Volltext: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein (2005) (104)

tensteiner Volksblatt» vom 9. Juli 1909 berichtet darüber: «Wegen der vorgerückten Zeit mussten die Spiele unterbrochen werden und es konnten auch nicht mehr alle Liedvorträge stattfinden, die noch in Aussicht genommen waren. Bei einer nochmals ge- reichten Erfrischung Hess man dem Festjubel die Zügel schiessen. Aus vollem Herzen erklang das <Hoch>, welches Herr Lehrer Frommelt dem Herrn fürstl. Kabinettsrate v. J. der Maur als dem Veran- stalter dieses schönen Festes und als dem Freund und Förderer der Schule brachte und mächtig er- brauste unter Böllersalven und Musikbegleitung der Schlusschor: <Oben am deutschen Rheim.» Bemerkenswert ist aber, dass im «Lesebuch für die hechtensteinischen Schulen» von 1914 die Landes- hymne nicht enthalten ist. Gegen Ende der 1930er Jahre56 schrieb Otto Se- ger einen «Abriss einer Vaterlandskunde für die liechtensteinischen Schulen». Diese Publikation stellt eine gewisse Art von «patriotischer Aufrüstung» dar, wie sie vor und während des Zweiten Weltkrie- ges auch in der Schweiz betrieben wurde. Für die Unterklassen benannte Otto Seger folgende Unter- richtinhalte: Erzählungen aus dem Leben der Für- sten, von der Sage vom «lichten Stein» bis herauf zu Reichels Buch «Fürst Johannes IL»; Sagen aus der Heimat und Schilderung der Schönheiten unse- rer Heimat; Bilder aus dem Burg- und Soldatenle- ben liechtensteinischer Vergangenheit; Einstreuun- gen von Erzählungen aus den Notzeiten des Landes und schliesslich das Absingen besonders der letz- ten Strophe der Volkshymne. Für die Mittelklasse schlug er die Pflege des Heimatliedes und Singen der Volkshymne vor, währenddem für die Ober- klassen festgehalten wurde, dass bei jedem Anlass auch ein Heimatlied oder die Volkshymne einge- schaltet werden sollte. Die Lehrerschaft der liechtensteinischen Schu- len scheint diesen Vorschlägen nicht gefolgt zu sein und vor allem scheint diese den Schülern nicht das richtige Verhalten beigebracht zu haben, denn am 19. Mai 1938 geht folgendes Schreiben der Regie- rung an alle Schulen: 
«Alle Schulen! Schon wiederholt wurde die Wahrnehmung ge- macht, dass gerade die Schulkinder bei der Absin- gung der Volkshymne den Hut nicht abnehmen. Die Schule wird angewiesen, durch wiederholte Beleh- rung der Schüler darauf zu verweisen, dass der Hut oder die Mütze abzunehmen sei, wenn die Volkshymne gespielt oder gesungen und die Volks- hymne immer stehend anzuhören ist. Fürstliche Regierung Dr. Hoop». Nach der Abänderung des Hymnentextes durch den Landtag am 18. Dezember 1963 wurde der geänderte und auf zwei Strophen gekürzte Text in den Zeitungen veröffentlicht und die Schulen wur- den aufgefordert, die Hymne mit dem geänderten Text im Singunterricht zu lehren. In die Lehrpläne für das Fach «Singen» wurde zudem eine Liste von Liedern aufgenommen, die sozusagen den Mini- malbestand an Liedern darstellten, die pflichtmäs- sig gelernt werden sollten. Unter diesen Liedern wurde auch die Landeshymne genannt. Zehn Jahre später sah sich der Stiftungsrat der Liechtensteinischen Musikschule veranlasst, die Regierung auf die Vernachlässigung des Sing- und Musikunterrichtes an den liechtensteinischen Schu- len aufmerksam zu machen. Als Reaktion darauf wurden die Schulinspektoren beauftragt, den Sing- unterricht zu inspizieren und darauf zu achten, dass die Hymne auswendig gelernt wurde.57 DIE HYMNENMELODIE ALS THEMATISCHES MATERIAL FÜR MUSIKALISCHE WERKE Wenn ein Komponist ein fremdes Thema für die Bearbeitung in einem eigenen Werk übernimmt, so bringt er damit zum Ausdruck, dass er dieses be- sonders gut, interessant oder originell findet. Auf diese Weise bringen Komponisten auch ihre Hoch- achtung für einen Kollegen oder für eine Melodie zum Ausdruck. Anhand der Zahl, wie oft ein The- ma für Variationen oder als Zitat verwendet wurde, 58
	        

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