HEXENPROZESSE IN DEN NEUNZIGER JAHREN DES 16. JAHRHUNDERTS DER PROZESS GEGEN GRETA LORENZIN AUS BALZERS Im Vorarlberger Landesarchiv liegt im Bestand «Reichsherrschaft Blumenegg» die Urgicht einer «Greta Lorentzin», die aus dem Montafon stammte, in Balzers verheiratet war und vom Vaduzer Gericht verurteilt wurde.4 Nachdem durch die Teilung der Territorien der Grafen von Sulz im Jahr 1602 die ge- meinsame Verwaltung von Blumenegg, der Graf- schaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg been- det worden war,5 scheint das Dokument mit der Überschrift «Urgicht Greta Lorentzin auß Munta- fun» irrtümlich den blumeneggischen Akten zuge- ordnet worden zu sein. Erste Seite der Urgicht von Greta Lorenzin aus dem Montafon, verheiratet mit August Villis in Balzers 
Bei ihrem Fall handelt es sich um einen der frühesten bekannten liechtensteinischen Hexenpro- zesse. Die Urgicht der Frau enthält zwar keine Da- tumsangaben; aus einem Schriftvergleich ergibt sich jedoch eine zeitliche Zuordnung in die Neunzi- gerjahre des 16. Jahrhunderts: Die ebenfalls bei den blumeneggischen Akten liegende Urfehde des Wil- derers Andreas Wächter aus Bartholomäberg vom 15. Januar 1595 wurde eindeutig von derselben Hand geschrieben.6 Zudem erscheinen das Wasser- zeichen dieses Dokuments und jenes der Hexen-Ur- gicht als identisch. Das verwendete Papier wurde demnach in den Jahren zwischen 1593 und 1596 in Ravensburg hergestellt.7 Des Weiteren führen die Geständnisse der Lorenzin einen Jos Fritsch aus Balzers an, der auch in den von Peter Kaiser über- lieferten Unterlagen des Jahres 1598 als Hexenver- folger erwähnt ist.8 Greta Lorenzin war mit August Villis in Balzers verheiratet. Bereits vor längerer Zeit hatte sie ein- mal die Ehe mit Christian Nutt, ebenfalls aus Bal- zers, gebrochen und ihm ein Kind geboren, welches etliche Jahre vor dem Hexenprozess gegen seine Mutter verstorben war. Bevor sie Villis geheiratet hatte, war die Montafonerin bei einem Klaus Gesell in Diensten gestanden. Im Zuge ihres Gerichtsver- fahrens musste sie bestätigen, diesem eine Kronen- münze entwendet zu haben. 4) Vorarlberger Landesarchiv. Reichsherrschaft Blumenegg. Sch. 1, Nr. 3/12. 5) Birgit Wiedl: Die liechtensteinischen Bestände im Archiv der Grafen von Sulz (Schwarzenbergischos Familienarchiv, Cesksy Krumlov/Krumau). In: Bausteine zur liechtensteinischen Geschichte. Studien und studentische Forschungsbeiträge. Bd. 2. Neuzeit: Land und Leute. Hrsg. v. Arthur Brunhart. Zürich, 1999, S. 103—112, hier S. 109. 6) Vorarlberger Landesarchiv. Reichsherrschaft Blumenegg, Sch. 1. Nr. 3/9. 7) Die Turm-Wasserzeichen. Bearb. v. Gerhard Piccard. Stuttgart, 1970 (Veröffentlichungen der staatlichen Archivverwaltung Baden- Württembergs. Sonderreihe: Die Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Findbuch III), S. 40 u. 145. 8) Potcr Kaiser: Geschichte des Fürstcnüiums Liechtenstein. Nebst Schilderung aus Chur-Rätien's Vorzeit. Chur, 1847. Neu hrsg. v. Arthur Brunhart. Vaduz. 1989. S. 387. 72
        

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