haltensweise. Diese Taktik ging darauf aus, Liech- tenstein als einen Staat zu interpretieren, der nicht als souverän, sondern als ein Annex Österreichs zu gelten habe. Daraus leitete die tschechoslowaki- sche Regierung ab, dass Liechtenstein im Ersten Weltkrieg nicht neutral gewesen sei, sondern an der Seite Österreichs aktiv Krieg führend mitge- wirkt habe. Aus diesem Umstand folgerte sie, dass der regierende Fürst von Liechtenstein als öster- reichischer und somit für die Tschechoslowakei als feindlicher Staatsbürger zu gelten habe. Infolge sei- nes «Subjektionsverhältnisses» zu Österreich kam ihm nach Interpretation der tschechoslowakischen Regierung kein Anspruch auf Exterritorialität zu, wie dies bei einem Oberhaupt eines souveränen Staates nach Völkerrecht der Fall gewesen wäre. Die Republik der Tschechoslowakei versuchte des- halb von Beginn ihrer Existenz an, Einfluss darauf auszuüben, dass Liechtensteins Souveränität und Neutralität international nicht anerkannt wurde. Dies wirkte sich für Liechtenstein aussenpolitisch nachteilig aus. Sowohl an der Pariser Friedenskon- ferenz als auch bei der Aufnahme in den Völker- bund stand Liechtenstein in Bezug auf seine staatli- che Unabhängigkeit und Neutralität unter einer drückenden Beweislast. Auch die Beziehungen Schweiz - Liechtenstein waren von der tschechi- schen Bodenreform betroffen. Die Schweiz geriet infolge der Übernahme der auswärtigen diplomati- schen Vertretung Liechtensteins seit Oktober 1919 in das tschechoslowakisch-hechtensteinische Span- nungsfeld. Dabei zeigte sich allerdings, dass die Staatsraison den Entscheidungsspielraum der schweizerischen Bundesbehörden stark einengte und ihr Verhalten im Konfliktfall dirigierte. Liechtenstein bemühte sich auf diversen Wegen um Durchsetzung seiner Interessen. Einerseits ver- suchte es, bei den Grossmächten für sein Anliegen Gehör zu finden, andererseits hoffte man durch di- rekten Kontakt mit der Tschechoslowakei zu einem Erfolg zu kommen. Als dritten Weg versprach man sich vieles von den «besonderen Diensten» der Schweiz. Als weitere Möglichkeiten setzten die Hof- kanzlei, die liechtensteinischen Gesandtschaften in Wien und Bern, Prinz Franz und selbst Johann II. 
persönlich einige Hoffnung auf direkte Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten. Vor diesem Hintergrund sind die eifrigen politi- schen und diplomatischen Tätigkeiten zu sehen, die in Wien, Vaduz, Bern, Prag, Genf und Paris auf verschiedenen Ebenen entfaltet wurden. Jede Seite versuchte, ihre Auffassung durch Argumente von Gutachtern zu untermauern. Letztlich machte aber auch hier wieder der Kleinstaat Liechtenstein die ernüchternde Erfahrung, dass er auf das Wohlwol- len und auf die Grossmut der Stärkeren angewie- sen ist. 126
        

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