DIE REICHSHERRSCHAFTEN SCHELLENBERG UND VADUZ IM 30-JÄHRIGEN KRIEG / HERIBERT KÜNG zisch-bündnerischen Grenze Ende des Jahres zeig- te, wie explosiv die Lage bei jeder Veränderung des Kräfteverhältnisses war: Einige französische Söld- ner auf der St. Luzisteig kamen nach Balzers, wur- den vom Vogt auf Gutenberg zur Rückkehr aufgefor- dert und als dies nichts nützte, von der Burg aus un- ter Feuer genommen, wobei Ulrich von Ramschwag absichtlich zu hoch schiessen liess. Ein scharfer di- plomatischer Briefwechsel zwischen der Regierung in Innsbruck und Graf Kaspar einerseits und Mar- schall Flarancourt anderseits erhärtete lediglich die unvereinbaren Positionen. Wohl kam der Krieg in den nächsten Jahren nicht mehr nach Vaduz und Schellenberg, aber seine unmittelbaren Folgen: Mus- terplätze, Kontributionen, Einquartierungen und Truppendurchmärsche, verbunden mit Übergriffen aller Art, nicht zuletzt mit der Tatsache, dass sich die fremden Truppen kaum nur mit guten Worten wieder ausser Landes führen liessen.41 «... So haben Sy auch bei Bündtischer Empörung zum dritten, vier- ten und fünfften Mal ervolgten aufmahnungen sich treuwilligst gebrauchen lassen ... und also wieb und Khindt im Elendt sitzen müssen ... Darbey es aber nit verhüben, sondern es haben Ir hoch Fr. Dlt. [der Erzherzog Tirols und der Vorlande] alssbalden frembd Volckh ins Landt geführt...». Nach dem Re- cess des Vorarlberger Ständetages vom 7. Dezember 1623 wurden 40 000 Gulden in alter grober Münze, das hiess unter Ausgleich der Geldentwertung, zur Abführung der Regimenter Sulz und Baldiron bewil- ligt. Die erzherzogliche Genehmigung zur Weg- schaffung des Kriegsvolks traf am 29. Dezember ein, es dauerte aber noch bis zum 25. Februar 1624, bis die Truppen endlich ausser Landes waren, ge- meint war auch ausserhalb der Reichslande Hohen- ems, Schellenberg und Vaduz.42 Selbst im kleinen Territorium des Klosters Weingarten, im Walgau (Bludesch), verursachten im Sommer 1622 die Ein- quartierungen grosse Unkosten und Mühen.43 In den Jahren von 1620 bis 1623 lag dauernd ein Teil des Vorarlberger Aufgebots auf Gutenberg und in den umliegenden Nachbarschaften Balzers, Mäls und Triesen. In einem Brief aus dem Jahre 1629 schrieb Graf Kaspar an den Erzherzog: «... als anno 1620 das pündische Unwesen anfing, und der Pass 
an der Staig gesperrt wurde und das österreichische Kriegsvolk sich in mein armes Ländl gelagert hat und mit den Bündnern lange Zeit feindlich zu han- deln gehabt hat, haben meine armen Untertanen durch Hergebung von allerlei Victualien [Lebens- mittel] Ross und Vieh, durch Verderbung ihrer Aecker und Wiesen, besonders bei der Befestigung des Schlosses Gutenberg, merklich Schaden erlit- ten. Nach Abzug dieser Kriegsvölker sind die Bünd- ner in meine Dörfer Balzers und Mels eingefallen, haben sie total ausgeplündert ... Beim letzten fran- zösischen Ein- und bündnerischen Abfall bin ich zur Versicherung des Uebrigen und der arlbergischen Herrschaften, zwischen denen meine geringen Reichsgüter immediate gelegen sind, das Schloss Vaduz mit einer starken Garnison von dreihundert 33) Reitinger, Gottfried: Die Organisation der Foldzüge Erzherzog Leopolds V. gegen Graubünden 1620 bis 1623. Diss. phil. Innsbruck. 1954, S. 196. 34) Kaiser (wie Anm. 15), S. 80. 35) Landesarchiv Bregenz, Vogteiamt Bludenz, Sch. 45/513. 36) Stadtarchiv Bregenz Nr. 472/1. 37) Ransperg, S. 65; Datum bei Pieth (wie Anm. 20), S. 302: 31. Au- gust; vgl, Staatsarchiv Wien, Kriegsarchiv, Feldakten 13/6. Das Re- giment Sulz umfasste 3000 Mann, unter Obristleutnant. von Jungen standen 1200 und Rittmeistor Brion befehligte 150 Reiter. 38) Handbuch der Bündner Geschichte. Bd. 2. S. 1 32 f. 39) Küng. Krieg (wie Anm. 3), S. 746; Welti. Kaspar (wie Anm. 10). S. 227 ff.; seit 1620 bestand ein Regiment Jakob Hannibal II. von Hohenems, seit 1646 Karl Friedrich von Hohenems in spanischen Diensten. 1632 sind in der Personalsteuerliste der Vorarlberger Landständc auch «Bergbauer, Söldner mit 20 kr» (Kreuzer) ange- führt. Vgl. auch Anmerkung 98. 40) Kaiser (wie Anm. 15). S. 384; Ransperg S. 66. 41) Landesarchiv Bregenz. Landständeakten. 5. August 1623 (Fragment: «Zue domo ist Allwissendt und habens laider die Arlbergische Stend mit schaden erfahren, was Sy bey Fuxischen Musterblagen, Neapolitanischen. Wallonischen, Rattowilischen und anderen Durchzügen, praestirt und zur abführung des Volckhs zu wasser und Landl.erleiden und aussteen müssen»). 42) Landesarchiv Bregenz, Landständeakten. 7. Dezember 1623. Recess; ebenda, 29. Februar 1 624: Erzherzog an Stände; ebenda. 25. Februar 1624: Feldkirch an Bregenz. 43) Grabherr, Josef; Die Rcichsunmittelbare Herrschaft Blumenogg. In: Veröffentlichungen des Vereins für christliche Kunst und Wissen- schaft in Vorarlberg. Bregenz, 1907, S. 60. 137
        

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