Mann zu besetzen, wodurch meine Untertanen ihre Feldarbeit versäumen mussten und ich fast aller meiner Einkünfte beraubt wurde ,..».44 Die französisch-spanische Konfrontation in und um Graubünden flammte 1627 zum zweiten, doch nicht zum letzten Mal auf und traf erneut Liechten- stein. Als am 24. Dezember 1627 mit Vinzenz II. Gonzaga das herzogliche Flaus von Mantua ausstarb und sich daraus ein Erbfolgestreit zwischen den eu- ropäischen Kontrahenden um die Hegemonie ent- wickelte, rückten die Bündner Pässe erneut in den Blickpunkt des politisch-militärischen Interesses.45 Kaiser Ferdinand II. (1619-1637), der mit einer Tochter des letzten Gonzaga verheiratet war, und König Philipp IV. von Spanien unterstützten die Kandidatur Ferdinands von Guastalla mit kaiser- lich-spanischen Truppen. Von Lindau kommend, überschritt im Mai 1629 die Vorhut des kaiserlichen Heeres unter Alwig von Sulz und General Johann Merode (dem Namensge- ber für marodierende, das heisst sich undiszipli- niert verhaltende Truppen, und zwar im negativsten Sinn) mit 21 Kompanien zu Fuss und elf Reiter- schwadronen die vaduzisch-bündnerische Grenze. Der Heerschwarm marschierte am 28. des Monats in Chur ein und brachte in wenigen Tagen die Bünd- ner Pässe in ihre Gewalt, trotz der Anwesenheit französischer Truppen. Im Verlauf der kommenden Monate zogen der Oberbefehlshaber, Generalissi- mus Graf Rambaldo Collalto, die Generäle Aldrin- gen und Gallas mit insgesamt 18 000 Mann dem ita- lienischen Kriegsschauplatz zu: «... In anno 1629 zue underschidlichen Zeiten und Tagen die Kayser- liche Völckher in schöner Ordnung und Droppen, die auch Regimenter weiss durch unsere Clauss [Klause bei Bregenz] und Landtschafft pasiert und zwar die erste Antiguardi auffs best und schönst mundiert sich sehen lassen auch in aller Eyl dem Pass auf der Staig zur geeilt und denselbigen glück- lich einbekommen, ehe und zue vor die Pündtner solches erkundigen oder auch glauben haben khün- den. War wol ein angenemes und darneben entsetz- liches Spectacel [das wohl mehr], so vil... wohl raun- dierte Generalen, Obristen, Officier und Soldaten in ihrer Rüstung, Wehr und Waffen anzusehen, als sol-che, 
wie gesagt nit auff einmal, sondern bisweilen zerteilter weis, dergestalt durchpassiert sind ...». Am 26. September 1629 zog der Landesherr in einem Schreiben an seinen Sohn Jakob Hannibal II. Vogt von Feldkirch, Bilanz dieser Durchzugstragö- die: «... Elf Regimenter sind nun vorüber gezogen. Verschiedene Nacht haben wir sechs Kompanien Fussvolk sächsischen Regiments, so vor Magdeburg gelegen sein sollen, zu Lustenau im Nachtquartier gehabt, und den Abend zuvor zweihundert Artille- riepferd ... spät abends noch hundert neu geworbe- ne Fussknechte [in Vorarlberg sowie in Vaduz und Schellenberg?] Quartier bezogen ... Die Nachtquar- tier sind fein säuberlich auf mein Spannen Land ge- richtet worden ...».46 General Johann Merode, der sich zeitweilig in Feldkirch aufhielt, erwartete Anfang 1630 die An- kunft des französischen Marschalls Bassompierre. Erneut befürchtete man einen Einfall nach Vaduz und Schellenberg und in die vier Herrschaften. Am 2. März 1630 versammelten sich die vorarlbergi- schen Vögte und die höheren Milizoffiziere in Bre- genz zur Besprechung der Lage. Es war geplant, an den Rheinfähren Schanzen aufzuwerfen und Reiter zur Grenzkontrolle einzusetzen. Die Garnisonen sollten mit Geschützen versehen und die Wacht- schiffe in Bregenz, Fussach und Lindau mobilisiert werden. Am 8. März bat der spanische Gouverneur in Mailand, Marchese Ambrosio Spinola, Erzherzog Ferdinand und Graf Kaspar von Hohenems um die Sicherung ihrer Burgen. Nach dem Gutachten des Landesherrn von Vaduz und Schellenberg war ein möglicher Angriff zwischen Balzers und Triesen über Schweizer Territorium zu erwarten. Falls Kundschafter in der Eidgenossenschaft erführen, dass der Angriff gegen den Bodensee erfolge, sollten die Ausschüsse unter die Waffen gerufen werden und der Landsturm sich bereit halten. Die Milizsol- daten hätten besonders die Rheinfähren in Gaissau, Höchst, Lustenau und Altach im Auge zu behalten. Nachdem die Pest bereits 1607 und 1610/11 in der Region Alpenrhein gewütet hatte, breitete sich die Krankheit 1628 erneut aus, «... daran die Krie- ger schuld waren [und] dass vil auss hunger und nit der bösen Krankheit gestorben ...». Immerhin for- 138
        

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