Balzers, Mäls und Schaan betrug 11 115 Gulden.33 Als sich der Landesherr darüber beklagte und Scha- denersatz verlangte, antworteten ihm die Bündner, seine Untertanen hätten den österreichischen Trup- pen die Beute von Maienfeld abgekauft und die Glo- cken des Kirchleins auf der St. Luzisteig geraubt.34 Der kaiserliche Oberst von Coreth blieb mit seinen geworbenen Knechten untätig in Feldkirch liegen und Hans Werner von Raitnau hatte lediglich 500 Mann Miliz aufgebracht; ein Teil bewachte die Gren- zen zu Graubünden, und auch dieser musste er- mahnt werden «... behertzten zu sein ...»,35 was ei- nen erfolgreichen Raubzug des Dreibündegenerals Rudolf von Salis nach Vandans, St. Gallenkirch und Gaschurn nicht verhinderte: So hatte die Fläscher Niederlage vom 5. Mai die Vorarlberger Miliz demo- ralisiert. Das Versagen der Landesverteidigung - bei einem erzwungenen und gegen jede Abmachung verstossenden Angriff ausserhalb der Landesgrenze - hatte eine eingehende Untersuchung zur Folge.36 Die Antwort Österreichs auf die Befreiung Grau- bündens liess nicht lange auf sich warten. Schon am 20. August 162237 fiel der Generalobrist Graf Alwig von Sulz mit 9000 Mann über das Zeinisjoch und Samnaun erneut in Graubünden ein und eroberte binnen weniger Wochen den Pässestaat. Auffallend war, dass Vaduz und Schellenberg 1622 nicht als Angriffsbasis dienten. War diese weitere (wie 1621) Schonung damit begründet, dass der Oberbefehls- haber der frühere Landesherr war und mit dem jet- zigen Landesherrn verschwägert? Oder war die St. Luzisteig, die einzige leicht gangbare Verbindung zwischen Balzers und Graubünden - die Rheinebe- ne war versumpft -, zu stark befestigt? Der Vertrag vom 30. September bestätigte die Mailänder Artikel von 1621; eingeschlossen öster- reichische Besatzung, Verlust des Veltlins, Bormios und Chiavennas, Abtretung des Münstertals, des Unterengadins und der Gerichte im Prättigau, in Da- vos, Schanfigg und Churwalden.38 
DURCHMARSCH ZUM KRIEGSSCHAUPLATZ IN MANTUA: SOLDATESKA, EINQUARTIERUNG, PEST, 1629 Bis zum Jahre 1623 blieb das Kriegsgeschehen zwar von den nicht involvierten Herrschaften Vaduz und Schelleneberg nicht fern, aber doch mehr oder weniger auf die weitere benachbarte Region be- schränkt. Dort Graubündner Regimenter unter den einheimischen Kommandanten Rudolf von Planta und Rudolf von Salis, hier die Vorarlberger Miliz un- ter Obristhauptmann Hans Werner von Raitnau, Truppen Erzherzog Leopolds V. und des Kaisers un- ter Oberst Alois Baldiron und General Graf Sulz. In Vaduz und Schellenberg selbst, das zeigten die zu- nehmenden Aufgebote von Landsleuten, entstanden zu dieser Zeit die ersten Ansätze zu einer Miliz unter dem gräflichen Militärbefehlshaber Hauptmann Jo- hann la Cour. In der Folge bot der Landesherr im Einvernehmen mit dem Vorarlberger Obristhaupt- mann regelmässig Untertanen aus Vaduz und Schel- lenberg zum Wachdienst auf Schloss Vaduz, in Trie- sen, Balzers und bei der Rheinfähre in Bendern auf. Dass die Herrschaften Vaduz und Schellenberg auch Söldner in den kaiserlichen und spanischen Trup- penkörpern stellten, die in der Region geworben wurden, vielleicht aber auch in Schweizer und Bündne Regimentern, dürfte anzunehmen sein, al- lein schon aus wirtschaftlicher Notwendigkeit.39 In den mittleren zwanziger Jahren des 17. Jahr- hunderts erhielt das Kriegsgeschehen in der Region mehr und mehr internationale Züge. Am 28. Okto- ber 1624 kam es erneut zu einer militärischen Wen- de beim südlichen Nachbarn. Nachdem die österrei- chischen Besatzungen nach Bezahlung von 20 000 Gulden und wegen einer Pestepidemie abgezogen waren, rückte der Marquis de Coeuvres mit franzö- sischen Kontingenten und Bündner Regimentern im Sold Kardinal Richelieus im Freistaat ein. Zum Schutz der Nordgrenze lagen 2000 Mann am Rhein, und Österreich sowie die Reichsherrschaften Vaduz und Schellenberg verproviantierten und bestückten die Burgen Feldkirch, Vaduz und Gutenberg einmal mehr und verstärkten die Wachmannschaften.40 Ein an sich unbedeutender Zwischenfall an der vadu- 136
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.