EROBERUNG UND RÜCKGEWINNUNG VORARLBERGS: SCHWEDEN IN VADUZ UND SCHELLENBERG, 1647 Zwischen 1621 und 1637 sahen Vaduz und Schel- lenberg nacheinander Vorarlberger und Graubünd- ner Miliz, Kaiserliche, Spanier und Franzosen an den Grenzen und zeitweise auch im Lande, 1631 tauchte erstmals ein kaiserliches Regiment Liech- tenstein in Tirol auf, 1633 an den Bodensee verlegt und Anfang 1647 kamen als letzte der Kriegführen- den schwedische Truppen bis nach Balzers.71 Bis zur Einigung mit Graubünden befand sich ein gros- ser Teil des erzherzoglichen ArtiLlerieparks in Feld- kirch, Vaduz und auf Gutenberg,72 als 1632 erstmals schwedische Streitkräfte die Region von Norden her bedrohten. Der Sohn des Liechtensteiner Landes- herrn versuchte sich seit 1631 als Mihtärunterneh- mer, und in seinem Regiment befanden sich auch jene Vorarlberger, die der Aufgebotspflicht der Miliz nicht nachgekommen waren und wohl auch Söldner aus Vaduz und Schellenberg.73 Burgvogt Ram- schwag auf Gutenberg erhielt weiterhin ein Burg- hutgeld von 200 Gulden. Am 28. Mai 1632 war Graf Jakob Hannibal II. nach der Niederlage im Allgäu in schwedische Kriegsgefangenschaft geraten und musste in der Folge von seinem Vater, dem Landes- herrn in Vaduz und Schellenberg, ausgelöst wer- den.74 Für diesmal hatte das Vorarlberger Milizauf- gebot genügt, die Schweden von einem Angriff ab- zuhalten. Ihre Regimenter setzten sich jedoch 1632 in Kempten, Radolfszell, Friedrichshafen, Wangen und Ravensburg fest und belagerten 1633 vergeb- lich das österreichische Konstanz.75 Wohl ging die schwedische Gefahr nach dem spanisch-habsburgi- schen Sieg bei Nördlingen 1634 vorüber, ihre Trup- pen wurden abgezogen, kamen aber nach dem Fall von Breisach 1638 dem Bodensee langsam, aber stetig wieder näher: Konrad Wiederholt auf dem Hohentwiel konnte 1642 nicht zur Kapitulation ge- zwungen werden, 1643 fiel Überlingen in die Hände französischer Truppen; diese rüsteten nun eine Flotte aus und störten fortan die lebenswichtige Getreidezufuhr über den Bodensee empfindlich.76 Noch 1644 befürchtete man in Innsbruck dazu «... 
böse Practiken der Schweizer und Bündtner ...», so dass auch Gutenberg und der Rhein weiterhin be- wacht blieben.77 Hatten bis jetzt die Vorarlberger Stände immer wieder versucht die reichsfreien Gebiete in ihr Ver- teidigungssystem einzubeziehen, so erging im Okto- ber 1645 erstmals ein diesbezüglicher Befehl der Landesfürstin. Am 10. des Monats teilte sie ihren Kammer- und Kriegsräten mit, unter ihnen dem Va- duzer Landesherrn, dass die Gebiete Hohenems, Schellenberg, Vaduz und Blumenegg ihren Beitrag zur gemeinsamen Abwehr des Feindes zu leisten hätten. Präzisiert wurde allerdings dieser Beitrag lediglich von Fall zu Fall, da dafür eine Grundlage im Reichsrecht nicht bestand, wenn auch die Not- wendigkeit einer gemeinsamen Taktik unbestritten war.78 Die Reichsherrschaften wurden im Septem- ber erneut zu konkreten Massnahmen aufgefordert. Der neue Landesherr für Tirol, Vorarlberg und die Vorlande, Erzherzog Ferdinand Karl, rief die Vorarl- berger Stände zu einer Zusammenkunft am 2. Okto- ber mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass dabei auch Graf Karl Friedrich von Hohenems und der Vogt von Blumenegg zu erscheinen hätten. Seit der Mitte des Jahres 1646 verschlechterte sich die militärische Lage für die Region zuneh- mend. Die Vorarlberger Miliz hatte eine Kompanie Dragoner aufgestellt und war eifrig dabei, die alten und neuen Befestigungsanlagen an der Klause in- stand zu setzen. An die Reichsländer erging im Sep- tember die Aufforderung zur Beitragsleistung. Am 6. Oktober richtete der Landesfürst Erzherzog Fer- dinand Karl sein Wort an die Vorarlberger Stände.79 Der Verteidigung wegen wurden die Gerichte zu ei- nem Landtag gerufen, dazu waren implizit auch der Abt von Weingarten und der Graf von Hohenems Karl Friedrich eingeladen. Am 29. November gestal- tete sich die Lage an der Vorarlberger Nordgrenze bereits so prekär, dass die Reichsherrschaften ulti- mativ aufgerufen waren, Geld und Truppen nach Bregenz zu entsenden.80 Von diesem Zeitpunkt an begannen sich die Er- eignisse zu überstürzen. Die Innsbrucker Regierung benachrichtigte am gleichen Tag den Obersten von Spaur, dass Obristhauptmann Hans Werner Escher 144
        

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