sowohl die schöne Gartenkunst als auch andere Künste und Wissenschaften, vorzüglich aber die Bo- tanik, Landwirtschaft, Forstwissenschaft und Tech- nologie aus ihr schöpfen konnten, einer ernsthaften Aufmerksamkeit würdig sei».6 Die Idee wurde be- sonders in den deutschen Landen mit einer gewalti- gen Rezeption seit 1750 «zum Programm einer ge- samten Epoche und zur Rechtfertigung eines neuen Gartenstils».7 Die erste programmatische Schrift über moderne Gärtnerei in den Erblanden, die 1784 der kaiserli- chen Akademie in Wien vorgelegte «Neue Muse oder der Nationalgarten» von Wilhelm Beyer, traut einzig dem Garten zu, den Verfall der Künste durch den Barock zu beseitigen. Dabei war «Endzweck und Absicht bey Anlegung der Gärten ... unstreitig, das Nützliche mit dem Angenehmen und Reizenden zu verbinden».8 Gerade in der Anlage von Baum- schulen würden die Gärten in besonders sinnvoller und ästhetischer Weise erweitert und deren deut- scher Geist hervorgestellt. Diese Art des Gartens lobten um 1800 in England reisende deutsche Gärtner: Sie empfanden die be- scheidenen heimischen Gärten gegenüber den un- endlich teuren Anlagen auf der Insel als «viel schö- ner»,9 da sie Natur und Ökonomie verbinden. Glei- ches verdeutlichte 1799 Johann Wolfgang von Goethe, der im Aufsatz «Über den Dilettantismus» dem Natur nachbildenden englischen Landschafts- garten eine Absage erteilte.10 Goethe rühmte als Seismograph für neue Ideen stattdessen den waldartigen Landschaftsgarten des mitteldeutschen Harbke, der eigentlich mehr eine Plantage exoti- scher Forsthölzer als ein auf bildliche Wirkung hin angelegter Landschaftsgarten war. Das botanische Interesse seiner Besitzer vereinte sich mit dem Ge- danken der ökonomischen Nützlichkeit und kann als «Radikalbeispiel» eines Gartens, der nützlich und deshalb schön war, bezeichnet werden. 
DIE ZUCHT EXOTISCHER HÖLZER IN DEN LIECHTENSTEINISCHEN HERRSCHAFTEN Beispiele dieser sinnfälligen Verbindung von gestal- tetem Garten, ökonomisch verwertbarer Pflanzen- zucht und botanischer Bildung fanden sich in Kas- sel, Flannover, Schwöbber und LIarbke, um die wichtigsten deutschen Plantagen zu nennen. In den Erblanden gab es keine vergleichbaren Anlagen, keine Pflanzschulen, die solche Bedeutung gehabt hätten; die erste Pflanzschule exotischer Forsthöl- zer wurde hier 1799 durch Aloys von Liechtenstein im Naturgarten von Eisgrub gegründet. Schon aus dem 17. Jahrhundert ist bekannt, dass die Fürsten Liechtenstein exotische Orangeriepflan- zen in Eisgrub zusammentrugen. Spiegelt dieses Sammeln ein zeittypisches Interesse an Exotik, Al- ter und Besonderheit der Pflanzen, so trat zu Beginn der 1790er Jahren ein komplexeres Bild einer Sammlung von Forst- und Gartenhölzern auf. Die Sammlungen werden als Kinderstube der Forste für die Liechtensteinische Ökonomie nutzbar und geben der Zeitgeschichte an der Schnittstelle vom feudalen zum liberalen Zeitalter Ausdruck, wenn die botani- schen Ergebnisse der Gesellschaft in Schau- und Lehrgärten veröffentlicht werden. Volkswirtschaft- lich war die Initiative des Fürsten um schnellwach- sende exotische Forsthölzer von Bedeutung, da in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im gesam- 6) Becker, Wilhelm Gottlieb: Taschenbuch für Gartenfreunde auf das Jahr 1798. Leipzig, 1797, S. 263. 7) Köhler, Marcus: «... thinking himself the greatest gardener in the world» - der Pflanzenhändler und Hofgärtner Johann Busch: Eine Studie zur europäischen Gartengeschichte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dissertation. Berlin, 1996, S. 46. 8) Beyer, Wilhelm: Die neue Muse oder der Nationalgarten. Wien. 1784, S. 7. 9) Taschenkalender auf das Jahr 1803 für Natur- und Gartenfreun- de. Tübingen, 1803. S. 196. 10) Vgl. Goethe. Johann Wolfgang von; Schiller, Friedrich von: Meyer, Heinrich: Über den Dilettantismus. 1799. In: Goethe, Johann Wolf- gang von: Berliner-Ausgabe. Bd. 19. Berlin/Weimar. 1973. S. 309- 333. 94
        

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