DIE REICHSHERRSCHAFTEN SCHELLENBERG UND VADUZ IM 30-JÄHRIGEN KRIEG / HERIBERT KÜNG und viele ertranken im Rhein. Der übrige Teil rettete sich «... mit schendlicher Flucht... auf die Veste Gu- tenberg». Raitnau selbst floh mit dem Esel, den er zu reiten pflegte.27 Nach der Niederlage wollte Raitnau das Aufgebot entlassen, «... weil es zu nichts nutz sei ...».2S Ein Teil der Miliz, 700 Mann, hielt jedoch wei- terhin auf Gutenberg, in Feldkirch, Frastanz, in Nenzing und auf allen Rätikon- und Silvrettapässen Wache gegen Graubünden. Die Ablösung der Mann- schaft erfolgte monatlich, Raitnau liess auch die ge- fährdete Rheingrenze bei Bendern durch Reiter kontrollieren. Oberst Gaudenz von Coreth befehligte diese Streitmacht, auf Grund der Fläscher Niederla- ge war Raitnau des Generalkommandos gegen die Bündner in Vorarlberg enthoben. Ob der Niederlage fiel der bis jetzt so verdienstvolle Obristhauptmann sogar bei Erzherzog Leopold vorübergehend in Un- gnade.29 Am 2. Juni kapitulierte Maienfeld und zwei Wochen später auch Chur, nachdem ein Entsatz des Grafen Serbelloni von Chiavenna aus gescheitert war. Der Landvogt von Vaduz erwirkte, dass die ös- terreichische Besatzung mit 850 Mann und 145 Sol- datenweibern, mit Fahnen, Gewehr und Gepäck ab- ziehen konnte.™ Ringolt von Prosswaiden sah in ei- nem Brief vom 2. Juni an Graf Kaspar voraus, dass die neutralen Reichsherrschaften Vaduz und Schel- lenberg «... in den Boden verderbt würden ...».3I Am 7. Juli 1622, sieben Uhr abends, rückten die Bündner über die St. Luzisteig und besetzten unter dem Hauptmann Wyss Balzers und Mäls, ohne aller- dings Gutenberg erobern zu können. Am 9. und am 25. August32 stiessen Bündner Truppen erneut in die Reichsherrschaften vor. Der Raubzug umfasste 40 Stück Grossvieh und fünf Pferde sowie den ganzen Viehbestand der Schaaner Alpen, der Schaden für 16) Büchel. Prättigauer Krieg (wie Anm. 14), S. 1 5. Dem Aufgebot wa- ren Frauen und Kinder in grosser Zahl gefolgt. Nach einer Reihe von disziplinaren Vergehen erreichte Burgvogt Ulrich von Ramschwag auf Gutenberg die Ablösung der familiär gebundenen Mannschaftsleute. 17) Ebenda. S. 22. Als eine österreichische Grenzwache Bündnern auf deren Boden Korn, Schmalz und Salz wegnahmen - Erzherzog Leopold hatte verboten, Lebensmittel. Munition und Waffen aus seinen Ländern auszuführen -, gelang es dem Grafen von Hohenems sowie Bartholomäus Anhorn, den Streit friedlich beizulegen. 
18) Stadtarchiv Feldkirch Nr. 171 /. 3. Juni 1621, Erzherzog Leopold an Feldkirch. 19) Landesarchiv Bregenz, Landständeakten, 25. Juni 1621. Land- tagsrocess. 20) Datum nach Ransperg; Pieth, Friedrich: Bündner Geschichte. Chur. 1945; Er und Peter Kaiser nennen andere Daten; vgl. Welti, Kaspar (wie Anm. 10), S. 228 f. Die protestantischen Führer Grau- bündens, Johann Guler von Weineck und Rudolf von Salis, baten Graf Kaspar von Hohenems um Vermittlung. Dieser konnte jedoch ange- sichts der militärischen Lage nichts ausrichten. 21) Ransperg, S. 30. Er berichtet, dass «... hernach eine Zeit lang unser I.andt und Herrschaften eine zimbliche Ruhe widerfahren, welche höher zu achton war, so sie lenger gewehret hette». 22) Ebenda, S. 31 f. 23) Ebenda. S. 35 f. 24) Ebenda, S. 36. 25) Welti, Kaspar (wie Anm. 10). S. 232. 26) Auch Kaiser (wie Am. 15). S. 379. erwähnt diesen Vorfall. 27) Ransperg S. 35 ff. «Der Herr von Raitnau aber halt alda schlechte ehr eingelegt und all seine vorige Ehr und Ansehen höchlich gesche- diget». Vgl. auch die Darstellung Sprecher von Bernogg, Fortunat: Historia von den Unruhen und Kriegen. St. Gallen, 1 702. 28) Landesarchiv Bregenz, Landständeakten, 4. Januar 1622. Der Stadtrat in Bregenz berichtete an den Stadtrat in Feldkirch, dass der Erzherzog dem Vogt Graf Jakob Hannibal IL mitgeteilt habe: «Die Herren Gehaimbe Rath seien gar übel mit den arlbergischen Stenden zufrieden», besonders was die Miliz und deren Kampfbereitschaft betreffe. 29) Die Vorarlberger Stände verübelten Obristhauptmann Hans Werner von Raitnau. dass er die Miliz veranlasst habe, über die Landesgrenze hinaus zu ziehen. Dies geht aus einem Bericht der ständischen Vertreter vom 10. Mai 1622 hervor. Raitnau habe es jedem Soldaten frei gestellt, ob er über die Grenze ziehen wolle oder nicht. Er befahl dem Aufgebot, bei schwerer Strafe zu plündern oder Feuer zu legen, bevor er es selbst befehle. Die Truppen begaben sich am Unglückstag entgegen der Weisung «ans blündorn und Brennen». Dadurch geriet die Streitmacht auseinander und wandte sich bei Anrücken der Bündner gleich zur Flucht. Alle Ermahnungen sowie das «zueschrcien und rüeffen» des Kommandanten erwiesen sich als vergeblich. «Als es eben armselig zuegangen.» Mit den zurück fluten- den Truppen nach Gutenberg und Feldkirch schien ihm ein neuer Angriff aussichtslos. 30) Büchel (wie Anm. 14). S. 21. 31) Welti, Kaspar (wie Anm. 10). S. 234. 32) Landcsregiorungsarchiv Innsbruck, Kopialbücher Walgau, Bd. 12 fol. 406. Der zweite Bündner Überfall auf Liechtenstein ereignete sich bereits wähl end der laufenden Offensive der erzherzoglichen Truppen. 135
        

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