DIE GÄRTEN DES FÜRSTEN ALOYS VON LIECHTENSTEIN / STEFAN KÖRNER Die Plantagen für exotische Forst- und Verzierungshölzer als Grundlage eines neuen Gartenstils 1804 schlägt der für den umzugestaltenden Eisgru- ber Garten zuständige Amtmann Fürst Aloys von Liechtenstein ästhetische und kostengünstig lang- fristige Veränderungen der Gartenpflege vor, «um diesem merkwürdigen Naturgarten nach Euer Durchlauchts höchster Bestimmung und Wille noch auch das Schöne und Gute ... zu verschafen».4 In den Vorschlägen des Amtmannes und in nahezu allen Bemühungen des Fürsten lässt sich ein tiefes Nütz- lichkeitsdenken und Nachhaltigkeitsstreben erken- nen: Scheinbar alles, was Aloys anpackte, war mit «irgend einer erlauchten, und nützlichen Anstalt»5 verbunden, heisst es in den Akten der Liechtenstei- nischen Hofkanzlei. Die bedeutendsten Projekte des Fürsten waren die Erweiterungen, Veränderungen und Neuanlage der Liechtensteinischen Gärten, welche im wesent- lichen Teil Mustergutsanlagen waren. Gartenkunst durfte nach dem Ende des Feudalismus nicht mehr der adeligen Prachtentfaltung dienen, sondern muss- te dem Land und der Gesellschaft nutzen, wollte sich sein Besitzer nicht zur Zielscheibe der erstarkenden bürgerlichen Kritik machen. Die Schritte zur Veränderung der Gärten verdeut- lichen darüber hinaus, wie eng ökonomische und nachhaltige Landespflege mit der Ästhetik des Eng- lischen Gartens einherging. Nicht die zeitgenössi- sche ästhetisierende Gartenliteratur hatte zum Stil- wandel vom formalen Barock- zum Englischen Gar- ten geführt, sondern ein ganzheitlich-ökonomisch beeinflusstes Streben der Entwicklung der fürstli- chen Güter. In den Herrschaften Feldsberg und Eis- grub Hessen sich die Reformen in Verwaltung und Gütereinteilung, der Förderung von Kunstfleiss von Handwerkern sowie die Erneuerung von Acker-, Forst-, Garten-, Deich- und Strassenbau am deut- lichsten ablesen. Kompilationspunkt dieser «nützli- chen» Bemühungen war der «schöne» Garten, des- sen wichtigster Förderer Fürst Aloys war. 
DIE ENTWICKLUNG DES FRÜHEN LANDSCHAFTSGARTENS: PLANTAGE UND GARTEN Der Wandel vom Französischen zum Englischen Garten ab 1700 in Grossbritannien kann nicht allein als philosophisch begründete «Gartenrevolution» betrachtet werden: Dem Streben nach rechtferti- gender Nützlichkeit kam in dieser Entwicklung, in der sich die überkommene geometrisch-tektonische Gestaltung von innen her aullöste, eine wesentliche Rolle zu. Unter dem Einfluss der Rezeption der antiken Landwirtschaft und Schriftsteller im England des beginnenden 18. Jahrhunderts wurde der Land- schaftsgarten, der Parallelen zur Landwirtschaft aufweist, als Teilbereich der Güterökonomie ver- standen. Es entstand der Begriff der ornamental farm, der verschönten Nutzlandschaft. Mit ihr voll- zog sich die ästhetische Nobilitierung der Landwirt- schaft. Zwei Phänomene kamen hier zusammen: das viel apostrophierte Nützlichkeitsstreben der Aufklärung, welches das Handeln der Aristokratie altruistisch motivierte und damit ihre Daseinsbe- rechtigung rechtfertigte, und das gesteigerte Inter- esse an Botanik. Will man diese im Garten vereinen, so müssen Felder und Wiesen mit Gartenpartien ab- wechseln. Gestaltgebend war nicht mehr wie im Ba- rock die Blume sondern der Baum, der ins Zentrum der Gartenkunst rückte. Die Anpflanzung von exoti- schen Bäumen, deren andersartige Wuchsform im Vordergrund stand, verlangte eine neue Art der Landschaftsgestaltung. Der amerikanische Baum wurde in England und stärker noch in Deutschland zum Inbegriff des Schönen und Nützlichen, wie das «Taschenbuch für Gartenfreunde auf das Jahr 1798» beschreibt: «Anfangs betrachtete man dieses nur als eine unschuldige Liebhaberei, so wie ohnge- fähr die an ... Ranunkeln und andern Zierblumen, bis man endlich einsah, daß der Nutzen, welchen 4) Ignatz Schultschik an Fürst Aloys von Liechtenstein. 1. August 1804; LIALVV, Hofkanzlei. Sig.: G-3/57 (54). 5) Ebenda. 93
        

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