DAS RUGGELLER ZOLL- UND GASTHAUS «SCHWERT» / PETER ALBERTIN sein neues Haus.8 Im nachfolgenden Herbst/Winter 1803/04 wurde das Bauholz gefällt (dendrochrono- logisch datiert). 1804 bezog Johann Büchel das be- stellte Dachdeckmaterial. Laut Rentamtsrechnung wurden ihm 11 225 Stück Dachziegel (Biberschwanz- ziegel), 85 Hohlziegel (Firstziegel), 86 Ortsplatten oder Drittelplatten (Biberschwanz-Kleinformate für saubere Dachrandausführungen) und 
zudem 42Vz Mass Kalk geliefert.9 Die dendrochronologische Bau- holzdatierung 1803/04 und die Baumaterialliefe- rungen 1804 belegen einerseits eine Bauaus- führung im Jahre 1804 und andererseits, wie Jo- hann Büchel als privater Bauherr zeichnete, ob- schon Zollstation und Taverne von altersher als herrschaftliche Erblehen galten. Das Gebäude stand mit seiner Firstachse quer zur Hauptstrasse und um Fuhrwerkslänge von die- ser zurückgesetzt. Westseits stiess eine Stallscheune unter einem Quergiebel an. Sie erhielt 1964 eine Treppenhaus- und eine Toilettenanlage eingebaut. Seit 1993 war die Stallscheune durch einen kleine- ren Schopf ersetzt. Westseits gegenüber der Gies- senstrasse stand im 19. Jahrhundert eine Zollscheu- ne beziehungsweise eine Zuschg (Sust). Sie wurde 1891 abgebrochen. An ihrer Stelle entstand ein Wohnhaus der k.u.k. Finanzwache. Das Hauptgebäude bedeckte eine Grundfläche von etwa 11,3 auf 14,5 Metern und reichte in der Höhe über anfänglich drei, letztlich vier Vollgeschosse. Ebenerdig lag das Kellergeschoss, erbaut in Bruch- stein-Mauerwerk. Es barg tonnenüberwölbte Räume zur Einlagerung von Wein. Für die Bauzeit ist nur ein rückwärtiges Tor mit Schliessbalken nachgewiesen. Der strassenseitige Zugang ist erst später durchge- brochen worden. Die hohe Lage des Kellergeschosses folgte dem hier hohen Grundwasserspiegel. Mit dem Verzicht auf einen strassenseitigen Kellereingang mochten die Bauherren der Fliessrichtung des Hoch- wassers ausgewichen sein (Plan 2). Das über eine Freitreppe erschlossene, hochlie- gende Erdgeschoss entsprach in seiner Raumtei- lung dem Typus des hierzulande vom ausgehenden Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert tradierten alpenländischen Drei-Raum-Hauses, strassenseits mit der Gaststube und einer Nebenstube sowie 
rückseits einer über die ganze Hausbreite reichen- den Küche. Der Küchenbereich war wiederum in Bruchstein-Mauerwerk errichtet, der Stuben- und Nebenstubenbereich als Kantholz-Strickbau mit vorstossenden Gwettköpfen gezimmert. Der Strick- bauteil lag auf einem Schwellenkranz aus Nadelholz auf. Die Schwellen waren mit doppelzüngigen Bal- kenschlössern verbunden. Die ursprünglichen Raumhöhen massen 200 Zentimeter. Strickwand- und Dielendecken-Oberflächen waren stark rauch- geschwärzt, standen also vorerst auf Sicht genutzt. Eine Zeitung des Jahrgangs 1860 belegte eine erste Tapezierung der Stuben- und Nebenstubenwände. Entlang den Gaststuben- und Nebenstubenwände hatten Sitzbänke gestanden (Plan 3). Die Türge- reichte waren in Eichenholz gefertigt und zeigten lichte Weiten von 92 auf 175 Zentimetern zur Stube und von 88 auf 169 Zentimetern zur Nebenstube. Eine interne Stiege führte ins Obergeschoss hin- auf. Hier lagen strassenseits vorerst zwei, später drei Kammern und rückseits neben zwei Erschlies- sungsgängen zwei weitere Kammern. Analog dem Erdgeschoss war die strassenseitige Haushälfte als Strickbau gezimmert, zur Rückseite waren die Aus- senmauern in Bruchstein-Mauerwerk erstellt. Die Binnenwände über dem Küchenbereich waren in Lehmflechtwerk gefertigt und mit Kalkputz verklei- det (Abb. 7) - eine urtümliche, kaum mehr anzutref- fende Bautechnik (Plan 4). Das Mansardengeschoss, erschlossen wiederum mit einer internen einläufigen Treppe, enthielt stras- senseits einen Saal in Strickbauweise, rückseits zwei Kammern in Lehmflechtwerk (Abb. 6). Die gehobel- ten, naturbelassenen Oberflächen der Strickwände trugen im Saal viele Rötelskizzen und -inschriften, so «Johann Huckler von Tisis 1810». Nebst dem giebel- seitigen Reihenfenster erhellten zwei traufseitige Mansardenlukarnen den Saal (Abb. 5). Wohl im aus- gehenden 19. Jahrhundert wurde das Mansarden- dach äusserlich mittels Traufanhebung zum Vollge- 8) LLASig. 07/06/31. 9) LLA Sig. AS 8/47 Rentamtsrechnung für 1804; die Rentamtsbücher der nachfolgenden Jahre 1805-1807 fehlen. 177
        

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