DAS RUGGELLER ZOLL- UND GASTHAUS «SCHWERT» / PETER ALBERTIN EINE ARCHITEKTONISCHE HOMMAGE AN NAPOLEON? Im ausgehenden 18. und dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts brach eine ungeahnte Kriegsnot über Europa ein. Eingreifende Verwaltungsrefor- men lösten die mittelalterlichen Rechte und Tradi- tionen ab. Kaum ermessbar ist uns, welche materi- ellen und psychischen Nöte die hiesige Bevölkerung damals durchlitt. In dieser Zeit grösster Bedrängnis von verschiedenen Seiten hat Johann Büchel 1804 in Ruggell ein neues Zoll- und Gasthaus erbaut. Als wesentliches Gestaltungselement wählte der Bau- herr ein hierzulande fremd anmutendes Mansar- dendach. Damit bekundete er klar eine gewisse Sympathie zur französischen Sache und stellte sich wohl auch der Kritik der Habsburgfreundlichen. Fragen wirft auch der Saal im Mansardengeschoss auf. Handelt es sich hier um einen bewusst gebau- ten Tanzsaal - die neue Rechtsordnung und «Frei- heit» erlaubte ja nun auch dem «gemeinen Volk» das Feiern von Festen und Tanzvergnügen. Oder diente der Saal vor allem als Schlafsaal des Gastho- fes und auch zur Einquartierung von Truppen? Aus heutiger Sicht sind für uns weder das Umfeld noch die Beweggründe Büchels nachvollziehbar, warum er sich mit der Gestaltung seines Neubaues mögli- chen Anfeindungen aussetzte. Hätte er doch für sei- nen Neubau ohne weiteres ein hierzulande tradier- tes Aussehen wählen können. Auch ist nicht ver- ständlich, welche wirtschaftlichen Umstände und Erwartungen ihn in dieser Zeit überhaupt zu einem Neubau bewogen. Zwar lag der Ruggeller Zollertrag im 18. Jahrhundert stets um ein Mehrfaches über jenem der übrigen Nebenzollämter Balzers, Mäls und Rofaberg zusammen. Und der Ausbau der Reichsstrasse Lindau-Chur-Mailand und weiterer Hauptstrassen in den 1780er-Jahren bewirkten ei- nen starken Anstieg des Fuhrverkehrs und damit höhere Zoll- und Tavernenerträge. Doch für die Zeit der Bauplanung und -ausführung 1803/1804 kön- nen hierzulande kaum wirtschaftliche Hoff- nungsträger ausgemacht werden. Und die Grün- dung des Rheinbundes 1806 mit momentan leichter politischer Entspannung sowie die neue Zolltarif-ordnung 
von 1808 mit markanten Ertragssteigerun- gen lagen für Johann Büchel noch in ungewisser Zu- kunft. Mit dem Abbruch des Zoll- und Gasthauses zum Schwert haben die Gemeinde Ruggell und das Fürs- tentum Liechtenstein zu Gunsten eines anonymen Privathauses ein prägnantes Geschichtszeugnis be- sonderer Vielfalt verloren. 10) Albertin, 1999. 183
        

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