DIE REICHSHERRSCHAFTEN SCHELLENBERG UND VADUZ IM 30-JÄHRIGEN KRIEG / HERIBERT KÜNG auf Befehl des Erzherzogs Leopold V. seine Aktionen mit dem Kommandanten des Regiments Wolken- stein in Vorarlberg ab.50 Gleichzeitig drohte im Nor- den ein erster schwedischer Einfall, nachdem das Regiment des Grafen Jakob Hannibal II. von Hohen- ems am 28. Mai bei Scheidegg im Allgäu eine schwe- re Niederlage gegen den Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar erlitten hatte.51 Der schwedische Gesandte in der Schweiz legte Herzog de Ronan ei- nen Plan zum Einmarsch nach Graubünden vor. Demnach sollten von den schwedischen Truppen in Kempten 6000 Mann durch Vorarlberg und Liech- tenstein marschieren und sich in Graubünden mit den französischen Truppen vereinen.52 Zum Schutz der Vogtei Feldkirch und der Reichslande Vaduz und Schellenberg verlegte Graf Kaspar 1633 zwei Kom- panien aus dem Regiment seines Sohnes an die Grenze. Der Gutenberger Vogt wurde aufgefordert, Truppenstärke und Absicht des Gegners durch ei- gens dafür besoldete Kundschafter zu erkunden, unter ihnen wohl auch Leute aus Vaduz und Schel- lenberg.53 Im Juli des Jahres war die Grenze je zur Hälfte durch die Vorarlberger und die Vaduzisch- Schellenbergische Miliz besetzt.53 Noch im April 1635, einen Monat vor der offiziel- len Kriegserklärung Frankreichs an Spanien, mar- schierte General de Rohan mit einer französischen Armee durch den Aargau, Zürich und Appenzell ins St. Gallische Rheintal und über Sargans nach Grau- bünden. Der neue Vorarlberger Obristhauptmann Valentin Schmid von Wellenstein berief eilends die Miliz an die Rhein-Rätikon-Silvretta-Grenze und liess die Artillerie auf Gutenberg durch Geschütze aus dem Feldkircher Zeughaus verstärken, ohne dass es diesmal zu Zwischenfällen mit den französi- schen Regimentern kam. Rohan gewann zwar nun das Veltlin, doch Frank- reich wollte das Untertanengebiet nicht an Grau- bünden zurückgeben, sondern als Faustpfand bis zu einem Friedensschluss behalten. Dies bewirkte nicht nur, dass «... bald nit der vierte Theil...» der Bündner auf der Seite der Franzosen war, es zeigte auch, wie der Konflikt in und um die Region interna- tionale Züge angenommen hatte.54 Vom Sommer 1636 bis zum März 1637 liess der zum Katholizis-mus 
über getretene ehemalige reformierte Pfarrer Oberst Georg Jenatsch auf Gutenberg, in Castels, Balzers, Feldkirch, im Montafon und Innsbruck mit Österreich über einen Umsturz in Graubünden ver- handeln.55 Schlossvogt Ulrich von Ramsch wag und der österreichische Landvogt im Prättigau, Hans Viktor von Travers, führten die Verhandlungen. Je- natsch reiste endlich selbst nach Innsbruck, um die noch vorhandenen Vorbehalte gegen seine Person zu entkräften, und Anfang Februar 1637 kam es zu einer Einigung zwischen den langjährigen Geg- nern.56 Der Generalquartiermeister der kaiserlichen Armee des Generalleutnants Gallas, Hubald Ruck, wurde angewiesen, das Regiment Scharnitzki mit 1500 Mann, 100 Reitern und Feldartillerie nach Va- duz und Schellenberg zu verlegen. Gleichzeitig hielt sich das spanische Regiment Don d'Aviles an der bündnerisch-tirolerischen Grenze auf.57 Beide Ein- heiten erhielten den Befehl, die Vorgänge im Nach- barstaat genau zu beobachten. Ulrich von Ram- schwag, gleichzeitig Vogteiverwalter von Bludenz- Sonnenberg, schrieb am 21. März 1637 an seine Lan- 50) Landosrogierungsarchiv Innsbruck. «Geschafft von Hof fol. 1, SO». 6. Januar und 23. März 1632: Erzherzog Leopold an Regierung (Kammer). 51) Ransperg, S. 69. 52) Haas, Leonhard: Schwedens Politik gegen die Eidgenossen im Dreissigjährigen Krieg. In: Schweizer Beiträge. Bern. 1951, S. 112. 53) Landesregierungsarchiv Innsbruck, Gutachten 19. September 1633. Im Juli war der Rhein im heutigen Fürstentum Liechtenstein vor allem deswegen besetzt, weil der schwedische General Horn Konstanz belagerte. Ransperg (S. 285) nennt für Matschiis 5. für Ruggoll 5, für Bendern 15 und für Balzors 10 Milizsoldaten, gemischt «... aus Hohenems und Bregenz...». was auf gemeinsame Truppen von Vorarlberg sowie Vaduz, und Schellenberg hinweist. 54) Landesregierungsarchiv Innsbruck, «Missif an Hof fol. 208». 20. Januar 1635: Kammer an Erzherzogin Claudia, Witwe des 1632 verstorbenen Erzherzogs Leopold und Vormünderin des Sohnes Fedinand Karl. 55) Ebenda, «Gemaine Missif fol. I 50». 23. und 30, April 1636: Kammer an Erzherzogin Claudia. 56) Ebenda, «Missif an Hof fol. 51 f.», 9. Februar 1637. 57) Staatsarchiv Wien, Kriegsarchiv, Kriegsakten. Kaiserliche Regimenter, 27. Mai 1636. 141
        

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