NATIONALE IDENTITÄT WILFRIED MARXER Fühlen sich die in Liechtenstein Wohnhaften nun stärker ihrer jeweiligen Gemeinde, dem Landesteil (Oberland, Unterland), dem Land Liechtenstein oder Europa verbunden? Zur nationalen Ebene (dem Land) besteht gemäss Umfrage die grösste Verbun- denheit, gefolgt vom Wohnort/von der Wohnge- meinde. Das entspricht tendenziell der Einstellung in der Schweiz und in Deutschland. Auch dort besteht zur nationalen Ebene die stärkste Verbundenheit. Allerdings gibt es in der Abstufung gewisse Differen- zen. In der Schweiz nimmt die nationale Ebene eine herausragende Stellung ein. Gemeinde, Kanton und Europa liegen in der Gunst etwa gleich auf, aber deutlich hinter der Landesebene. In Deutschland rangieren die nationale und die lokale Ebene etwa auf gleicher Höhe, während das Bundesland und ins- besondere Europa deutlich zurückliegen. In Liech- tenstein folgt in der Rangordnung auf die nationale Ebene die Gemeinde, gefolgt von Europa und erst an letzter Stelle Oberland oder Unterland. Bemerkens- wert ist, dass Europa im EU-Land Deutschland die tiefste Verbundenheit verzeichnet (Tabelle 10). Die folgende Frage wurde - allerdings leicht ab- gewandelt und methodisch anders erhoben - eben- falls vom International Social Survey übernom- men:38 «Wir haben alle gewisse Merkmale gemein- sam mit anderen. Welche der nachfolgenden Merk- male beschreiben Sie als Person am ehesten, sind also für Sie persönlich sehr, weniger oder gar nicht bedeutend?» An oberster Stelle der Identitätsaspek- te rangieren in Liechtenstein der Beruf, die Famili- enposition, der liechtensteinische Wohnsitz und die Staatsbürgerschaft. Alle anderen Aspekte werden als deutlich weniger massgeblich eingestuft. Im Ver- gleich zu den Werten aus der Schweiz und aus Deutschland zeigt sich, dass in Liechtenstein insbe- sondere die Staatsbürgerschaft und der geografi- sche Raum als Identitätsfaktoren bedeutender sind, während in der Schweiz und in Deutschland auch noch das Geschlecht und die Altersgruppe - also sehr individuelle Aspekte - relativ weit oben auf der Prioritätenliste stehen. Auch bei der Parteibindung und der Konfession manifestieren sich in den liech- tensteinischen Umfragen höhere Werte als in der Schweiz und in Deutschland (Tabelle 11). 
Auch bei der Frage nach den Voraussetzungen für eine «wirkliche» Staatsbürgerschaft bietet sich ein Vergleich mit ISSP-Datem «Einige meinen, dass die folgenden Sachen wichtig sind, um wirklich ein Liechtensteiner/eine Liechtensteinerin zu sein. An- dere meinen, das sei nicht wichtig. Finden Sie die folgenden Aspekte sehr wichtig, einigermassen wichtig, nicht sehr wichtig oder überhaupt nicht wichtig?» Als sehr wichtig werden in Liechtenstein vor al- lem die Sprachkenntnisse und die Respektierung der Institutionen und Gesetze Liechtensteins erach- tet. Nur rund 40 Prozent der Befragten meinen, dass die liechtensteinische Staatsbürgerschaft sehr wich- tig ist, um «wirklicher Liechtensteiner» zu sein. An- dere Aspekte wie liechtensteinische Vorfahren oder der katholische Glaube werden als noch weit weni- ger bedeutend eingestuft. Auch in der Schweiz und in Deutschland rangiert das Beherrschen der Landessprache (n) ganz oben. In beiden Ländern folgt dann als zweite Priorität die Staatsangehörigkeit des Landes. Die deutlichste Dif- ferenz zeigt sich in der Respektierung der nationa- len Institutionen und Gesetze, welche sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland als weniger be- 34) Zusammenfassung der Nennungen «sehr nahe» und «nahe» aus der vierteiligen Skala im ISSP-Modul Schweiz. Weitere Items: «nicht sehr nahe» und «überhaupt nicht nahe». 35) Zusammenfassung der Nennungen «sehr eng verbunden» und «eng verbunden» aus der vierteiligen Skala im ALLBUS (in der FL- Umfrage mit nur drei Skalawerten wurden die beiden Skalawerto zu «eng verbunden» zusammen genommen). 36) ISSP Schweiz 2004. Addition der drei prioritären Nennungen aus einer Auswahl von 10 Möglichkeiten (erste, zweite und dritte Wahl). 37) ISSP/ALLBUS Deutschland 2004. Addition der drei prioritären Nennungen aus einer Auswahl von 10 Möglichkeiten (erste, zweite und dritte Wahl). 38) Im ISSP wurde die hier ausgewiesene Frage erhoben, indem die Befragten aufgefordert wurden, aus den vorhanden Antwortmöglich- keiten die wichtigste, die zweitwichtigste und die drittwichtigste aus- zuwählen. In der Rangierung der Tabelle sind die kumulierten Werte für Deutschland «am wichtigsten / zweitwichtigsten / drittwichtigs- ten» ausgewiesen. Bei der liechtensteinischen Identitäts-Umfrage wurden die Identitätsaspekte einzeln nach ihrer Bedeutung («sehr, weniger oder gar nicht bedeutend») abgefragt. In der Tabelle sind die Nennungen «sehr bedeutend» aufgeführt. 215
        

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