NATIONALE IDENTITÄT WILFRIED MARXER Weg. In Deutschland sind es etwa gleich viele, in der Schweiz etwas weniger (Tabelle 16). Die folgenden Antworten auf Fragen zur gesell- schaftlichen Integration von Zuwanderern zeigen eine erstaunliche Offenheit der liechtensteinischen Gesellschaft. Nicht nur wird weniger explizit eine Kenntnis der liechtensteinischen Sitten und Ge- bräuche vorausgesetzt als in der Schweiz oder in Deutschland, um wirklicher Staatsbürger zu sein. Es zeigt sich in Liechtenstein auch eine grössere Be- reitschaft zur Unterstützung der nationalen Minder- heiten zur Pflege der eigenen Kultur (Tabelle 17). Der Eindruck der Zahlen aus der letzten Tabelle wird auch bei den folgenden Fragen zu den Zuwan- derern bestätigt. In Liechtenstein ist die Skepsis und die negative Beurteilung der Zuwanderung weit we- niger verbreitet als in der Schweiz und in Deutsch- land. Eine deutliche Mehrheit findet, dass die Zu- wanderer gut für die Wirtschaft und eine Bereiche- rung für die Kultur sind. Nur eine Minderheit meint, dass Zuwanderer die Kriminalitätsrate erhöhen, den Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen, und dass der Staat zu viel Geld für die Zuwanderer ausgibt. Dies ist selbstverständlich auch vor dem realen Hintergrund der Zuwanderung zu sehen. Die liechtensteinische Wirtschaft ist auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen, da die rund 30 000 Ar- beitsplätze nicht durch die einheimische Bevölke- rung von rund 35 000 Einwohnern abgedeckt wer- den können. Liechtenstein weist eine relativ kleine Arbeitslosenquote auf, und auch die Kriminalitäts- rate ist vergleichsweise eher gering. Zu berücksich- tigen ist auch die Tatsache, dass ein Grossteil der Zuwanderer aus den deutschsprachigen Nachbar- ländern stammt und gleichzeitig zu einem grossen Teil der gehobenen Bildungsschicht angehört. Dies erleichtert die gesellschaftliche Integration. Ende 2004 stammten 6845 der 11 852 Ausländer oder 57,8 Prozent aus dem deutschsprachigen Ausland.47 Es bleibt aber immer noch eine Zahl von 5 007 Aus- ländern aus anderen Ländern, welche 42,2 Prozent aller Ausländer oder 14,5 Prozent der gesamten Wohnbevölkerung ausmachen. Der Ausländeranteil in Deutschland beträgt zum Vergleich rund 9 Pro- zent, in der Schweiz rund 20 Prozent (Tabelle 18). 
Die relativ positive Einstellung gegenüber den Migranten kommt konsequenterweise auch in der Meinung zur Weiterentwicklung der Zuwanderung zum Ausdruck. Obwohl Liechtenstein einen Auslän- deranteil von etwa 34 Prozent aufweist - also einen internationalen Spitzenwert -, gibt es nur wenige Stimmen, die eine Reduktion der Zuwanderung for- dern. 7,5 Prozent sind für eine starke Verminderung der Zuwanderung, verglichen mit einem Anteil von 17 Prozent in der Schweiz und mehr als 47 Prozent in Deutschland. Etwa zwei Drittel der Befragten plä- dieren für die Beibehaltung des gegenwärtigen Standes (Tabelle 19). 43) Im Schweizer ISSP-Modul mit 5-teiliger Skala erhoben (Liechten- stein 3-teilig) In der Tabelle sind für die liechtensteinische Umfrage die Antworten «Stimme zu» ausgewiesen, aus der Schweizer Umfra- ge die Werte «sehr einverstanden» und «einverstanden». 44) In Deutschland im Rahmen des ALLBUS 2004 erhoben. Die 5-teilige Skala wurde in Liechtenstein auf eine 3-teilige Skala redu- ziert. In der Tabelle sind aus der deutschen Umfrage die Werte «Stimme voll und ganz zu» und «Stimme zu» ausgewiesen. 45) ISSP-Modul Schweiz. 46) ALLBUS 2004. 47) Amt für Volkswirtschaft. Statistisches Jahrbuch 2005, S. 24 ff. 219
        

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