DIE GÄRTEN DES FÜRSTEN ALOYS VON LIECHTENSTEIN / STEFAN KÖRNER Einleitung «Aloys ... gehörte zu den wenigen Reichen dieser Welt, die in dem Besitze ihrer Güter den lauten Ruf der Vorsehung vernehmen, sie zur Beförderung des gemeinen Beßten und zur Erreichung schöner und edler Zwecke zu verwenden.»* Der Nachruf von 1805 auf Aloys 1. Fürst von und zu Liechtenstein (1759 bis 1805) fasst das Schaffen des Regenten im Sinne der Verbindung des Nützlichen mit dem Schönen am Epochenwechsel nach 1789 trefflich zusammen. Als 22-jähriger übernahm der Fürst die Regentschaft einer der angesehensten und reichsten Adelsfamilien des untergehenden Heili- gen Römischen Reiches. Er war gezwungen, auf die gesellschaftlichen Veränderungen zu reagieren, ohne jedoch Stand und System zu untergraben. Die vielseitigen Initiativen Aloys' auf dem Riesenbesitz der Liechtenstein in Mähren und Österreich in Land- und Forstwirtschaft, Landesentwicklung, Wis- senschaft und Bildung sind heute weitgehend ver- gessen; ebenso seine Förderung der Künste, beson- ders der Gartenkunst. Dieses Schaffen will der vorliegende Beitrag in seinen Wechselbeziehungen darstellen und an der wichtigsten Schöpfung des Fürsten, seinen Gärten als Zentrum einer eigenen Kulturlandschaft, in ihrer Nachhaltigkeit und historischen Bedeutung aufzei- gen. Gleichzeitig wird deutlich, wie verwoben das Entstehen einer neuen Kunstschöpfung, des Land- schaftsgartens, mit den gesellschaftlichen und hi- storischen Umbrüchen der Zeit ist. Gestalterischen Ausdruck fanden die fürstlichen Ak- tivitäten vor allem in den Liechtensteinischen Herr- schaften in Südmähren und dem nördlichen Nie- derösterreich: Die Stadt Feldsberg (Valtice) und der Markt Eisgrub (Lednice) lagen inmitten des seit dem 13. Jahrhundert auf fast 350 Quadratkilometer an- gewachsenen Besitzes an der historischen Grenze zwischen Mähren und Österreich, im Niederungsge- biet der Thaya (heute Tschechische Republik). Das Feldsberger Schloss war der Hauptsitz der Fürsten Liechtenstein, das über eine 4000 Meter lange Allee damit verbundene Schloss Eisgrub der Sommersitz. 
Die Landschaft mit den eingebetteten Gärten - dem Eisgruber Naturgarten, dem Feldsberger Schloss- und dem Belvederegarten - bildete den wichtigsten Repräsentationsort Liechtensteinischer Macht, Li- quidität, Landesentwicklung, Wissenschafts- und Kunstförderung. Der vierte Garten des Fürsten, die Anlagen am Wiener Gartenpalais Liechtenstein in der Rossau, entstand als repräsentativer Palaisgar- ten. An der Umgestaltung, Erweiterung und Neuanla- ge der Gärten zwischen 1792 und 1805 zeigt sich anschaulich, wie die formalen Anlagen im Laufe der Zeit zu landschaftlichen, Englischen Gärten wur- den. Die ökonomisch sinnvolle, botanisch und erzie- herisch begründete Ansiedlung exotischer Forsthöl- zer setzte diese Entwicklung in Gang, die für die Staaten der Habsburgerkronen besonders früh an- setzt und in seiner Grössenordung in Mitteleuropa seines Gleichen sucht. Damit vollzieht sich ein Pro- zess, der für die Einführung Englischer Gärten im deutschen Sprachraum symptomatisch ist: Der Wandel vom Barockgarten zum Englischen Garten war in erster Linie ökonomischen, landwirtschaftli- chen und forstbotanischen, dann erst ästhetischen, philosophisch-literarischen und weltanschaulichen Gründen geschuldet. Die historischen Entwicklun- gen lösten diesen Prozess aus. Obwohl die zeitgenössischen Publikationen zwi- schen 1793 und 1805 die Verbindung von öko- nomischen, wissenschaftlichen und ästhetischen Gesichtspunkten überschwänglich würdigen, sind in der Forschung bisher nur Teilbereiche des Kunst- schaffens des Fürsten betrachtet worden. Hinweise auf die Veränderungen im gestalterischen Kompila- tionspunkt seiner Ideen, der Region um den Liech- tensteinischen Sommersitz, finden sich in der Forschungsliteratur meist auf die Deutung rein ästhetischer Faktoren einer Kunstschöpfung redu- ziert. Jedoch schon an den spärlichen Anhaltspunk- ten über das Leben, das geistige Umfeld, die Samm- 1) Pähl. Johann Gottfried (Hg.): National-Chronik der Tonischen. Ei- ne politische Zeitung. 15. Mai 1805 (18. Stück). S. 141. 89
        

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