DIE REICHSHERRSCHAFTEN SCHELLENBERG UND VADUZ IM 30-JÄHRIGEN KRIEG / HERIBERT KÜNG durch die Einführung einer Personalsteuer für geist- liche und weltliche Personen zu begegnen, die Gü- ter, Rechte und Leute in Vorarlberg besassen, doch von der regulären Steuerpflicht befreit waren. Ab den dreissiger Jahren des 17. Jahrhunderts forderte auch die Regierung zur Zahlung der Personalsteuer auf, ausdrücklich mit dem Hinweis, damit «... die Armen nicht übervorteilt werden ...».uy> Die Sonder- steuer betraf alle Nicht- Vorarlberger: Graubündner, Schwaben, Schweizer, aber auch Blumenegger, Ho- henemser, Vaduzer und Schellenberger aus den Reichsherrschaften; so wurde auch der Pfarrer von Bendern mit zwanzig Gulden jährlich zur Kasse ge- beten. Der Erfolg dürfte allerdings fragmentarisch geblieben sein. Es wurde nicht nur einmal als Gemeinplatz be- hauptet, in Krisen- und Kriegszeiten würden die Ar- men ärmer und die Reichen reicher. Das hatte wohl für die Vaduzer und Schellenberger Untertanen sei- ne Richtigkeit: In den Jahren 1647 bis 1651 kompri- mierten Missernten zu allem Anderen die landwirt- schaftliche Produktion, der Wein reifte schlecht und die Feld- und Baumfrüchte reichten nicht für die Be- völkerung, der Anbau von Weizen verschwand fast ganz. Diese Fehljahre schadeten, wie der bedeu- tendste Chronist der Region in dieser Zeit schrieb, mehr als die schwedische Invasion.110 Die Bevölke- rung «ersaige und erarme» zusehends, hatte es be- reits 1624 geheissen.111 1643 erging der Befehl an die österreichischen Beamten, «... herrenlose, lie- derliche, unbekandte ... vil weniger Landstreicher, Pettler und ... verdächtige Pilger [auch geistliche Persohnen]...» nicht in die Vier Herrschaften herein zu lassen. Sie brächten Krankheiten und Seuchen, auch könnten Spione unter ihnen sein.112 Dass aber die Reichen reicher wurden, stimmte zumindest im Falle von Vaduz und Schellenberg nicht. Noch 1616 musste die Residenz des Landes- herrn in Hohenems wie ein irdisches Paradies ge- wirkt haben. Der fürstlich ausgestattete Renais- sancepalast am Fuss des Schlossbergs wurde nach dem Chronisten Guler durch einen zauberhaften Park ergänzt. «... Dabei er auch angeordnet hat schöne Lustgärten von allerlei Baumfrüchten, da- runter zu finden sind Feigen, Limonen, Zitronen, 
Pomeranzen, Granatäpfel und was dergleichen die heissen Lande Italiens ergeben. Der daran stossen- de Tiergarten ist wohl versehen mit Hirschen, Hun- den, Flasen und anderem Gewild, darin ein feiner Weiher, der neben den Fischen schöne Schwanen 99) Welti, Kaspar (wie Anm. 10). S. 333 f. 100) Landesregierungsarchiv Innsbruck. «Gemaine Missif fol. 512». 23. April 1635: Regierung an Vogteiverwalter. 101) Ebenda. Walgau Bd. 14, fol. 61, 4. Mai 1640: Regierungan Graf Kaspar. 102) Welti, Kaspar (wie Anm. 10), S. 158. 103) Ransperg, S. 110. 104) Merkle. Meinrad: Vorarlberg. Aus den Papieren des Franz Josef Weizenegger. Innsbruck, 1839. S. 292 f. 105) Landesregiorungsarchiv Innsbruck, Walgau Bd. 14, fol. 67, 16. Juni 1640: Regierung an Amtleute. Was nicht für den eigenen Bedarf benötigt wird, muss gegen ein fest gesetztes Entgelt bei den Vogteiäm- lern abgeliefert werden. 106) Ebenda, «Empicten und Bevelch fol. 185», 28. Mai 1648: Kammer an Abt von Weingarten. 107) Ebenda, Kammer an Landesfürst. 108) Ebenda. «Gemaine Missiven fol. 1467», 10. September 1638. ebenda, Fol. 23, 8. Januar 1639. 109) Landesarchiv Bregenz, Landständeakten, 18. November 1632. Recess: «... als nemblichen klar, dass sie damit die Souvervon Irer Hoheit Merrn Bischoffen zue Chur Fünffzig guldi, von dem Thumb Capitel dasselbst hundert guldi. Von dem Gotshaus St. Gallen zwanzig guldi. Von St. Johann im Thurtal Fünffzig Gulden, von St. Johannes Gotzhuss zue Feldkirch hundert gülden, von Herrn Propst von St. Ge- rold fünf und zwanzig guldi, vom Gotshaus Kreuzlingen 20. Pfäfers 15, Bendern 20, Mchrerau 150. Hirschtal 30, Thalbach 30, Valduna 35, St. Peter Bludenz 30, St. Viktorsberg 10, von einem Decano 20, von einem Pfarrherrn in allem fünfhundert und darüber Einkommen hat, 15 guldi, von Gesell Priestern und gemainen Bneficanten 3 Guldi. Schulmaister und Messmer, so welche weder burger nioch Einwohner sein, 30 kreuzer. Von einem Gaistlichen, so theils alhie begütert, theils des Schuzes gemessen. Graf Jakob LIannibal von Llohenems 100, Hans Werner Edler von Raitnau 75, Jeder Adelige oder Nobilitierte 25, eine adelige Witwe 10, Doktoren 15, deren Witwen 10, vornehme Handelsleute 25. deren Witwen 10. nicht nobilitierte oder graduierte Beamte 10, deren Witwen 5. nobilitierte Stadtammänner, Bürger 5, vagierende Krämer 1, Gebirgsbauer, Söldner 20 kr, Dienstmägde 10 kr». Eine sozialgoschichtliche Untersuchung der Zeit anhand der Steuerforderungen und der tatsächlichen Erträge müsstc auch für Vaduz und Schellenberg in dieser Zeit von Interesse sein. 110) Ransperg S. 262 ff. 111) Landesregierungsarchiv Innsbruck, Walgau Bd. 12 fol. 589. 4. März 1624. 112) Landesarchiv Bregenz, Vogteiamt Bludenz 44/418,7. August 1643; Küng, Krieg (wie Anm. 3). S. 778 ff. 151
        

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