zur Produktion für den deutschen Kriegsbedarf und zu Raubkunst und deutscher Zwangsarbeit bildeten die Hauptkomplexe der Untersuchungen. Im Vor- dergrund standen Vermögensfragen im Zusammen- hang mit der NS-Herrschaft, insbesondere die Fra- ge, ob Liechtenstein geholfen habe, geraubte Ver- mögenswerte in Form von Geld, Gold, Wertschriften oder Kunstwerten zu verstecken und zu verschieben oder Vermögenswerte von NS-Opfern in Sicherheit zu bringen. Zu klären waren auch der Bestand nachrichtenloser Konten von Holocaust-Opfern auf liechtensteinischen Banken, die Einhaltung der Be- stimmungen betreffend die Sperrung deutscher Ver- mögenswerte und die Rückgabe von geraubtem Gut. DER SCHLUSSRERICHT Der Schlussbericht (der auch in englischer Sprache erscheint) ist von den Mitgliedern der Kommission gemeinsam verfasst und im Konsens verabschiedet worden. Er ist die gültige Stellungnahme der Histo- rikerkommission. Er enthält die Synthese der Er- gebnisse zu den Untersuchungsfragen. Dieser vor- angestellt sind zwei Kapitel: eine einleitende Dar- stellung von Vorgeschichte, Rahmenbedingungen, Organisation, Verlauf und Voraussetzungen der Kom- missionsarbeit (S. 11-28) sowie eine verdichtete Be- schreibung des Gesamtgeschehens, in das die ein- zelnen Untersuchungsergebnisse einzubetten sind (S. 29-75). Die Ergebnisse ihrerseits basieren so- wohl auf den von den einzelnen beauftragten For- scherinnen und Forschern erarbeiteten Einzelstudi- en als auch auf den breiten Kenntnissen der Kom- missionsmitglieder aus ihrer eigenen Forschung. Die sechs Einzelstudien enthalten die gesondert er- arbeiteten detaillierten Teilergebnisse. Besonders aufschlussreich ist die Beschreibung des Forschungsstandes und der Archive und Quel- len (S. 21-25). Diese Beschreibung sowie das Quel- len- und Literaturverzeichnis (S. 272-293) lassen die neue und weite Dimension der liechtensteini- schen Zeitgeschichtsforschung erkennen, die durch die Historikerkommission selbst und in ihrem Auf- trag beschritten wurde. Die wissenschaftlichen Un-tersuchungen 
erfolgten auf einer sehr breiten Quel- lenbasis. Im Vergleich zu ähnlichen Untersuchun- gen in anderen Ländern konnten die Abklärungen nirgends so detailliert erfolgen wie in Liechtenstein. Es ist dies neben den im Schlussbericht gezeichne- ten besonderen liechtensteinischen Dimensionen (vgl. S. 29-35) eine weitere Spezialität des Klein- staates und eine eigene Qualität der Arbeit der His- torikerkommission. Es war nicht Auftrag der Historikerkommission, die allgemeine liechtensteinische Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Welt- kriegs zu beschreiben. Sie hatte bestimmte aktuell aufgeworfene zentrale Fragen zu klären. Dennoch enthält der Schlussbericht richtigerweise ein eige- nes wichtiges Kapitel, das den geschichtlichen Kon- text sorgfältig zusammenfassend darstellt. Es fusst einerseits auf dem in der Einleitung umschriebenen Forschungsstand, andererseits vornehmlich auf den Ergebnissen der jahrelangen Forschungen von Peter Geiger. Dass Liechtenstein in der NS-Zeit das Hauptgebiet der Forschungstätigkeit des Präsiden- ten der Historikerkommission bildet und dieser sein umfassendes Wissen und insbesondere seine Er- kenntnisse aus einer vor dem Abschluss stehenden Gesamtdarstellung zu Liechtenstein im Zweiten Weltkrieg einbringt, verleiht diesem Kapitel, aber auch dem gesamten Schlussbericht eine besondere Qualität. Die in den Quellen aufgelisteten zahlrei- chen Zeitzeugeninterviews sind denn auch zum grössten Teil von Peter Geiger seit 1988 im Rahmen seines Forschungsprojekts am Liechtenstein-Insti- tut geführt worden, und 29 Beiträge der unter der Liechtenstein-Literatur verzeichneten Beiträge stam- men ebenfalls aus seiner Feder. WICHTIGSTE ERGERNISSE Es ist hier nicht möglich, auf die einzelnen Ergeb- nisse näher einzugehen. Sie seien lediglich kurz an- gesprochen und bruchstückhaft skizziert: Liechtenstein war kein bedeutender Finanzplatz. Es diente nicht als Hort für geraubte Vermögen, als Devisendrehscheibe oder als Verschiebeplatz für 244
        

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