erhaltet... dass es einem irdischen Paradies ähnlich ist und sich männiglich darob verwundern muss».113 Aus Hohenems stammte auch in der Emser Chronik von 1616 die erste Landesbeschreibung der Reichs- herrschaften Schellenberg und Vaduz. 1620 hatte der Besitzer des Hohenemser Palas- tes, Graf Kaspar, der Innsbrucker Regierung den Vorschlag gemacht, um 100 000 Gulden die Vogtei Feldkirch zu kaufen und so einen Pufferstaat zwi- schen Österreich und Graubünden zu errichten. Die «ungereimten» Vorschläge stiessen beim Erzherzog aber auf ebeso wenig Gegenliebe wie die noch mehr hochfliegenden Pläne seines Vaters Jakob Hanni- bal I. Unter dem Vollender des Palastes, Kaspar von Hohenems - seit 1613 auch Landesherr in Vaduz und in Schellenberg -, begann der vorerst fast un- merkliche, dann aber immer raschere Niedergang der Familie. Sein Sohn und Nachfolger ab 1640, Graf Jakob Hannibal IL, hatte zwar mehr als 530 000 Gulden Vermögen geerbt, gab aber zeitlebens mehr Geld aus als er einnahm und versagte als Söldner- führer. Zudem tat er sich auch als Vogt von Feld- kirch ab 1615 nicht besonders hervor. Waren die Feldkircher schon mit Jakob Hannibal unzufrieden gewesen, so beschwerten sie sich über die Verlei- hung ihrer Vogtei an seinen Sohn Karl Friedrich im Jahre 1646.114 Man solle sie, schrieb die Regierung an ihren Kommissär Karl Friedrich Freiherr von Mohr, anhören und ihre Beschwerden nach Inns- bruck leiten. Das Schreiben liess keinen Zweifel da- rüber, dass sich an der Installierung des Hohen- emsers vorläufig zumindest nichts änderte. Der Nie- dergang war aber auch noch auf andere Ursachen zurück zu führen: Neben der allgemeinen kriegsbe- dingten Wirtschaftskrise und dem damit verbunde- nen gravierenden Rückgang der Einnahmen war das kleine hohenemsische Reichsterritorium für Ös- terreich ein Dorn im Auge. Graf Kaspar hatte, an- ders als sein Vater, dem Landesfürsten keine Kredi- te mehr gewährt, die Quartiere auf Reichsboden er- folgten bewusst und der durchgeführte Prozess ge- gen Graf Karl Friedrich wegen der Übergabe von Neuburg an die Schweden 1647 - all dies lässt auf steigenden Druck aus Innsbruck schliessen, das Ter- ritorium zu inkorporieren.115 
1654 verlor die Familie die einträgliche Vogtei dann für immer, 1655 misslang der Kauf von Dorn- birn und 1672 hatte die Bewerbung Karl Friedrichs, der Inhaber eines Regiments in spanischen Diens- ten war, um das Obristhauptmannamt in Vorarlberg keinen Erfolg. 1687 floh der Graf vor dem Bankrott in den Schutz der Eidgenossen nach Heerbrugg und sein Nachfolger Jakob Hannibal III. wurde schliess- lich wegen seiner Misswirtschaft in Vaduz und Schellenberg unter Kuratel gestellt.116 Als versöhnlicher Schluss der leidigen Kriegszeit und des damaligen Niedergangs von Untertanen und Landesherrn im heutigen Fürstentum Liechtenstein sollte die Gründung des Jesuitengymnasiums in Feldkirch stehen, welches es in der Folge auch der Bevölkerung der Gebiete von Vaduz und Schellenberg ermöglichte, sich in der unmittelbaren Nachbar- schaft höhere Bildung anzueignen. Der Bischof von Chur war seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts be- strebt gewesen, die Jesuiten als Lehrer in sein Bis- tum zu ziehen. Den Bündner Bundeshäuptern ge- lang es noch 1636, einige Mitglieder des Ordens zum Verlassen des Freistaates zu zwingen; die Societas Jesu galt als kämpferisch im Sinne der Gegenrefor- mation. Was in Graubünden nicht gelang, sollte schliesslich in Feldkirch zur Ausführung kommen. Fürstbischof Johann VI. Flugi von Aspermont hoffte 1644 die «vorhabende Pflantzung der Cathoüschen Religion» durchzuführen.117 Im Jahr 1646 einigte man sich so weit, dass das Vorhaben, unterstützt vom Vogt Jakob Flannibal IL, dem Stadtrat und den anderen Orden, begonnen werden konnte. Der Schwedeneinfall hatte eine Verzögerung zur Folge, aber 1649 öffnete das Gymnasium seine Tore und im Flerbst des folgenden Jahres erfolgte die Niederlas- sung des Ordens. Am 26. September 1650 teilte der Landesfürst der Regierung mit, dass der Pater Pro- vinzial alles Notwendige erhalte und wünschte dem Orden eine segensreiche Tätigkeit.118 Der Ordens- obere leitete die viel besuchte Schule bis zur Auflö- sung durch Kaiser Josef II. im Jahre 1773.119 152
        

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