SCHLUSS: WIE MAN SEINE SOUVERÄNITÄT VERGOLDET Das Fürstentum Liechtenstein mag klein, machtlos und von der Natur mit Bodenschätzen nicht eben verwöhnt worden sein, aber es ist ein Staat und so- mit souverän. Aus dieser Souveränität Kapital zu schlagen - darin besteht der kluge Gedanke, der ei- nen grossen Teil des hechtensteinischen Wohl- standes erklärt. Liechtenstein benutzte seine Exi- stenz als Staat dazu, ausländischen Interessenten Dinge anzubieten, die in anderen Staaten nicht vor- handen, kaum erhältlich oder schlicht unverkäuf- lich waren: den liechtensteinischen Pass, einen steuergünstigen Wohnsitz für vermögende Rentiers, eigene Briefmarken statt Briefmarken jener Post- verwaltungen, mit denen man wegen der Kleinheit des Landes zusammenarbeiten musste. Am er- folgreichsten war die Idee, sich als Zufluchtsort für ausländisches Kapital anzubieten. Für diesen Zweck instrumentalisierte man das zum Kern staatlicher Hoheit gehörende Steuer- und Gesellschaftsrecht, und zwar auf zweierlei Art und Weise: 1. machte eine niedrige Gesellschaftssteuer das Fürstentum zu einem attraktiven Domizil für ausländisch beherr- schte Sitzunternehmen; 2. schuf man ein spezielles Personen- und Gesellschaftsrecht, das jenen reichen Ausländern entgegenkam, die sich nach grossen Dispositionsmöglichkeiten, nach Anonymität und Sicherheit sehnten. Diese politökonomischen Innovationen, denen eine gewisse Originalität nicht abgesprochen wer- den kann, entstanden nach dem Ersten Weltkrieg, also in einer Zeit der wirtschaftlichen Not, der in- nen- und aussenpolitischen 
Neuorientierung. Faute de mieux entschlossen sich die liechtensteinischen Politiker dazu, für ausländische Investoren - seien es nun Briefmarkensammler, Kapitalflüchtlinge oder Einbürgerungswillige - einen roten Teppich auszu- rollen. Politische Voraussetzung für die Kommer- zialisierung der Souveränität war eine heikle Ba- lance zwischen innen und aussen, zwischen Ko- operation und Abgrenzung, eine Balance, die bis heute immer wieder neu gefunden werden muss. 
ANSCHRIFT DES AUTORS Prof. Dr. Christoph Maria Merki Historisches Institut der Universität Bern Länggassstrasse 49 CH-3000 Bern 9 100
        

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