WIRTSCHAFTSKRISE Bis zu ihrem Konkurs im Januar 1933 erlebten sie Höhen und Tiefen, auch wenn sie es dabei denen, die sie ablehnten, immer wieder viel zu leicht machten, den Vorwurf zu wiederholen, den die Bühnengenossenschaft 1923 erhoben hatte, sie würden Theater «nur als Geschäft» betreiben, «in Die «Gesellschaft der Funk- freunde», die die Rotter- Aufführungen bevorschuss- te, handelte immer tiefere Kartenpreise aus - das liess die Einnahmen sinken und vergrösserte die Abhängig- keit. 
Kunst machen» und nicht «die Kunst pflegen»137 - etwa als sie 1931 im Theater des Westens, als Pri- vattheater mitten in der Weltwirtschaftskrise, «Operette mit einem Vier-Mann-Orchester!» spiel- ten, oder bei einem Gastspiel im niederländischen Rotterdam mit der «Tugendprinzessin» mit «Beset- zung und Aufführung» derart sparten, «dass das Publikum in spontaner Empörung das Theater ver- ließ».138 Seltsamerweise hiess es - «Der Montag Morgen» schrieb das -, sie beschäftigten mit ihrem Verwaltungsdirektor Apel einen Mann, der «einge- schriebenes Mitglied der Nazis ist».139 Wollten sie sich damit absichern? «Die außerordentlich schwierige wirtschaftliche Lage, in die die Berliner Theater gekommen sind», wurde von der rechtskonservativen «Deutschen Allgemeinen Zeitung» am 5. Dezember 1931 mit den Worten umschrieben: «Das Theaterleben ist in einen Auflösungsprozess geraten, wie man ihn noch nicht erlebt hat.» Es bildeten sich «Schauspie- lernotgemeinschaften», «die auf eigene Rechnung spielen und abends die Kasse teilen».140 Den Rotter wurde vorgeworfen, dass sie nur ihre Stars gut bezahlten, die Gagen der übrigen aber bis zu «3 Mark pro Vorstellung» drückten.141 In einer Einsendung an den Polizeipräsidenten klagte ein genervter Beobachter des Theaterlebens Berlin am 10. August 1932 über die Rotter: «Jeder in theatra- libus eingeweihte weiß, dass diese Herren bis über das Dach hinaus zahlungsunfähig sind und Millio- nen Schulden haben. ... Es ist ein Va banque Spiel unerhörtester Skrupellosigkeit! ... Wenn in näch- ster Zeit der unweigerlich eintretende Zusammen- bruch stattfindet, dann gibt es einen Skandal ,..».142 137) Landesarchiv Berlin, APr. Br. Rep. 030, Nr. 2957, Blätter 23 ff.; 31. Oktober 1923. 138) «Berliner Tribüne», 30. Mai 1931; Landesarchiv Berlin, A Pr. Br. Rep. 030, Nr. 2966, Blatt 28. 139) «Der Montag Morgen», 11. April 1932 (Nr. 15). 140) «Deutsche Allgemeine Zeitung», Nr. 561, 5. Dezember 1931. 141) So das Nazi-Blatt «Der Angriff» (13. Mai 1932, Nr. 97); Landes- archiv Berlin, A Pr. Br. Rep. 030, Nr. 2966, Blatt 44. 142) Dr. Hans Schröder, 10. August 1932; Ebenda, Blatt 45. 96
        

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