NATIONALE IDENTITÄT WILFRIED MARXER EINSTELLUNGEN DER BEVÖLKERUNG Die statistische Datenanalyse mittels logistischer Regressionsrechnungen, die in diesem Beitrag nicht nachgezeichnet werden, ergibt ein weiter differen- ziertes Bild. Bei der Berechnung von Zusammen- hängen wurden alle oben erwähnten soziodemo- grafischen Variablen mit den Einstellungsvariablen kombiniert. Dabei wurden sowohl Zusammenhänge in der Kombination zweier Variablen - also einer Kreuztabellenanalyse - wie auch multivariate Ana- lysen mittels logistischer Regressionsrechnungen durchgeführt, um die tatsächlich wirksamen Be- stimmungsfaktoren zu eruieren. Wenden wir uns zunächst der Frage zu, bei wel- chen Einstellungen Gruppenunterschiede festzu- stellen sind, und bei welchen nicht oder kaum.57 Zu- erst die Variablen, bei denen kaum Gruppenunter- schiede festzustellen sind. Es sind dies die Variablen «Differenzierung» (Ql), «Differenzierung Ego» (Ql_i), «Wichtige Aspekte» (Q5), «Nationalismus» (Q6), «Assimilation» (Q8), «Zukunft Immigration» (QU), «Stolz» (Q14) und «EU-Beitritt» (Q16). Das heisst nicht, dass es bei diesen Variablen nicht gele- gentliche Gruppenunterschiede gibt. So sind etwa die liechtensteinischen Staatsangehörigen nationa- listischer als die ausländischen, Personen mit zwei liechtensteinischen Elternteilen sprechen sich über- durchschnittlich für eine Reduktion des Ausländer- anteils aus, Anhänger der Freien Liste sind deutlich weniger stolz auf die eigene Nationalität als die an- deren, sie sind ferner gemeinsam mit Frauen über- durchschnittlich für einen Beitritt zur Europäischen Union. Insgesamt aber erklären die Gruppenunter- schiede nur einen geringen Teil der Einstellungen zu diesen Themenbereichen. Stärker auf Gruppenunterschiede zurückführen lassen sich die Einstellungen zu den folgenden Va- riablen: «Differenzierung sozial« (Ql_s), «Prägende Aspekte» (Q3), «Internationalität» (Q7), «Kulturelle Of- fenheit» (Q9) und «Migranten» (QIO). Diese sollen daher noch genauer betrachtet werden. In den nach- folgenden Tabellen werden jeweils nur diejenigen Gruppen aufgeführt, die hochsignifikante Gruppen- unterschiede zeigen. Dabei wird zunächst noch 
nicht berücksichtigt, inwieweit die Gruppenmerk- male selbst miteinander korreliert sind. So weiss man, dass Ältere ein tieferes Bildungsniveau auf- weisen, und es ist anzunehmen, dass sie weniger flexibel, das heisst autoritärer sind. Welches dieser Merkmale dabei tatsächlich eine kausale Wirkung auf die Einstellung ausübt, kann den nachfolgenden Einzeltabellen noch nicht entnommen werden. Es werden lediglich statistische Zusammenhänge auf- gezeigt. Auf die kausalen Zusammenhänge wird dann im nachfolgenden Kapitel eingegangen. Die sozialen Differenzierungsaspekte (Ql_s: Her- kunft, Konfession, Staatsbürgerschaft) werden eher von Älteren, weniger Gebildeten, Autoritäreren, mit liechtensteinischen Eltern und Anhängern der gros- sen Volksparteien als bedeutend für ihre persönli- che Identität angesehen. Für diese Gruppen ist also beispielsweise die liechtensteinische Staatsbürger- schaft relativ bedeutend für die Bestimmung ihrer eigenen Identität, während die anderen dies als re- lativ unbedeutend betrachten. Etwas abstrakter for- muliert kann man auch festhalten, dass die erwähn- ten Gruppen überhaupt ihre Gruppenzugehörigkeit als wichtige Bestimmungsfaktoren ihrer eigenen Identität betrachten, während für die anderen viel stärker individuelle Merkmale (Alter, Geschlecht u. a.) identitätsstiftend wirken (Tabelle 22).58 Als eventuell «prägende Aspekte» (Q3) für eine liechtensteinische Identität wurden in der Umfrage die folgenden abgefragt: In Liechtenstein geboren zu sein, die Staatsangehörigkeit zu besitzen, gross- teils in Liechtenstein gelebt zu haben, die deutsche Sprache zu beherrschen, katholisch zu sein, die In- stitutionen und Gesetze zu achten, sich als Liechten- 57) Als Limite wurde dabei Nagelkerkes H-Quadrat von gerundet 0.20 oder höher festgelegt. Das heisst, dass bei diesen Einstellungs- variablen mindestens 20 Prozent der Varianz durch Gruppenzugehö- rigkeiten beeinfiusst ist, 58) Ein Beispiel kann dies illustrieren: In der Gruppe der «Autoritä- ren» halten 64,7 Prozent individuelle Aspekte als prägend für ihre eigene Identität. 50,0 Prozent halten auch Gruppenzugehörigkeiteu für prägend. Bei den «Flexiblen» halten 58,1 Prozent individuelle Aspekte als prägend, aber nur 21,0 Prozent finden, dass Gruppen- merkmale ihre eigene Identität prägen. 225
        

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