EIN «ANNEX ÖSTERREICHS» ODER EIN SOUVERÄNER STAAT? / RUPERT QUADERER BEMÜHUNGEN UM DIE ANERKENNUNG DER SOUVERÄNITÄT NACH DEM ERSTEN WELTKRIEG Die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges hatten Liechtenstein zum Bewusstsein gebracht, dass es für die Erhaltung seines Status als eigenständiger Staat mehr Anstrengungen als bisher unternehmen musste. Die Frage der Anerkennung seiner Neutra- lität und seiner Souveränität wurde deshalb ein zentrales Anliegen der aussenpolitischen Bemü- hungen Liechtensteins. Liechtenstein ging dabei auf verschiedenen Ebe- nen vor. So sah die liechtensteinische Regierung in der Teilnahme an der Pariser Friedenskonferenz, welche seit Januar 1919 über die Neuordnung Eu- ropas tagte, ein wichtiges Instrument ihrer Bemü- hungen. Vor allem das Fürstenhaus verband damit die Hoffnung, dadurch internationale Anerkennung der Souveränität und der Neutralität zu erreichen. Ein wesentlicher Beweggrund dieser Bestrebungen war die in der Tschechoslowakei bevorstehende Bodenreform und die damit verbundene Haltung der tschechoslowakischen Regierung, welche Liech- tenstein nicht als neutralen und souveränen Staat anerkennen wollte. In der Person des Juristen Emil Beck' hatte die Regierung bereits einen geeigneten Vertreter Liech- tensteins bei der Friedenskonferenz vorgesehen. Prinz Eduard von Liechtenstein2, der Leiter der kurz zuvor errichteten Liechtensteinischen Ge- sandtschaft in Wien, hatte Emil Beck auch schon ein detailliertes Aufgabenheft zukommen lassen. Er riet Emil Beck vor allem, mit dem tschechoslo- wakischen Minister des Äusseren eine freund- schaftliche Verbindung zu suchen. 
Der Jurist Emil Beck war von 1919 bis 1933 Ge- schäftsträger der liechten- steinischen Gesandtschaft in Bern 1) Emil Bock (1888-1973), 1919 bis 1933 Geschäftsträger der liech- tensteinischen Gesandtschaft in Bern. Siehe dazu: Historisches Lexikon der Schweiz, Band 3, Basel, 2002, S. 137. 2) Prinz Eduard von Liechtenstein (1872-1951), 1919 bis 1921 liechtensteinischer Gesandter in Wien. 105
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.