Liechtenstein und die Flüchtlinge zur Zeit des Nationalsozialismus WOLFGANG WEBER Ursina Jud: Liechtenstein und die Flüchtlinge zur Zeit des Nationalsozialis- mus. UHK-Studie 1. Vaduz, Zürich, 2005. 310 S. CHF 38.-. ISBN 3-906393-34-8 (Historischer Verein) ISBN 3-0340-8001-5 (Chronos Verlag) 248 
Manche Bücher machen betroffen. Andere bewe- gen. Ursina Juds 2005 erschienene Studie über «Liechtenstein und die Flüchtlinge zur Zeit des Na- tionalsozialismus» tut beides. Im Auftrag der Unab- hängigen Historikerkommission Liechtenstein Zwei- ter Weltkrieg recherchierte die Autorin zwischen 2001 und 2004 die staatliche Flüchtlingspolitik des Fürstentums in den 1930er und 1940er Jahren, die angesichts der wirtschaftspolitischen Sonderrolle Liechtensteins durch den Zollvertrag von 1924 mit der Schweiz nicht nur eine nationalstaatliche, son- dern eine supranationale Geschichte darstellt. Denn die enge ökonomische Verflechtung dieses Klein- staates im Herzen Europas mit der helvetischen Nachbarin determinierte den staatspolitischen Hand- lungsspielraum des formal souveränen und neutra- len Fürstentums gerade im Hinblick auf eine eigen- ständige Position in der Frage nach dem Umgang mit jenen Europäerinnen und Europäern, die ab Ja- nuar 1933 das nationalsozialistische Deutschland, seit dem Frühjahr 1938 und besonders nach Kriegs- beginn im Spätsommer 1939 ihre von NS-Deutsch- land Überfallenen Heimatstaaten verlassen tnussten - um zumindest ihr Leben zu retten. Liechtensteins Flüchtlingspolitik war aber keineswegs ausschliess- lich heteronom determiniert und dem ökonomi- schen Imperativ unterworfen, sondern das Fürsten- tum entwickelte sehr klare eigenständige auf den ei- genen Vorteil bedachte originäre Standpunkte und setzte diese in bilateralen Verhandlungen mit NS- Deutschland und der Schweiz um. Das macht Ursi- na Jud in ihrer ausgezeichneten Untersuchung sehr deutlich. Eine wesentliche Erkenntnis leitende Frage für Juds Studie war jene nach den politics der liechten- steinischen Behörden, nach den inhaltlichen Di- mensionen der staatlichen Flüchtlingspolitik in den 1930er und 1940er Jahren. An diese anschliessend war nach den prozessualen und strukturellen Rah- menbedingungen zu fragen, innerhalb derer die Behörden ihre polity und policyx gestalten konnten. Politics, polity und policy werden jedoch erst durch Menschen als handelnde Subjekte der Politik (und im vorliegenden Fall der Geschichte) wirkungs- mächtig, weswegen die Autorin in ihrer bemerkens-
        

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