FRAUENERWERBSARBEIT IM LIECHTENSTEIN DER NACHKRIEGSZEIT / JULIA FRICK THEORIE: DIE GESCHLECHTSSPEZIFISCHE SEGREGATION3 AUF DEM ARBEITSMARKT Die geschlechtsspezifische Segregation auf dem Ar- beitsmarkt stellt eine Grundstruktur dar, die trotz Veränderungen im Einzelnen als stabiles Klassifika- tionsmuster betrachtet werden kann. Es gibt nach wie vor Frauenberufe und Männerberufe, Frauen- arbeitsplätze und Männerarbeitsplätze und kaum ein geschlechtlich neutraler Zwischenbereich, der nicht über kurz oder lang ebenfalls in dieses Zuord- nungsschema eingegliedert werden könnte. Jede Analyse des Arbeitsmarktes, die dem Kriterium Ge- schlechtersensibilität Rechnung trägt, kommt zum Schluss, dass fast alle Arbeitsplätze in irgendeiner Weise entlang geschlechtsspezifischer Trennlinien zu finden sind. Frauenberufe und Frauenarbeitsplätze zeichnen sich nicht, wie man annehmen könnte und oft be- hauptet wird, dadurch aus, dass sie besonders «hausarbeitsnah» sind oder dass für ihre Ausbil- dung und Tätigkeit Fähigkeiten von Vorteil sind, über die Frauen durch Reproduktionsarbeit eher verfügen als Männer. Hinsichtlich des Charakters der Arbeit weisen Frauenberufe keine besonderen Ähnlichkeiten auf. Was sie verbindet - und von Männerberufen unterscheidet - sind vielmehr zwei eng zusammenhängende Umstände: Frauenberufe gelten immer noch als weniger qualifiziert und ihr Status ist deutlich niedriger als jener vergleichbarer Männerberufe. Dies zeigt sich insbesondere in der geringeren Besoldung wie auch in den schlechteren Aufstiegschancen oder in der geringeren Entschei- dungsmacht. Neuere Untersuchungen, die der Frage nachge- hen, was Frauenberufe verbindet und von Männer- berufen unterscheidet, haben ergeben, dass gewis- se Grundprinzipien der Vergeschlechtlichung von Berufsarbeit inzwischen als in der Öffentlichkeit verankert gelten.4 Sind Verkäuferin, Sekretärin und Coiffeuse typi- sche Frauenberufe? Und waren diese Berufe schon immer typisch weibliche Berufe? Man kann wissen- schaftlich nicht von typischen heutigen Frauenberu- fen mit langen Traditionen sprechen und man kann 
auch keine Analogie zwischen bestimmten Aspek- ten einer Tätigkeit und bestimmten Aspekten des Geschlechtscharakters herstellen. Berufe konnten durchaus im Laufe der Zeit, durch äussere Umstän- de wie zum Beispiel mit dem Einzug neuer Techno- logien ihr «Geschlecht» wechseln. So war beispiels- weise der Beruf Sekretär um die Jahrhundertwende noch ein typisch männlicher Beruf, den man mit den Attributen «von Hand schön und korrekt schrei- bend», «selbständig denkend und handelnd», «Bil- dung» usw. verband. Mit dem Einzug der Schreib- maschine und anderen neuen Technologien fand in dieser Berufssparte so zu sagen ein «Geschlechter- wechsel» statt. Aus dem männlichen «Herr Sekre- tär» wurde die «weibliche Schreibhilfskraft», «Tipp- mamsel» oder «Schreibfräulein» genannt, die mit den Attributen «dienend», «unselbständig denkend und handelnd», «Unterordnung», «monotonieresis- tent» in Verbindung gebracht wurde. Schreibma- schinen tippen wurde mit Klavier spielen (und somit mit einer Bürgerstochter-Tätigkeit) verglichen. Der Status und das Einkommen verschlechterten sich mit der Verweiblichung des Berufes. Im Falle der «Vermännlichung» eines Berufes kann gleichzeitig von einem Status- und Einkommensgewinn ausge- gangen werden. 3) Segregation: Absonderung, Aufteilung. 4) Vgl. Bührmann, Arbeit, Sozialisation. Sexualität, S. 75-78. 7
        

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