Die weibliche Arbeitswelt chen Gemeinschaft oder der Familie oder sonst nach Umständen geboten sei.18 Es ist bemerkenswert, dass der Staatsgerichtshof noch im Jahr 1957 in einem Gutachten an die Regie- rung diese Bewilligungspflicht als durchaus normal und angebracht sah und feststellte, dass etwa in ei- nem Falle, da ein Staatsbeamter, der seiner Gattin die Berufs- und Erwerbstätigkeit nicht bewilligte, weil er dadurch eine Behinderung in seiner dienstli- chen Tätigkeit befürchtete, von den Richtern im In- teresse der Familie hinsichtlich seines Verbotes der Berufs und Gewerbetätigkeit zu schützen sei. Die Verfassungskonformität dieses Verbotes im Hin- blick auf den Gleichheitsgrundsatz gemäss Art. 31 Abs.l der Verfassung wurde vom Staatsgerichtshof nicht einmal dem Ansatz nach problematisiert.19 Erstaunlich ist ausserdem, dass 1974 bei der Schaffung des neuen Ehegesetzes, das erstmals die Ehetrennung und Ehescheidung von Katholiken zu- liess, diese Bewilligungspflicht übernommen wur- de!20 Sie wurde erst im Jahr 1992 aus dem Ehege- setz genommen.21 
EIN GESAMTÜBERBLICK ZUR WEIR- LICHEN BESCHÄFTIGUNGSSTRUKTUR IN LIECHTENSTEIN 1941 waren 24.2 Prozent der weiblichen Wohnbe- völkerung in Liechtenstein erwerbstätig. Während zwischen 1941 und 1970 die Zahl der berufs- oder erwerbstätigen Männer in Liechtenstein ungefähr stagnierte, ja sogar leicht rückgängig war, stieg die Zahl der berufstätigen Frauen 1950 auf 28.2 Pro- zent, 1960 auf 30.4 Prozent und 1970 auf 34 Pro- zent an. Gleichzeitig nahm die Zahl der selbständig erwerbenden Frauen im Vergleich zu allen erwer- benden Frauen ab. Waren 1941 noch über 16.3 Pro- zent der erwerbstätigen Frauen selbständig, fiel die Zahl 1950 auf noch 9.7 Prozent, 1960 auf 7.7 Pro- zent und 1970 auf gerade noch 3.6 Prozent zurück. Auch die Quote der selbständig erwerbstätigen Män- ner fiel laut Statistischem Jahrbuch von 37 Prozent 1941 auf 18.4 Prozent 1970. Die selbständigen Frauen machten innerhalb der Selbständigengrup- pe immer zwischen 10 Prozent und 14 Prozent aus. (1941: 14 Prozent, 1970: 10.3 Prozent). Innerhalb der drei Sektoren waren die berufstäti- gen Frauen bereits 1941 im dritten Sektor mit knapp 45 Prozent am häufigsten vertreten. Dies je- doch nicht etwa durch die Büroangestellten, son- dern vielmehr durch die vielen Hausangestellten. Auf diese Tatsache wird später vertieft eingegangen. Allgemein kann festgestellt werden, dass die Be- schäftigtenzahl im Landwirtschaftssektor im zu un- tersuchenden Zeitraum stark rückgängig ist. Dies gilt nicht nur für die in diesem Sektor arbeitenden Frauen, sondern auch für die Männer. 1941 sind 13 Prozent Frauen in der Agrarwirtschaft tätig, 1970 sind es noch 5 Prozent. Bei den Männern sinkt die Prozentzahl von 40 Prozent 1941, auf 7 Prozent 1970. In die Nachkriegszeit fällt also auch der «Nie- dergang» der Agrarwirtschaft, welcher zuvor jahr- hundertelang der Hauptsektor in Liechtenstein war. Neben der Tatsache, dass fast ausschliesslich Liech- tensteinerinnen im ersten Sektor tätig waren, fällt auf, das viele mit einem Bauern verheiratete Frauen in der Statistik der Erwerbstätigen fehlen. Sie wur- den, obwohl ihre Rolle die Mitarbeit im landwirt- 10
        

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