NATIONALE IDENTITÄT WILFRIED MARXER ZUSAMMENFASSUNG UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE Als zentrale Erkenntnisse aus der im Herbst 2005 durchgeführten Umfrage zur nationalen Identität Liechtensteins können die folgenden Punkte festge- halten werden: 1. Nach historisch gesehen eher schwerem Start bei der Herausbildung einer liechtensteinischen natio- nalen Identität kann heute festgestellt werden, dass in der Bevölkerung eine liechtensteinische Identität wahrgenommen und vertreten wird. 2. Eine liechtensteinische Identität wird dabei in der spontanen Nennung weniger über staatliche Sym- bole, sondern stärker über soziale Aspekte und Ei- genschaften der Menschen - positive wie negative - erkannt. Eigenschaften der Menschen, Vertrautheit, Geborgenheit, Nähe sind zentrale Faktoren einer üechtensteinischen Identität. 3. Die Befragten erachten unter neun vorgegebenen Aspekten am häufigsten die Landschaft als sehr wichtig für das, was Liechtenstein für sie persönlich ausmacht. Es folgen in absteigender Reihenfolge die Geschichte, der Finanzplatz, das Brauchtum, die Kleinheit, die Monarchie, der Dialekt, die Staatsbür- gerschaft und die katholische Kirche. 4. Die Bewohnerinnen und Bewohner Liechten- steins fühlen sich dem Land Liechtenstein enger verbunden als der Wohngemeinde, Europa oder - als schwächster Identifikationsraum - dem Landes- teil (Oberland, Unterland). 5. Für die persönliche Identität werden wie in der Schweiz und in Deutschland auch in Liechtenstein der Beruf und die Stellung in der Familie als wich- tigste Aspekte bezeichnet. Im Unterschied zu den anderen Ländern wird in Liechtenstein aber auch der Staatsbürgerschaft und dem Wohnort ein hoher Stellenwert für die persönliche Identität einge- räumt. 
6. Dabei ist aber kein bedingungsloser Nationalis- mus erkennbar. Der im Vergleich mit anderen Staa- ten ausgeprägte Stolz auf das eigene Land ist ge- paart mit Eigenkritik und Zurückhaltung. Nur knapp ein Drittel der Befragten meint, dass Liechtenstein ein besseres Land sei als die meisten anderen Län- der, und nur rund ein Fünftel meint, die Welt wäre besser, wenn die Menschen überall so wären wie in Liechtenstein. 7. Wenn es um Fragen der gesellschaftlichen Inte- gration sowie der kulturellen und wirtschaftlichen Offenheit geht, sind Unterschiede zur Schweiz und zu Deutschland besonders markant. Die Zuwande- rung wird in Liechtenstein trotz vergleichsweise ho- hem Ausländeranteil weit weniger negativ beurteilt als in den Vergleichsstaaten. Die Leistung der Mi- granten für die liechtensteinische Wirtschaft und die kulturelle Belebung durch deren Anwesenheit wird ausdrücklich gewürdigt. So wird auch nur von einer kleinen Minderheit eine Reduktion der Zu- wanderung gefordert. Auch ist in Liechtenstein die Angst vor grossen internationalen Firmen, vor frei- em Handel und Warenimport weit weniger verbrei- tet als in der Schweiz oder in Deutschland. 8. Dabei ist aber durchaus auch ein hohes Mass an Selbstbewusstsein und Streben nach Unabhängig- keit erkennbar. Mehr als die Hälfte finden, dass Liechtenstein die eigenen Interessen verfolgen soll- te, auch wenn das zu Konflikten mit anderen Län- dern führt. 9. Schliesslich ist auch festzustellen, dass in Liech- tenstein gesellschaftliche Trennlinien nur in weni- gen Identitätsfragen entlang von Altersgruppen, dem Geschlecht, dem Status als In- oder Ausländer oder anderen Gruppensegmenten verlaufen. Die stärkste Kluft, welche quer durch Altersklassen, Ge- schlechter, In- und Ausländer, Sprachgruppen usw. 60) Darstellung aller hochsignifikanten Wald-Werte (Assoziations- mass) aufgrund binär logistischer Regressionsrechnungen. 61) Nagelkerkes R-Quadrat bezeichnet den Anteil der erklärten Vari- anz. Ein Wert von .249 bedeutet, dass 24.9 Prozent der Varianz durch die unabhängigen Variablen erkärt wird. 231
        

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