dem Jahre 1934 als völkerrechtlich fragwürdig be- zeichnet und für unverbindlich erklärt.28 Die Fmanzeinbürgerungen im eigentlichen Sin- ne des Wortes sind zwar seit längerem passe, in veränderter Form bestehen sie aber bis heute, und zwar in der Form der so genannten Rentnersteu- er.29 Reiche Ausländer, die ihren Lebensabend in Liechtenstein verbringen möchten, oder auslän- dische Privatiers, die von den Erträgen ihres Ver- mögens leben und einen steuergünstigen Aufent- haltsort suchen, können sich in Liechtenstein nie- derlassen und sich dort gewissermassen gegen ei- nen bestimmten, jährlich zu entrichtenden Betrag einkaufen. In den 1960er Jahren belief sich diese Steuer auf mindestens 10 000 bis 15 000 Franken pro Person und Jahr,30 in den 1980er Jahren auf 100 000 bis 150 000 Franken. 1976 gab es 192 Abkommen dieser Art, 1982 waren es 135.31 In den 1980er und 1990er Jahren trugen die Verträge mit ausländischen Rentiers dem Land zwischen 1,7 und 2,6 Millionen Franken ein. Auch wenn die Rentnersteuer nicht mehr ganz so wichtig ist wie noch vor einigen Jahrzehnten, so macht sie doch auch heute noch rund zwei Prozent aller Staats- einnahmen aus.32 BEISPIEL 2: BRIEFMARKEN In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die k.u.k. Postverwaltung für den Postdienst im Fürs- tentum Liechtenstein zuständig. Eigene liechten- steinische Briefmarken gab es noch nicht, genauso wenig wie einen Postvertrag mit dem österreichi- schen Partner. Als dieser Vertrag 1911 doch noch abgeschlossen wurde, behielt sich Liechtenstein die Ausgabe eigener Briefmarken vor. Die ersten Marken erschienen im Januar 1912. Sie zeigten das Porträt des Fürsten Johann II. und waren von den Wiener Jugendstil-Künstlern Koloman Moser und Ferdinand Schirnböck entworfen worden.33 Der Übergang von der österreichischen zur schwei- zerischen Postverwaltung war für das liechtenstei- nische Briefmarkenwesen eine Zeit der Verunsi-cherung 
und der Skandale. Ende 1919 übertrug die Regierung einem privaten Konsortium, das hohe Gewinne versprochen hatte, den Vertrieb der Brief- marken. Statt hoher Gewinne gab es fehlerhafte Wertzeichen, hinterzogene Gelder und eine regie- rungskritische Demonstration.34 Im Februar 1921 trat der Postvertrag mit der Schweiz in Kraft, womit das Briefmarkenwesen wieder in ruhigeres Fahrwasser geriet. Liechten- steinische Wertzeichen fanden als Inbilder der Sou- veränität vorab bei ausländischen Sammlern Auf- merksamkeit und Absatz. Die Regierung arbeitete mit einem deutschen Markenhändler zusammen, der sie bei der Herausgabe der Marken und bei der Einrichtung eines Postmuseums (1930) beriet und zugleich den internationalen Sammlermarkt er- schliessen half. Zwar dienten die Briefmarken auch der Selbstdarstellung des Landes und mussten des- halb künstlerisch ansprechend sein, im Zentrum stand aber ihr fiskalischer Nutzen. Der Reinerlös stieg in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre von 105 000 Franken (1925) auf 366 000 Franken (1930), bevor die Weltwirtschaftskrise auch die Briefmarkensammler zum Sparen zwang. In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre zogen die Verkäu- fe wieder an. Im Jahre 1937, als die Regierung mit vier speziellen «Arbeitsbeschaffungsmarken» auf- wartete, stiegen die Einkünfte auf 750 000 Fran- ken. Dies entsprach fast einem Viertel aller Landes- einnahmen.35 Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die Briefmarken für den Staatshaushalt wichtig. Im Jahre 1949 beispielsweise erbrachte der Briefmar- kenerlös 21 Prozent aller Landeseinnahmen. In den 1960er Jahren erreichte die fiskalische Bedeu- tung der Briefmarken ihren Höhepunkt. 1960 gab die liechtensteinische Post eine «Europa»-Marke heraus, die schon vor ihrem Erscheinen ausver- kauft war. 1962 kurbelte die Ausstellung zum fünf- zigjährigen Bestehen der liechtensteinischen Mar- ken den Absatz weiter an. Die damals herausge- gebene, 381 Seiten starke Festschrift behandelte unter anderem Markenmotive, die liechtensteini- schen Stempel, das Postmuseum, die Sammlerver- einigungen und die Biographien der Markenkünst- 88
        

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