DIE REICHSHERRSCHAFTEN SCHELLENBERG UND VADUZ IM 30-JÄHRIGEN KRIEG / HERIBERT KÜNG von Binningen dringend um Munition gebeten habe. Das Hubamt (Finanzamt) in Feldkirch wurde ange- wiesen, Wein und Lebensmittel an die Miliz in den Bregenzer Verteidigungsanlagen abzugeben. Am 1. Dezember versuchten die Innsbrucker Regierungs- mitglieder den Landesfürsten mit der Feststellung zu beruhigen, dass es sich bei den Milizionären des Landesregiments, der Kerntruppe der Verteidigung, um beste Mannschaft handle.81 «Am Stefanstag 1646 donnerten vom Bregenzer Schlossberg herab drei schwere Schläge der Appenzellerin [einem Ge- schütz aus den Appenzellerkriegen?] und drei Rauchfahnen wurden sichtbar, und im sinkenden Abend loderten drei Flammen gegen den grauen Himmel; nun war nicht nur das Landesregiment, sondern auch der zweite und dritte Ausschuss auf- geboten. Derweil näherte sich der Feind «... von stund zu stund, er sogar ganz an unser schanz und Clauss straifft und wir alle stund nit sicher, wann wir angegriffen werden ...». Obristhauptmann Escher ritt am 3. Januar im Laufe des frühen Vormittags mit den Grafen Karl Friedrich von Hohenems und Johann Jörg von Kö- nigsegg und anderen Herren in Begleitung von 80 Reitern zu den Schanzen. «Sie waren herrlich ange- tan mit breiten Hüten, von denen mächtige Federn wallten, über ihren samtenen Röcken flatterten sei- dene Schärpen in den Farben ihrer Wappen und ihre Pferde prangten im Schmuck farbiger Decken und in glänzendem Sattelzeug». Dieses Schauspiel dürfte allerdings den frierenden, hungernden und mit zu wenig Munition versehenen Verteidigern we- niger gefallen haben.82 Schon im nächsten Morgengrauen des 4. Januars 1647 erfolgte der Angriff. Während Escher ohne die Miliz des vorderen Bregenzer Waldes, aber mit dem Volkssturm ganze 2200 Mann zusammen gebracht hatte, standen dem Angreifer Generalissimus Karl Gustav Wrangel acht Regimenter mit 7995 Mann zur Verfügung. Der ungleiche Kampf dauerte denn auch nur ein paar Stunden.83 Wie befürchtet hatte der Feind die Stellungen am Pfänder umgangen und die Befestigungen von Klause und Neuschanz von hinten aufgerollt. Ob neben zwei Hauptleuten und etwa 100 Milizionären auch Leute aus Vaduz und 
Schellenberg fielen, war nicht zu eruieren. Bei der Besetzung Vorarlbergs stiessen die Sieger nicht mehr auf Widerstand. Die Emser Burgen sowie Va- duz und Gutenberg verweigerten indes die Überga- be und wurden nicht belagert. Schwedische Abtei- lungen streiften bis St. Peter bei Bludenz und zur St. Luzisteig, den südlichsten Punkten, die sie im Dreissigjährigen Krieg je erreichten.84 Vorarlberg und die Reichsherrschaften Vaduz und Schellenberg mussten der Besatzung nicht nur Quartier und Pro- viant zur Verfügung stellen, sie standen in den fol- genden zwei Monaten auch vor der Wahl, das Ihrige durch Brandstiftung zu verlieren oder die so ge- 71) Staatsarchiv Wien. Kriegsarchiv. Feldakten 1631 Nr. "12/13/17/172; Landesregierungsarchiv Innsbruck. «Geschafft von Hof fol. 157 f.». 18. September 1633, Erzherzogin Claudia an Rudolf von Liechtenstein. 72) Ransperg, S. 70 f. 73) Tiefenthaler. Meinrad: Schulden und Wucher im Vorarlberger Oberland. In: Montfort 1951/52/ 7, S. XXIV. 74) Landesregierungsarchiv Innsbruck, «Embiett.cn und Bevelch fol. 4», 8. März 1632. 75) Landesregierungsarchiv Innsbruck, «Geschäfft von Hof fol. 157 f.», 18. September 1633. Die Regimenter Wolkenstein und Liechtenstein kommen an den Bodenseo, weil die schwedische Belagerung von Konstanz andauert. 76) Küng, 350 Jahre (wie Anm. 7), Montfort, S. 186. 77) Landesarchiv Bregenz, Landständeakten. 11. Januar 1644. 78) Landesregierungsarchiv Innsbruck, «Geschäfft von Llof fol. 405», 9. Oktober 1645: Erzherzogin Claudia an Kammer und Kriegsräte. Dito: Kopialbücher, «Empiotten und Bevelch fol. 245», 2. Oktober 1646. Kammer an Graf Hohenems. 79) Ebenda, «Misif an Llof fol. 245», 2. Oktober 1646: Kammer an Erzherzog Ferdinand Karl. 80) Stadtarchiv Feldkirch Nr. 1750, 20. November 1646: Escher an Reichsherrschaften. 81) Landesregierungsarchiv Innsbruck, «Embietten und Bevelch fol. 528», 29. November 1646: Escher an Spaur. Es handelt sich um 30 Zentner Pulver und eben soviel Blei und Lunten. Die Bezahlung des Fuhrlohns (vgl. ebenda, fol. 541) vom 1. Dezember 1646 kann als Bestätigung der Ankunft der Munition in Bregenz gelten. 82) Ransperg, S. 184 f. 83) Küng, 350 Jahre (wie Anm. 7), S. 187. 84) Ransperg, S. 198 ff. Ob sich Vogt Ulrich von Ramschwag zu diesem Zeitpunkt auf der Burg befand, ist nicht klar. 145
        

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