1968. Das Thema ist mit diesem Beitrag jedoch höchstens angeschnitten und keineswegs aufgear- beitet, unter anderem, weil die Bestände der Ge- meindearchive keine Berücksichtigung finden. Sozial-, Alltags-, Frauen- oder Mentalitätsgeschich- te sind in der vorliegenden Arbeit höchstens ansatz- weise erkennbar - und dies gilt für die dargestellte Epoche wohl für die gesamte Region Bodensee-Al- penrhein. 
HABSBURG GEGEN GRAUBÜNDEN: DER KRIEG KOMMT NACH VADUZ UND SCHELLENBERG, 1620 BIS 1622 Während sich das Hauptgeschehen in den ersten Jahren des Krieges in Böhmen und im Reich ab- spielte, kämpfte das Haus Habsburg in Graubünden um die Wiedererlangung der vollen Landeshoheit im Zehngerichtebund,9 die Restauration des katho- lischen Glaubens und um die Passübergänge von Ti- rol ins ebenfalls habsburgische Mailand; diese stell- ten die kürzeste Verbindung zwischen Wien und Madrid dar. Erschien die geopolitische Lage auch scheinbar trotzdem nicht besonders konfliktträch- tig, so verglich der Landesherr von Vaduz und Schellenberg die Zustände in Graubünden bereits im zweiten Jahrzehnt des Jahrhunderts mit einem «Hexenkessel».10 Der von Parteistreitigkeiten heim- gesuchte halb demokratische, halb oligarchische Staat - die spanisch-österreichische Partei bestand mehrheitlich aus Katholiken unter der Führung der Planta, die venezianisch-französische aus Refor- mierten, bei denen die weit verzweigten Salis den Ton angaben -, war seit der Reformation nicht mehr zur Ruhe gekommen. Am 19. Juni 1615 betraute Erzherzog Maximilian der Deutschmeister, Regent Tirols und der Vorlande, den Vogt von Feldkirch und Landesherrn von Schel- lenberg und Vaduz Graf Kaspar von Hohenems offi- ziell mit einer diplomatischen Mission in Graubün- den. Der freundliche Empfang durch die Bundes- häupter in Chur konnte den Sondergesandten nicht darüber hinweg täuschen, dass im Freistaat das po- litische Gleichgewicht noch nicht gefunden war. Wohl erwirkte er ein Durchzugsverbot für Schwei- zer Söldner und auf seinen Rat lehnten die Gerichts- gemeinden ein neues Bündnis mit Venedig ab; auch wies er auf sein eigenes Interesse an der Erhaltung des Friedens als unmittelbarer Nachbar hin.11 Ab 1618 löste ein Strafgericht das andere ab, der Name Jürg Jenatsch tauchte erstmals auf und endlich ver- sicherte Graubünden dem böhmischen «Winterkö- nig» Friedrich von der Pfalz seine Unterstützung zu. 1619 stellte das Strafgericht in Davos an Graf Kas- par das Ansinnen, den angeblich in sein Territorium 132
        

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