Die bilateralen Bemühungen Liechtensteins DIE LIECHTENSTEINISCHEN BESITZUNGEN IN DER TSCHECHOSLOWAKEI Für Liechtenstein als Staat, für das Fürstenhaus, aber auch für einzelne liechtensteinische Staatsan- gehörige, die nicht zur Fürstlichen Familie zählten, entstand insbesondere aufgrund der so genannten Benes-Dekrete7, eine schwierige Situation. Durch eines der Dekrete wurden liechtensteinische Staats- angehörige als deutsche Staatsangehörige qualifi- ziert. Sie wurden enteignet, ihr Vermögen wurde - entschädigungslos, auch dies im Widerspruch zum Völkerrecht - konfisziert.8 Als «Deutsche» wurden, gemäss der Volkszählung von 1930, jene definiert, die Deutsch als ihre Muttersprache angegeben hat- ten: «Alle Personen der deutschen oder magyari- schen Volksgruppe, wie in den Volkszählungen nach 1929 angegeben.»9 Damit war auch die Frage der Anerkennung Liechtensteins als souveräner Staat betroffen.10 Im Unterschied zu Liechtenstein hatte die Schweiz 1939 die Existenz der von Deutschland geschaffe- nen Protektorate Böhmen und Mähren und der Slo- wakischen Republik anerkannt.11 Damit waren die Beziehungen der Schweiz zur Tschechoslowaki- schen Republik als erloschen zu betrachten. Im Fe- bruar 1945 machte die Schweiz der tschechoslo- wakischen Regierung im Exil in London den Vor- schlag, die diplomatischen Beziehungen wieder herzustellen. Die tschechoslowakische Regierung stimmte zu. Bezüglich der Vertretung der Interes- sen Liechtensteins durch die Schweiz erklärte das tschechoslowakische Aussenministerium, durch die Unterbrechung der schweizerischen-tschecho- slowakischen Beziehungen während des Krieges hätten sich auch die Beziehungen zu Liechtenstein gelöst. Daher erwähnte der Notenwechsel von 1945, durch welchen die diplomatischen Beziehun- gen zwischen der Schweiz und der Tschechoslowa- kei wieder hergestellt wurden, Liechtenstein nicht. Die Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und Liechtenstein waren somit nicht wieder herge- stellt worden. Über die Schweizer Gesandtschaft in Prag wies die liechtensteinische Regierung im Jahr 1947 dar-aufhin, 
dass die Beziehungen während des Krieges niemals rechtlich abgebrochen worden seien.12 Liech- tenstein habe weder die Protektorate Böhmen und Mähren noch die Unabhängigkeit der Slowaki- schen Repuhük anerkannt. Die Unterbrechung der Beziehungen der Tschechoslowakei zur Schweiz habe auf die Beziehungen mit Liechtenstein keine Auswirkungen haben können, da Liechtenstein ein eigener souveräner Staat sei, dessen Verbindung mit der Schweiz rein wirtschaftlicher Natur war. Deshalb bestand aus Sicht der liechtensteinischen Regierung die rechtliche Situation, wie sie schon 1938 galt, als die Tschechoslowakei zugestimmt hatte, dass die Schweizer Gesandtschaft die Inter- essen Liechtensteins vertreten könne.13 Die tsche- choslowakische Regierung antwortete nicht auf diese Argumente. Die Schweizer Regierung bemüh- te sich bis 1949, die Interessen Liechtensteins in der Tschechoslowakei zu vertreten.14 Nach der Machtübernahme durch die Kommu- nisten war es wegen der mangelnden Gesprächs- bereitschaft der tschechoslowakischen Seite nicht möglich, in direkten bilateralen Verhandlungen oder im Zusammenhang mit dem schweizerisch- tschechoslowakischen Entschädigungsabkommen15 zu einer Lösung zu kommen. Hierzu erfolgten ins- besondere diverse Notenwechsel zwischen Liech- tenstein und der Tschechoslowakei.16 Im Herbst 1990 übergab Liechtenstein in Prag ein Aide-memoire, das den Wunsch nach Entschä- digungsverhandlungen beinhaltete. Es kam zu drei Gesprächs- bzw. Verhandlungsrunden zwischen Liechtenstein und der Tschechoslowakei.17 Eine in- formelle Gesprächsrunde fand im Juni 1991 in Prag statt, eine erste Verhandlungsrunde im De- zember 1991 in Prag und eine zweite im Februar 1992 in Vaduz. Liechtenstein brach anschliessend die Verhandlungen ab, da sich herausstellte, dass die andere Seite18 auf die hechtensteinischen Vor- stellungen und Forderungen nicht eingehen würde. Am 1. Januar 1993 teilte sich die Tschechoslowa- kei in die Tschechische Republik und die Slowaki- sche Republik.19 Beide Staaten mussten sich um die Anerkennung durch die anderen Staaten und um die eigenständige Aufnahme in internationale Or- 134
        

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