also 1679 bereits mehrere Kinder. Seine Heirat hegt somit einige Jahre vor 1679. Weitere Hinweise, wer seine Ehefrau war, sind vorerst nicht vorhanden. Wohl lässt sich sa- gen, dass seine Frau nicht aus dem heutigen Fürs- tentum Liechtenstein stammte, da Brügler erst 1679 nach Vaduz gekommen ist und Frau und Kinder mit sich brachte. Eine interessante Frage wäre noch, ob es sich um eine standesgemässe Ehe gehandelt hat. Dafür gibt es bisher keinerlei Anzeichen. Zu vermuten ist, dass seine Ehegattin keine Frau von Stand gewe- sen ist. Brüglers Werbung um die Witwe Rücker lässt vermuten, dass er keinen besonderen Wert auf eine standesgemässe Ehe gelegt hat; denn auch die Witwe Rücker, wiewohl sie als Gattin eines füh- renden evangelischen Geistlichen durchaus eine sehr achtbare Person war, war keine Frau von Stand. RRÜGLER IN CHUR, FELDKIRCH, RLUDENZ UND ST. GALLEN, 1678 Im Jahre 1678 treffen wir Brügler in Feldkirch, Blu- denz und St. Gallen. Es hat den Anschein, dass er auf der Suche nach einer festen Anstellung gewe- sen ist, die er vielleicht im St. Galler Klosterstaat für sich erhoffte, dann aber gegen Ende des Jahres als Landvogt in Vaduz erhielt. Durch sein umfangreiches Druckwerk «Cura vul- neratae religionis», das - wohl zu Beginn des Jahres -1678 in Feldkirch erschien, versuchte Brügler sich in Szene zu setzen und hatte damit letztlich auch Er- 34) Rothenburg ob der Tauber: Noah von Millenau, 1665. 36 ungez. Seiten. Excmplarnachweise: Jena. Thüringische Universitäls- und Landesbibliothek; Würzburg. Universitätsbibliothek. 35) Heller (wie Anm. 30), S. 271. 36) Über ihn vgl. Schnitzlein, August: Daniel Rücker (1605-1665). In: Jahrbuch des Vereins Alt-Rothenburg 1924/26. S. 10-29. 163
        

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