BEMÜHUNGEN UM DEN AUFBAU DIPLOMATISCHER BEZIEHUNGEN ALLGEMEINE BEMÜHUNGEN NACH KRIEGSENDE Liechtenstein hatte bis 1919 keine eigenen diplo- matischen Vertretungen im Ausland. Seit 1880 hat- te Österreich-Ungarn die «Vertretung der Angehö- rigen des Fürstentums Liechtenstein im Auslande» inne.10 Verschiedene Ereignisse während des Krie- ges hatten gezeigt, dass es für liechtensteinische Staatsangehörige von Nachteil war, wenn ihre In- teressen nicht durch eigene diplomatische Vertre- tungen gewahrt wurden. Wiederholt hatten betrof- fene Personen ihren Unmut über diese Zustände zum Teil öffentlich geäussert. Gegen Ende des Krie- ges wurde diese Frage auch in den Zeitungen the- ®a ruft tnmt nacfj mehreren S8oIf»»crtretent für SßariS, nur um ja einen ©pajicrgaiig madjen 31t fömieii auf Soften beS 2aitbe3; beim unter üüolfs- Bertretcrn meint „man" fid) bod) felbft, bie „anberu" geboren ja nidjt gum öolf. 5Da »erlangen fie öffent- lich ihre beftgehafjten ©egner foften beiniffioniercn unb in« Sfusiaub gehen unb fd)ic6eu jugleid) biefen felbft fotdje gemeinen Sfhfidjten unter. ©a »reift mau fid; al-3 SanbeStetter um nidjt halb ju fagen SanbeSöäter unb S8oIf3[jeIbcn unb fdjeut fid) nidjt — bewußt ober imbcmujjt fei babinge- fteHt — 2anbe3»errat 511 trei6cn. 5De;;n »a§ ift eä anberä aI8 SanbeSocrrat, wenn in biefen fdjaeren 3eiten jebe SHeinigfcit, bie teiber in ben SBerfjält- niffen lagen, als SRetttralitätSmibrigfeit r̂itiflcftettt wirb, nur um ja bem StuSlanbc ju fagen: ©djaut, fo unneutral waren Wir; tierfahret alfo mit unä banadj! Sa mufj- wohl jebem 9?ad)bcnfenben, auch jebem ©emäjjigtcren ber 3}oIf3partei, ber ©ebanten fommen: Sa Witt man 11118 beim abfolitt als StitS- 6unb ber 9Jid)tigfeif unb ©djlcchtigfeit Ejinfteftcn um ja 31t hewirfeit, bafj Wir unfere ©elbftänbigfeit Ucr- liercn? SDemt ba3 ift flar, bafj wir mm einmal etwaä gebunben ftnb, fobalb wir uns ImfS ober retfjtS in jottpolitifdjen STnfdjlufj begehen; ltnfclbftänbin. ift ba« aber bod) nodj nidjt. ®a ftellt man fidj als ruhige SBürger hin unb broht juglticß ben ©cgneru unb bem gürften: SBir Werben über eud) binweg- fcfjreiten; wir »erlangen ufw. Ein kritischer Kommentar im Liechtensteiner Volks- blatt vom 12. Juli 1919 zu den Friedensverhandlun- gen in Paris 
matisiert. Ein Beitrag in den «Oberrheinischen Nachrichten» vom Februar 1918 kritisierte die Haltung der Regierung gegenüber Liechtenstei- nern, welche im Ausland ihre Hilfe benötigten.11 In Grossbritannien und den USA würden die Liech- tensteiner wie Österreicher und Deutsche behan- delt, woraus die Befürchtung erwachse, dass Liech- tensteiner zum Militärdienst eingezogen würden, meinte der Artikelschreiber. Er stellte die Frage, wer denn die Interessen der Liechtensteiner im Ausland vertrete. Vor allem betrachtete er das Feh- len einer eigenen Vertretung in den Österreich feindlichen Staaten als Problem: «Hilflos ohne je- den Schutz und Rat stehen unsere Mitbürger im fremden Lande und niemand will sich ihrer anneh- men.» Um diesem Übel abzuhelfen, forderten die «Oberrheinischen Nachrichten» eine eigene Vertre- tung Liechtensteins im Ausland. Eine teilweise Lö- sung dieses Problems brachte die Übernahme der diplomatischen Vertretung Liechtensteins durch die Schweiz im Oktober 1919. Die Schilderung dieser Zustände kam den Ab- sichten der Regierung und des Fürstenhauses ent- gegen, diplomatische Vertretungen in mehreren Staaten einzurichten. Mit Erfolg konnten diese Zie- le in Wien und in Bern mit der Errichtung von Ge- sandtschaften verwirklicht werden. Weitere Bemü- hungen dieser Art in Paris oder im Vatikanstaat scheiterten. PRAG Liechtenstein unternahm nach dem Ersten Welt- krieg besondere Anstrengungen, um die Beziehun- gen zu Prag mit der Errichtung einer Gesandtschaft zu festigen. Wie schon bei der Errichtung der Ge- sandtschaft in Wien setzte sich Prinz Eduard enga- giert auch für eine diplomatische Vertretung Liech- tensteins in Prag ein. Er erachtete Prag aus zwei grundsätzlichen Erwägungen als eine wichtige Aus- senstation für Liechtenstein: Es galt zum einen, den Grundbesitz des Hauses Liechtenstein in der Tsche- choslowakei zu sichern, und zum andern Liechten- stein mit wichtigen Wirtschaftsgütern aus der Tsche- 110
        

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