FÜRSTLICHER GEISTLICHER RAT ENGELBERT BUCHER 1913* BIS 2005 Am Mittwoch, den 19. Januar dieses Jahres, ver- starb in seinem 92. Lebensjahr unser Ehrenmit- glied Engelbert Bucher. Prälat, Alt-Dekan, Fürstlicher Geistlicher Rat ... Er hatte viele Titel, aber er war nur eines, nämlich der Pfarr Bucher oder ds Häärli, wie er sich selbst nannte und dies auch gerne hörte. Die kirchliche Laufbahn und seine seelsorgeri- sche Tätigkeit sind in den Nachrufen der Landes- zeitungen (Liechtensteiner Volksblatt vom 21. Ja- nuar 2005, Seite 8; Liechtensteiner Vaterland vom 21. Januar 2005, Seiten 1, 2 und 9) eingehend be- schrieben. So soll es hier, mit Verlaub, um einen persönlichen Nachruf und um eine persönliche Würdigung des Wissenschaftlers Engelbert Bucher gehen, geschrieben von mir, einem Triesenberger, geboren 1960, dessen Religionslehrer Engelbert Bucher in den ersten Jahren der Primarschule war und in späteren Jahren, als ich nach meinem Studi- um ebenfalls wissenschaftlich zu arbeiten begann, auch von Kritik seitens des Wissenschaftlers Bu- cher keineswegs verschont blieb. Engelbert Bucher wurde am 18. März 1984 von der Jahresversammlung des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein im Freizeitzen- trum Resch in Schaan zum Ehrenmitglied ernannt - und dies aus sehr gutem Grund: Engelbert Bucher war ein Sammler. Die Durch- sicht seines Privatarchivs - welches ich die Ehre hatte in seinem Heim auf Rizlina persönlich zu se- hen und zu ergründen, und das er schon zu Lebzei- ten der Gemeinde Triesenberg vermachte - zeigt das Gesicht eines Besessenen. Kein noch so winzi- ger Kommentar in irgendeiner Publikation, der sei- ne Interessensgebiete betraf, war es ihm nicht wert, ausgeschnittten und abgelegt zu werden (in einem seiner unzähligen Karteikästen). Eine Frage an ihn hatte jeweils zur Folge, dass er sich erhob und nach kurzem Suchen mit irgendeiner Mappe, einem Karteikästchen oder einem Schätze bergen- den Couvert die Antwort in Form von Fotos, Zei- tungsausschnitten, maschinengeschriebenen Zita- ten aus Büchern gab, dies alles kommentierend und das Wann und Woher erklärend. 
Seine eingangs angesprochenen Interessensge- biete waren vielfältig. Zum einen war es seine Hei- mat, die Innerschweiz, der Kanton Obwalden, der Geburtsort Kerns, zum anderen anderen war es die Wahlheimat: Liechtenstein! Und hier vor allem das Dorf Triesenberg, welchem er seit dem 5. Novem- ber 1940, als er dort Kaplan wurde, treu blieb. Die wenigsten, so zumindest hat mir meine Grossmutter oft erzählt, haben 1940 daran ge- glaubt, dass dieser impulsive Pfarrer bei den Wai- sern am Triesner Berg eine Zukunft haben könnte. Heute wissen wir, dass sich die Walser mit den In- nerschweizern verstehen können, trotz der beiden nachgesagten Sturheit. Pfarrer Bucher und die Triesenberger haben sich zusammengerauft, und sie haben zusammengefunden - letztlich wurde daraus eine unzertrennliche Liebe, und diese hat Engelbert Bucher in seinem Lebenswerk, dem neunbändigen Werk «Familienchronik der Ge- meinde Triesenberg», mehr als nur dokumentiert. Diese Bände weisen Engelbert Bucher nicht nur als gewissenhaften Genealogen aus, sondern auch als einen ungewöhnlichen Wissenschaftler. Einem noch so kleinen Hinweis nachzugehen, unerbitt- lich, war ihm keine Arbeit zuviel. Und er interes- sierte sich vor allem für die Menschen, die hinter dieser Unmenge an Daten und Informationen ste- hen und standen. Daraus ergibt sich auch, dass er sich für alles interessierte, was die Menschen be- trifft, berührt oder bewegt, womit die Menschen sich befassen. Für jeden Stamm, jede Sippe, jede Familie und Person interessierte er sich. So finden sich Sippschaftsnamen, Übernamen, Sozialgeschich- te und vieles mehr in einem Werk, das an Perfekti- on kaum mehr überboten werden kann. Seine bau- geschichtlichen Ausführungen im ersten Band der Familienchronik allein machen das Werk bereits wertvoll. Engelbert Bucher war nicht nur Pfarrer, sondern auch Historiker, Fleimatkundler, Landeskundler, Volkskundler, Literaturwissenschaftler, Namenkund- ler, Baugeschichtier, Soziologe ... Dabei soll der sehr wahrscheinliche Einfluss des langjährigen Prä- sidenten des Historischen Vereins, Dr. h. c. David Beck (ebenfalls ein Triesenberger, der viele Grund- 3
        

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