DAS RUGGELLER ZOLL- UND GASTHAUS «SCHWERT» / PETER ALBERTIN nal, zweifellos einem einstigen Flussarm. Daraus mag gedeutet werden, das Zollhaus wäre in der frü- hen Neuzeit direkt an den Fluss gebaut worden, da- mit der Zöllner den Flussverkehr ungehindert ein- sehen konnte (Plan 1). 1613 wurde der Ruggeller Zoll samt Taverne an Ulrich Büchel zu Lehen gegeben. Damit wird diese Zollstation erstmals urkundlich genannt. Grund- sätzlich wurden Zölle bis ins ausgehende 18. Jahr- hundert nicht an den Grenzen, sondern zentral im Landesinnern erhoben, konkret an der Zollstation Vaduz (heute Landesmuseum).4 Trotzdem erlangte der Ruggeller Zoll offenbar eine gewisse Bedeutung. Sein Ertrag überstieg jenen der übrigen Nebenzölle Balzers, Mals und Rofaberg um ein Mehrfaches. Klaus Biedermann hat die durchschnittlichen jährlichen Zolleinnahmen berechnet (in Gulden Reichswährung):5 Zollstation/Zeitraum 1750-1780 1781-1810 Balzers Mals. Rofaberg Ruggell Vaduz 
11 57 474 
6 5 13 170 1287 1394 verlieh Graf Albrecht der Ältere von Werden- berg-Heiligenberg in Bludenz die Ruggeller Fähre als Erblehen. Eine Fähre in Gamprin wurde aufge- hoben. Die Fähre Bendern-Haag verliehen die Gra- fen von Vaduz und die Herren von Sax gemeinsam. Damit wird erstmals ein Ruggeller Fährbetrieb ak- tenkundig. Es handelte sich dabei stets lediglich um eine Personenfähre, wobei das Boot gerudert wur- de. Erst in den 1890er-Jahren wurden Versuche mit einer Seilrolle angestellt, ein Erfolg blieb jedoch aus. 1918 erlosch der Fährbetrieb. Fährbetrieb, Zollsta- tion und Taverne waren herrschaftliche Lehen und wurden über viele Generationen durch Angehörige der Familien Büchel betrieben. 
EINIGE DATEN ZUR ZOLLSTATION UND RHEINFÄHRE 1394 Ersterwähnung der Ruggeller Fähre als Lehen der Landesherren. 1488 Festlegung der Pfarreigrenze zwischen Altenstadt und Bendern. 1497 wird zwischen Ruggell und Schellen- berg eine Gemeindegrenze definiert; wobei die Einwohner beider Gemein- den bis in die Neuzeit nach Bendern kirchgenössig bleiben. Um 1500 zählt Ruggell 24 Familien, was etwa 100 Einwohnern in knapp 20 Hofstät- ten entsprochen haben mag. Vom 13. bis ins ausgehende 16. Jahrhundert ist von etwa 70 Rheinüberschwemmun- gen die Rede - also alle fünf Jahre eine Überschwemmung! 1611 sterben in Sennwald dreiviertel der Einwohnerschaft an der Pest. 1613 erste Erwähnung einer Ruggeller Zollstation und Taverne als landesherr- schaftliches Lehen. 1614 entsteht eine erste Kapelle. Sie wird 1617 dem Heiligen Fridolin geweiht und 1668 im Schiff erweitert. 1650 reisst Hochwasser die Ruggeller Schiffs-Mühle weg. 1668 wird der Fährmann Spiegier als Hexer hingerichtet - daraufhin Vergabe des Fährbetriebes Ruggell-Salez als Schupf- lehen an Hans Büchel. 2) Albertin, Peter. Baugeschichtliche Abbruch-Dokumentation Mai 1998 für das Hochbauamt Vaduz, Abteilung Denkmalpflege und Ar- chäologie. 3) Ausführung durch das Laboratoire Romand de Dendrochronologie Moudon; Ergebnisse im Protokoll N.Ref.LRD98/R4804T vom 12. No- vember 1998. 4) Albertin, 2004. 5) Biedermann, S. 52 f. 173
        

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