VON WESTFALEN ZUM GLOBAL VILLAGE ZOLTÄN TIBOR PÄLLINGER EINLEITUNG Ein kurzer Blick in die Literatur genügt bereits, um zu zeigen, dass der Begriff Souveränität in zahlrei- chen Wissensgebieten präsent ist. Über den Be- reich der Diskurstheorie, der Psychologie und der Theologie bis hin zum Staats- und Völkerrecht, der Politikwissenschaft sowie der politischen Philoso- phie erstreckt sich ein breites Feld, in welchem der Terminus Souveränität von Bedeutung ist. Im Rah- men dieses Aufsatzes sollen Souveränitätskonzepte aus den Bereichen des Völkerrechts und der inter- nationalen Politik untersucht werden.1 Die Unter- suchung der konzeptionellen Ebene impliziert, dass im Zentrum des Erkenntnisinteresses nicht primär die Nachzeichnung der praktischen Anwen- dungen der Souveränität steht, sondern die Entfal- tung und Erklärung der logischen Struktur des Be- griffs im theoretischen Kontext des Völkerrechts und der Internationalen Beziehungen.2 Trotz der grossen Bedeutung dieses Begriffs für die Rechts- und die Politikwissenschaft fehlt bis heute eine allgemein anerkannte Definition/' Allein im hier zu untersuchenden Bereich unterscheidet der Völkerrechtler Detlev C. Dicke 15 Bedeutungs- inhalte des Begriffs.4 Dieser Wirrwarr trägt dazu bei, dass in der aktuellen Literatur sowohl von der Aushöhlung oder gar dem Ende der Souveränität als auch von deren Wiederauferstehung oder Stär- kung die Rede ist. Auf der einen Seite wird auf die abnehmenden Steuerungskapazitäten der Staaten hingewiesen, auf der anderen Seite jedoch auf die Tatsache, dass im Laufe der Geschichte immer zahlreichere Bereiche der Gesellschaft der regle- mentierenden Autorität des Staates unterworfen wurden/' Um die begrifflichen Unklarheiten zu minimie- ren, soll in einem ersten Schritt der Terminus Sou- veränität näher bestimmt und seine relevanten Aspekte herausgearbeitet werden. Gestützt auf die- se Grundlagen lässt sich dann im Hauptteil dieser Arbeit die Entwicklung der Souveränitätskonzepti- on vom klassischen bis zum modernen Völkerrecht nachzeichnen. Zum Schluss soll dann der Frage nachgegangen werden, wie sich einige aktuelle 
Entwicklungen, die noch zu neuartig für eine ab- schliessende Bewertung sind, auf das Konzept der Souveränität auswirken. 1) Auf eine Untersuchung der innenpolitischen Souveränität kann verzichtet werden, da sich in diesem Bereich das Bekenntnis zur Demokratie als bester Staatsform weitgehend durchgesetzt hat. Damit geht eine relativ einhellige Bejahung des Prinzips der Volks- souveränität und eine Ablehnung der alternativen monarchischen und aristokratischen Souveränität einher (Kielmansegg 1977, S. 9). 2) Hempel 1952. S. 12. 3) Müller-Wewel 2003, S, 1, 4) Dicke 1978, S. 56 ff. 5) Für einen Überblick über die aktuellen Standpunkte in der Souve- ränitätsdiskussion vgl. Krasner 1999, S. 1-7. 53
        

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